Deutschlands Klimapfad führt nicht bis zum Ziel

Projektionsbericht 2026: Deutschlands Treibhausgasemissionen sinken weiter, doch die Klimaziele für 2030 und 2045 werden mit den bisher beschlossenen Maßnahmen voraussichtlich verfehlt

16.06.2026

Quelle: E & M powernews

Die Treibhausgas-Projektionen des Öko-Instituts zeigen: Mit den bislang beschlossenen Maßnahmen sinken Deutschlands Emissionen zwar weiter. Zentrale Klimaziele aber werden verfehlt. 

Deutschland wird seine Klimaziele mit den bislang beschlossenen und umgesetzten Maßnahmen voraussichtlich nicht erreichen. Das zeigt der Projektionsbericht 2026, den das Öko-Institut gemeinsam mit mehreren Forschungseinrichtungen im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt hat.

Bis 2030 sinken die Treibhausgasemissionen demnach zwar gegenüber 1990 um 62,6 Prozent. Das im Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) festgelegte Ziel von 65 Prozent wird damit aber knapp verfehlt. Die für 2045 angestrebte Netto-Treibhausgasneutralität verpasst Deutschland mit den bislang beschlossenen Maßnahmen sogar deutlich: Eine Minderung von nur 83 Prozent prognostiziert der Bericht für das Zieljahr. 

Konkret: Die Gesamtemissionen ohne Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) gehen den Forschenden zufolge von 649,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2024 auf 468,4 Millionen Tonnen im Jahr 2030 zurück. Für 2045 werden immer noch 212,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgewiesen. 

Musterschüler Energiewirtschaft

Als wichtigste Treiber der Emissionsminderung nennt die Studie den Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerungen und Energieeinsparungen. So berechnen die Autoren den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 mit rund 79 Prozent. Gleichzeitig sinken die Emissionen der Energiewirtschaft bis 2030 auf 94,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und damit um mehr als die Hälfte gegenüber 2024. Allerdings: Das für 2030 gesteckte Ziel eines Erneuerbaren-Anteils am Strommix von 80 Prozent wird auch hier knapp verfehlt.  
Die größten Defizite sehen die Autoren im Verkehrs- und Gebäudesektor. Im Verkehr summiert sich die Zielverfehlung bis 2030 auf rund 187 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Auch werden für 2030 lediglich sieben Millionen batterieelektrische Pkw prognostiziert. Das liegt deutlich unter der politischen Zielmarke von 15 Millionen Fahrzeugen. 

Im Gebäudesektor bleibt bis 2030 eine Lücke von 110 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber dem Klimaschutzpfad bestehen. Die (potenziellen) Auswirkungen von Gebäudemodernisierungsgesetz und der Bundesförderung für effiziente Gebäude bewertet die Studie dabei positiv. 

Die Industrie wird nach den Projektionen bereits ab etwa 2028 zum größten Emittenten Deutschlands und bleibt auch langfristig der emissionsstärkste Sektor. Gleichwohl sinken die Emissionen der Industrie bis 2030 um rund 60 Prozent. Das Instrument, das den Studienautoren zufolge den größten Beitrag zur Emissionsminderung leistet, ist der EU-Emissionshandel.

Besonders kritisch bewertet der Bericht die Entwicklung im LULUCF-Sektor. Die Landwirtschaft unterschreite zwar die Jahresemissionsmengen bis 2030. Geringere Mengen ausgebrachten Stickstoffs und die Verbesserung der Stickstoffeffizienz führten zu sinkenden Emissionen. Langfristig jedoch würden die Emissionen der Landwirtschaft deutlich langsamer sinken als in anderen Sektoren. Der Sektor werde damit zur zweitgrößten Emissionsquelle.

Die vollständige Studie „Treibhausgasprojektionen 2026 für Deutschland“, an der neben dem Ökoinstitut auch das Fraunhofer ISI, IREES, Prognos, M-Five, FfE und das Thünen-Institut beteiligt waren, ist im Internet abrufbar.

Autorin: Katia Meyer-Tien

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