Bundesregierung sieht CO2-Speicher erst in Jahren

Die Bundesregierung sieht den Aufbau von CO2-Speichern in Deutschland als langfristige Aufgabe und setzt zunächst auf europäische Lösungen für CCS-Exporte

18.05.2026

Quelle: E & M powernews

Die Bundesregierung rechnet mit bis zu zehn Jahren für CO2-Speicher in Deutschland. Exporte zur Speicherung hält sie vor allem innerhalb des EU-Emissionshandels für sinnvoll.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Erschließung von Kohlendioxid-Speichern in Deutschland acht bis zehn Jahre dauern würde. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Derzeit gebe es in Deutschland keine CO2-Speicher.

Laut Bundesregierung ist der Export von CO2 zur Speicherung im Ausland nur wirtschaftlich sinnvoll, wenn Unternehmen für die eingelagerten Mengen keine Emissionshandelszertifikate abgeben müssen. Deshalb komme eine Speicherung vor allem in Staaten infrage, die dem europäischen Emissionshandelssystem unterliegen. Mit diesen Ländern seien Vereinbarungen zum Export von CO2 „vorrangig“ denkbar.

Die Bundesregierung verweist zudem darauf, dass die Sicherheitsanforderungen für CO2-Speicher jeweils vom betreffenden Staat geregelt werden müssten. Mitgliedstaaten der Europäischen Union seien dabei an strenge europäische Vorgaben für Monitoring und Kontrolle gebunden.

Risiken überwachen

In ihrer Antwort bezieht sich die Bundesregierung auch auf die Bewertung der Offshore-CCS-Technologie. Sie verweist unter anderem auf ein Positionspapier des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2023. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen und regulatorischen Bewertungsrahmen werde CCS demnach „zunehmend belastbar bezogen auf Teilaspekte“ beschrieben. Die Bundesregierung nennt als Grundlage Betriebsdaten aus wenigen großskaligen CCS-Projekten, etwa in Norwegen, sowie experimentelle und modellbasierte Datensätze.

Zugleich weist die Bundesregierung auf standortabhängige Risiken hin. Physikalisch-chemische Prozesse der CO2-Speicherung seien grundsätzlich übertragbar. Die Integrität geologischer Barrieren, mögliche Migrationspfade sowie Umweltwirkungen hingen jedoch stark von lokalen geologischen, hydrodynamischen und ökologischen Bedingungen ab. Deshalb seien standortspezifische Bewertungen und Monitoringprogramme notwendig.

Für Projekte zur CO2-Speicherung unter dem Meeresboden sollen zudem umfangreiche Umweltauflagen gelten. Nach Angaben der Bundesregierung verpflichtet das Hohe-See-Einbringungsgesetz Vorhabenträger dazu, Auswirkungen auf Meeresumwelt, Ökosysteme und biologische Vielfalt zu untersuchen und zu dokumentieren. Die gewonnenen Daten müssten an die zuständigen Behörden übermittelt werden.

Bundestag genehmigte CO2-Exporte

Hintergrund der Anfrage sind Änderungen des Londoner Protokolls und des Hohe-See-Einbringungsgesetzes, die der Bundestag Ende Januar beschlossen hatte. Das Vertragsgesetz zum Londoner Protokoll schafft laut Bundesregierung die innerstaatlichen Voraussetzungen für die Ratifikation der Änderungen von Artikel 6 des Protokolls. Dadurch werde Deutschland in die Lage versetzt, Ausnahmen vom bisherigen Exportverbot für Stoffe und Gegenstände zuzulassen und CO2-Exporte zur Speicherung unter dem Meeresboden zu ermöglichen.

Eine Verpflichtung zum Abschluss konkreter Exportvereinbarungen mit anderen Staaten entstehe dadurch laut Bundesregierung allerdings noch nicht. Der dafür notwendige Erfüllungsaufwand sei im Ersten Gesetz zur Änderung des Hohe-See-Einbringungsgesetzes berücksichtigt worden.

Die Bundesregierung konkretisierte außerdem, welche Emissionen sie als „schwer oder nicht vermeidbar“ einstuft. Diese Formulierung im Gesetzentwurf beziehe sich insbesondere auf Prozessemissionen aus der Kalk- und Zementindustrie sowie auf Emissionen aus der Abfallverbrennung.

Wie umfangreich Monitoring und Berichtspflichten ausfallen, soll laut Bundesregierung jeweils im Genehmigungsbescheid festgelegt werden. Art, Umfang und Dauer der Überwachung hingen vom jeweiligen Vorhaben, den eingesetzten Methoden sowie den erwarteten Auswirkungen und Unsicherheiten ab.

Autorin: Susanne Harmsen

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