Eon will bidirektionales Laden auf breite Basis stellen
Im Forschungsprojekt BDL Next erproben Eon und seine Partner, wie bidirektional ladende Elektrofahrzeuge künftig zur Netzstabilität, Flexibilitätsvermarktung und Integration erneuerbarer Energien beitragen können
28.05.2026
Quelle: E & M powernews
Im Forschungsprojekt „BDL Next“ testet der Energiekonzern Eon gemeinsam mit Partnern, wie bidirektionales Laden netz- und marktdienlich skaliert werden kann.
Mit dem Pilotbetrieb des Forschungsprojekts BDL Next startet Eon gemeinsam mit Industrie-, Netz- und Forschungspartnern die nächste Entwicklungsstufe des bidirektionalen Ladens. Im Fokus steht nicht mehr allein die Optimierung des Eigenverbrauchs einzelner Haushalte, sondern die systemdienliche Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem. Ziel ist es, wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt, Flexibilitäten aus Haushalten künftig großflächig für Netzstabilität, Redispatch-Prozesse und die Integration erneuerbarer Energien nutzbar zu machen.
Dafür werden im Rahmen des Pilotprojekts reale Haushalte mit bidirektional ladefähigen Fahrzeugen ausgestattet. Die Fahrzeuge wurden kürzlich in der BMW Welt in München an die Teilnehmer übergeben. Über mehrere Monate hinweg untersuchen die Projektpartner unter Praxisbedingungen, wie sich E-Autos, Photovoltaik, Heimspeicher und intelligente Energiemanagementsysteme interoperabel verknüpfen lassen.
Netzdienliche Flexibilität aus Haushalten für das Netz
Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie tausende dezentrale Flexibilitäten koordiniert und in bestehende Markt- und Netzprozesse integriert werden können. Eon testet dabei, wie Elektrofahrzeuge gezielt aktiviert und in Echtzeit gesteuert werden können, ohne den Nutzungskomfort der Haushalte einzuschränken.
Eine zentrale Herausforderung liegt in der präzisen Messung und bilanziellen Zuordnung der Energieflüsse. Entscheidend ist etwa die Frage, wann Strom aus dem Fahrzeug ins Netz eingespeist wird, aus welchen Quellen die Energie stammt und wie diese Prozesse regulatorisch abgebildet werden können. Gleichzeitig erproben die Projektpartner standardisierte Kommunikationsprozesse zwischen Übertragungsnetzbetreibern, Verteilnetzbetreibern und Haushalten.
Damit adressiert BDL Next wesentliche Anforderungen des sogenannten Redispatch 3.0. Künftig sollen auch dezentrale Ressourcen auf Niederspannungsebene zur Vermeidung von Netzengpässen beitragen. Dafür sind skalierbare und herstellerübergreifende Prozesse erforderlich, die eine koordinierte Steuerung vieler einzelner Anlagen ermöglichen.
„Der nächste Schritt beim bidirektionalen Laden ist klar: weg von der Einzellösung hin zur Nutzung im Energiesystem“, sagt Stefan Padberg, Leiter Innovation bei Eon.
Offene Systeme als Grundlage für Skalierung
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die intelligente Verknüpfung von bidirektionalem Laden und Photovoltaik. Die Fahrzeuge dienen dabei sowohl der Eigenverbrauchsoptimierung als auch der Vermarktung von Flexibilität über Vehicle-to-Grid-Anwendungen.
Voraussetzung für die Skalierung ist nach Einschätzung der Projektpartner ein hohes Maß an Interoperabilität. Fahrzeuge, Wallboxen, Energiemanagementsysteme, PV-Anlagen und Heimspeicher sollen herstellerübergreifend zusammenarbeiten, bei offenen Standards zwischen Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Forschung.
BDL Next läuft seit November 2023 und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Zu den Projektpartnern zählen neben Eon und BMW Bayernwerk Netz, Tennet, KEO, Compleo sowie mehrere wissenschaftliche Einrichtungen.
Autor: Günter Drewnitzky
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