In Borken rückt nun Trinkwasser als Wärmequelle in den Fokus
Forschungsprojekt „WasSERDICHT“ untersucht, wie Trinkwasser künftig als klimafreundliche Wärmequelle für die kommunale Wärmewende genutzt werden kann
12.06.2026
Quelle: E & M powernews
Aus Trinkwasser Wärme erzeugen: Ein Pilotprojekt im Westmünsterland hat begonnen. Teil des Forschungsvorhabens ist eine Versuchsanlage an einem Wasserwerk der Stadtwerke Borken.
Nicht nur Abwasser kann eine Rolle in der Wärmeversorgung spielen. Davon sind die Beteiligten an einem Pilotprojekt überzeugt, das die Wärmeenergie von Trinkwasser nutzbar machen will. Es trägt den Namen „WasSERDICHT“ und bringt die Stadtwerke Borken, die Fachhochschule (FH) Münster, das gewässerökologische Institut „AquaEcology“ aus Oldenburg und das Berliner Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) zusammen.
Das Vorhaben erhält im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms eine Förderung des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Herzstück des Projekts ist eine Versuchsanlage, die auf dem Gelände des Wasserwerks Trier der Stadtwerke Borken entstehen soll. Über anderthalb Jahre begleiten Wissenschaftsteams die Arbeit der Anlage im Westmünsterland.
Die Erwartungen der Kooperationspartner sind groß. Das IKEM hofft laut einer gemeinsamen Mitteilung, mit dem Trinkwasser eine neue klimafreundliche Wärmequelle erschließen zu können. Die Infrastrukturen des Trinkwassers können „künftig eine wichtige Rolle für die Wärmewende spielen“, glaubt Markus Niehaus aus dem Bereich Entwicklung der Stadtwerke Borken.
Trinkwasser hat für gewöhnlich eine wesentlich niedrigere Temperatur als Abwasser, das bereits als Energiequelle Verwendung findet. Der Einsatz von Wärmetauschern und Wärmepumpen könne die im Trinkwasser enthaltene Wärmeenergie allerdings ebenfalls auf ein nutzbares Temperaturniveau anheben, heißt es von den Projektpartnern. Deutschland hinke hier anderen Staaten in Europa hinterher.
Borkens Stadtwerke-Chef Roin Keßeler will das „enorme Potenzial“ aus der Kombination von Trinkwasser- und Wärmeversorgung heben. Das Projekt solle wichtige Erkenntnisse über „eine mögliche spätere Umsetzung in größerem Maßstab“ liefern.
Der FH Münster kommt die Aufgabe zu, das technische Konzepte für die Versuchsanlage zu entwickeln, die Energiepotenziale zu analysieren und die Ergebnisse der Versuchsanlage wissenschaftlich auszuwerten. Das IKEM wiederum untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Technologie.
Um diesen Punkt kümmert sich auch Aqua Ecology. Priorität habe die Sicherstellung der Trinkwasserqualität, so Geschäftsführer Thomas Raabe. Dazu liefert das Unternehmen neben einem kontinuierlichen Monitoring auch mikrobiologische und chemische Analysen.
Die Ergebnisse des Projekts können für andere kommunale Versorger nützlich sein, die vielfach Verantwortung für die Bereiche Trinkwasser tragen. Deshalb will Wasserdicht die Analysen im Sinne einer nachhaltigen Wärmeversorgung in Deutschland auch anderen Kommunen und Versorgungsunternehmen zur Verfügung stellen.
Autor: Volker Stephan
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