Besser vernetzt, schneller wirksam: Wie Kooperationen die Krebsmedizin voranbringen

26.08.2026

Innovationen entstehen dort, wo unterschiedliche Ideen und Perspektiven aufeinandertreffen. Beim Innovation Matchmaking Onkologie kommen Start-Ups und Vertreterinnen und Vertreter der bayerischen Universitätskliniken zusammen, um vielversprechende Ideen für die Krebsmedizin gemeinsam weiter zu denken. Im Interview sprechen Dr. Harald Unterweger aus dem Gesundheitsteam bei Bayern Innovativ und Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini vom BZKF darüber, warum der Austausch zwischen Medizin, Forschung und Wirtschaft so wichtig ist und wie neue Technologien den Weg in den klinischen Alltag finden können.

Herr Dr. Unterweger, warum braucht es Formate wie das Innovation Matchmaking Onkologie?

Innovationen entstehen selten isoliert. Gerade in der Onkologie braucht es den engen Austausch zwischen Kliniken, Forschung, Start-ups, Industrie und Investoren, damit aus guten Ideen tatsächlich Lösungen für Patientinnen und Patienten werden. Formate wie das Innovation Matchmaking bringen die richtigen Akteure frühzeitig zusammen, schaffen neue Kooperationen und helfen dabei, Entwicklungszeiten zu verkürzen und Innovationspotenziale schneller in die Versorgung zu überführen.

 

Welche Rolle spielt das BZKF bei der Vernetzung von Kliniken und innovativen Unternehmen? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Das BZKF schafft eine ideale Plattform, um die sechs bayerischen Universitätskliniken mit externen Partnern zu vernetzen. Dadurch können innovative Ideen frühzeitig mit klinischen Anforderungen zusammengebracht und gemeinsam weiterentwickelt werden. Es schafft damit ein Umfeld für neue Kooperationen und hilft, vielversprechende Entwicklungen in Bayern gezielt voranzubringen – mit dem Ziel, dass neue Ansätze möglichst schnell ihren Weg zu den Patientinnen und Patienten finden. 

Welche Herausforderungen erleben Kliniken heute bei der Einführung neuer Technologien und Innovationen? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Die eigentliche Herausforderung liegt häufig bei der Umsetzung im klinischen Alltag. Neben dem medizinischen Nutzen müssen Datenschutz, regulatorische Anforderungen, technische Schnittstellen, Ressourcen und bestehende Abläufe berücksichtigt werden. Eine Innovation muss deshalb nicht nur gut funktionieren, sondern sich auch praktikabel und nachhaltig in die Versorgung integrieren lassen.

Was sollen Start-ups mitbringen, wenn sie mit Kliniken zusammenarbeiten möchten? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Vor allem Offenheit für die tatsächlichen Bedürfnisse im klinischen Alltag. Aus meiner Sicht sollte der Kontakt zu einer Klinik möglichst in einer frühen Entwicklungsphase gesucht werden, damit klinische Anforderungen und mögliche Hürden von Beginn an mitgedacht werden können. Eine gute technologische Idee allein reicht nicht – sie muss ein relevantes Problem lösen, praktikabel sein und einen klaren Mehrwert für Patientinnen, Patienten oder Behandlungsteams schaffen. Wichtig ist auch die Bereitschaft, Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Welche Innovationsfelder sehen Sie derzeit als besonders vielversprechend für die Onkologie? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Aus meiner persönlichen Sicht als Strahlentherapeutin sehe ich besonders großes Potenzial in künstlicher Intelligenz, intelligenter Bildgebung und datengetriebenen, personalisierten Therapiekonzepten. Besonders spannend sind für mich Technologien, die uns helfen, Tumoren genauer zu charakterisieren, Therapien individueller anzupassen und klinische Abläufe effizienter zu gestalten. 

Warum ist der Wissenstransfer in der Krebsmedizin so wichtig? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Wissenstransfer in der Onkologie ist keine Einbahnstraße: Erkenntnisse aus der Forschung müssen in die klinische Versorgung gelangen, gleichzeitig sollten Erfahrungen, Fragestellungen und neue Ideen aus dem klinischen Alltag zurück in die Forschung fließen. Dieser Austausch in beide Richtungen ist entscheidend, um relevante Innovationen zielgerichtet weiterzuentwickeln. 

Welche Bedeutung haben Patientinnen und Patienten für die Krebsforschung von heute? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Die frühe Einbindung von Patientinnen und Patienten ist heute ein wichtiger Bestandteil guter Forschung. Sie bringen eine andere Perspektive auf Forschungsfragen, Prioritäten und relevante Endpunkte ein, als wir sie aus klinischer oder wissenschaftlicher Sicht haben. Ich erlebe diese Perspektive als große Bereicherung, weil sie hilft, Forschung näher an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen auszurichten. 
 

Welche Botschaft möchten Sie den Teilnehmenden des Innovation Matchmaking mit auf den Weg geben? 

Herr Dr. Harald Unterweger: Nutzen Sie die Gelegenheit, offen über Herausforderungen, Bedarfe und Ideen zu sprechen. Die besten Kooperationen entstehen oft aus Gesprächen, die ursprünglich gar nicht geplant waren. Seien Sie neugierig, denken Sie über bestehende Grenzen hinweg und suchen Sie aktiv nach Partnern, die Ihre Perspektive ergänzen. Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Kompetenzen aufeinandertreffen.

Welches Potenzial sehen Sie in den Ideen und Pitches, die beim Innovation Matchmaking vorgestellt werden? 

Frau Prof. Dr. Stefanie Corradini: Ich durfte beim letzten Innovation Matchmaking bereits dabei sein und fand besonders spannend, wie vielfältig die Ideen der Teilnehmenden waren – und wie unterschiedlich weit sie in ihrer Entwicklung bereits waren. Wenn es gelingt, hier das richtige Matchmaking mit den bayerischen Universitätskliniken zu schaffen, entsteht genau das Umfeld, in dem aus guten Ideen konkrete Kooperationen und letztlich auch wirklich große Innovationen entstehen können. 

Vielen Dank für das Interview!  

Im Interview sprechen Dr. Harald Unterweger und Prof. Dr. Stefanie Corradini über die Bedeutung von Kooperationen, Wissenstransfer und KI-Innovationen in der Onkologie. Erfahren Sie, warum die Vernetzung von Kliniken, Forschung und Start-ups entscheidend für die Krebsmedizin von morgen ist und treffen Sie die Akteure beim Innovation Matchmaking Onkologie persönlich. 

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