Avacon testet Wärmegewinnung aus Trinkwasser
27.07.2026
Quelle: E & M powernews
Der Energieversorger Avacon hat in Lüneburg eine Pilotanlage zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser in Betrieb genommen. Das Projekt soll Erkenntnisse für die Wärmewende liefern.
Der Energieversorger Avacon hat in Lüneburg eine Pilotanlage zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser in Betrieb genommen. Nach Angaben des Unternehmens aus Helmstedt gehört das Vorhaben zu den ersten Projekten dieser Art in Deutschland. Es soll unter realen Betriebsbedingungen untersuchen, ob sich die im Trinkwasser enthaltene Wärme sicher und effizient für die Wärmeversorgung nutzen lässt. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt.
Gemeinsam mit dem niedersächsischen Energieminister Christian Meyer (Grüne), und der Lüneburger Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch nahm Avacon-Vorstandsvorsitzender Matthias Boxberger die Anlage am 24. Juli offiziell in Betrieb. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben rund 500.000 Euro in das Pilotprojekt.
Trinkwasser bleibt sauber
Die Anlage nutzt einen Teil des Trinkwassers, der über einen Bypass durch einen Wärmetauscher geleitet wird. Dieser entzieht dem Wasser einen kleinen Teil seiner Wärmeenergie. Ein separater Kreislauf überträgt die Energie auf eine Wärmepumpe, die sie auf das für Heizung und Warmwasser benötigte Temperaturniveau anhebt. Anschließend fließt das Trinkwasser zurück in das Versorgungsnetz.
Laut Avacon bleibt die Temperaturänderung für Verbraucherinnen und Verbraucher praktisch nicht wahrnehmbar. Geschlossene Kreisläufe, mehrstufige Sicherheitsmechanismen und eine kontinuierliche Überwachung sollen zudem sicherstellen, dass die Trinkwasserqualität nicht beeinträchtigt wird.
Wissenschaftliche Begleitung gesichert
Die Pilotanlage versorgt zunächst das Wasserwerk mit Wärme. Gleichzeitig wollen die Projektpartner Daten zur technischen Machbarkeit, Energieeffizienz und Betriebssicherheit sammeln. Wissenschaftlich begleiten das Vorhaben das IWW Institut für Wasserforschung GmbH, die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie die SWB Services GmbH.
Nach Angaben von Avacon könnte die Technologie langfristig einen Beitrag zur Wärmewende leisten. Das Unternehmen verweist auf Berechnungen, wonach sich bundesweit jährlich rund 7,3 Milliarden kWh Wärme erschließen ließen, wenn etwa ein Drittel des Trinkwassers um vier Grad Celsius abgekühlt würde. Dies entspräche etwa 14 Prozent der heutigen Fernwärmenutzung privater Haushalte in Deutschland. Für Lüneburg sieht Avacon perspektivisch das Potenzial, bis zu 25 Prozent des derzeitigen Wärmebedarfs der zentralen Wärmeversorgung zu decken.
Grundlagen für gesetzliche Regeln ableiten
Derzeit erlaubt die geltende Gesetzgebung den Regelbetrieb solcher Anlagen in Deutschland nach Angaben des Unternehmens noch nicht. Deshalb sollen die Ergebnisse des Pilotprojekts auch eine Grundlage für mögliche Anpassungen der regulatorischen Rahmenbedingungen schaffen. Avacon verweist dabei auf Erfahrungen aus Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden. Dort werde die Wärmegewinnung aus Trinkwasser bereits in größerem Umfang eingesetzt.
Avacon-Chef Matthias Boxberger erklärte, das Projekt solle zeigen, wie sich bestehende Infrastruktur zusätzlich für die Wärmeversorgung nutzen lasse, ohne die Qualität des Trinkwassers zu beeinträchtigen. Sollten sich die Erwartungen bestätigen, könne die Technologie eine weitere Option für eine nachhaltige Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden werden.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer bezeichnete die Wärmegewinnung aus Trinkwasser als „einen innovativen Ansatz für eine klimaneutrale Energieversorgung“. Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch sieht in der Pilotanlage nach eigenen Angaben ein Beispiel dafür, wie vorhandene Ressourcen für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung genutzt werden können.
Autorin: Susanne Harmsen
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