Batterieriese zieht den Stecker

27.07.2026

Quelle: E & M powernews
    
Der Batterie- und Speicherhersteller Varta hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind auch mehrere Tochtergesellschaften. 
    
Die Varta AG hat beim Amtsgericht Stuttgart die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Nach Angaben des Unternehmens soll der Geschäftsbetrieb im Rahmen der insolvenzrechtlichen Vorgaben uneingeschränkt fortgeführt werden.

Neben der AG seien aufgrund konzerninterner Verflechtungen auch die Varta Microbattery GmbH in Ellwangen, die Varta Micro Production GmbH in Nördlingen sowie die Varta Storage GmbH betroffen, heißt es in einer Mitteilung. Für die Microbattery GmbH soll ebenfalls ein Verfahren in Eigenverwaltung beantragt werden.

Nicht von der Antragstellung betroffen ist der Geschäftsbereich „Consumer Batteries“. Die zugehörigen Gesellschaften seien rechtlich und operativ getrennt sowie finanziell eigenständig aufgestellt.

Als Gründe für die erneute Krise nennt das Unternehmen verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte sowie die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden. Hinzu kämen komplexe Konzernstrukturen mit internen Verflechtungen, die die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen erschwerten und zusätzlichen Liquiditätsbedarf verursachten.

„Markt für Energiespeicher ist unverändert eine Zukunftsbranche“

Die aktualisierte Unternehmensplanung auf Ebene der Konzernmutter habe eine „strukturelle Finanzierungslücke“ ergeben, heißt es weiter. Diese habe insbesondere mit Blick auf die weitere Unternehmensentwicklung ab 2027 zu einer insolvenzrechtlich relevanten Überschuldung geführt. Der Antrag sei nicht auf eine akute Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb zurückzuführen.

Zu den wichtigsten Geldgebern des Unternehmens gehören die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox. Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner sollen weiterhin die bisherigen Leistungen erhalten. Auch die Löhne und Gehälter der Beschäftigten würden nach der Antragstellung weitergezahlt.

Varta habe in den vergangenen Quartalen „mit großen Herausforderungen zu kämpfen“, kommentiert CEO Michael Ostermann. Man werde mit aller Kraft daran arbeiten, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und eine nachhaltige Fortführung zu ermöglichen. „Der Markt für Energiespeicher ist unverändert eine Zukunftsbranche, die starke heimische Anbieter und Technologieführer benötigt“, so der Varta-Chef.

Restrukturierung erst vor gut einem Jahr

Zwei Jahre ist es her, dass Varta ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) anstieß. „Die aktuelle Schuldensituation verbaut der Varta-Gruppe absehbar die Chancen auf eine positive Geschäftsentwicklung. Ohne die Reduzierung unserer Schulden können wir notwendige Investitionen nicht tätigen“, ließ sich der „Chief Risk Manager“ des Unternehmens in einer Pressemitteilung zitieren. Mit dem vorinsolvenzlichen Prozedere des StaRUG-Verfahrens soll „eine mögliche Insolvenz des Unternehmens nachhaltig abgewendet werden“, hieß es.

Im September 2024 einigte sich der Batteriehersteller mit Gläubigern auf einen nachgebesserten Kompromiss für den Sanierungsplan. „Das ergänzte Sanierungskonzept entspricht strukturell im Wesentlichen dem Sanierungskonzept vom 17. August 2024 und enthält zusätzlich ein verbessertes Angebot an die Schuldscheindarlehensgläubiger“, teilte das Unternehmen mit. Das StaRUG-Programm endete im April 2025.

Seit Abschluss der Restrukturierung befindet sich Varta im Eigentum des österreichischen Investors Michael Tojner und der Porsche AG.

Autor: Manfred Fischer 

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