Sommerwärme für den Winter speichern

Die Universität Duisburg-Essen untersucht in drei Forschungsprojekten, wie saisonale Wärmespeicher erneuerbare Wärme wirtschaftlich für den Winter verfügbar machen können

22.06.2026

Quelle: E & M powernews

Die Universität Duisburg-Essen erforscht in drei Projekten saisonale Wärmespeicher. Ziel ist es, überschüssige Sommerwärme für die Versorgung von Wärmenetzen im Winter nutzen zu können.

Im Sommer steht Wärme aus nachhaltigen Energiequellen oft im Überfluss zur Verfügung, im Winter wird sie dringend benötigt. Saisonale Wärmespeicher könnten diese Lücke schließen. Dazu müssen sich saisonale Speicher jedoch nicht nur klimafreundlich, sondern auch wirtschaftlich betreiben lassen. Hier setzen nun drei Projekte der Universität Duisburg-Essen (UDE) an. 

„Mit unseren Projekten schaffen wir die wissenschaftliche Grundlage, damit Kommunen, Stadtwerke und Energieversorger diese Potenziale künftig sicher und wirtschaftlich nutzen können“, sagte Projektleiter Christian Thommessen vom Lehrstuhl Energietechnik. „Die gewonnenen Erkenntnisse sollen der gesamten Wärmebranche als Orientierung für eigene Projekte dienen.“

Wissenschaftliche Grundlagen für Kommunen und Versorger

Die UDE beteiligt sich mit drei Vorhaben am Förderprogramm „URBAN ARENA Seasonal Heat Storage“ des Bundeswirtschaftsministeriums. In den Projekten „HANSE“, „LEEZE“ und „BISAM“ wird untersucht, wie sich überschüssige Wärme aus erneuerbaren Energiequellen über längere Zeiträume speichern und für die Wärmeversorgung im Winter nutzen lässt. Nach Angaben der Hochschule ist die UDE die einzige deutsche Universität, die in dem Förderformat mit drei Projekten vertreten ist.

Nach Angaben des Lehrstuhls Energietechnik sollen die Projekte technische, wirtschaftliche und planerische Grundlagen für den Einsatz saisonaler Wärmespeicher liefern. Die Forschenden arbeiten dabei mit kommunalen Unternehmen und Ingenieurbüros zusammen. Untersucht werden sowohl die Integration der Speicher in bestehende Wärmenetze als auch Fragen der Standortwahl und Wirtschaftlichkeit.

Erdbeckenwärmespeicher in Lübeck wird untersucht

Im Projekt „HANSE − Hydraulische und techno-ökonomische Analysen für Netzverbundsysteme mit Saisonalen Erdbeckenwärmespeichern am Beispiel der Fernwärme in Lübeck“ arbeitet die UDE mit den Stadtwerken Lübeck und dem Ingenieurbüro Ramboll zusammen. Das Konsortium prüft die Machbarkeit eines saisonalen Erdbeckenwärmespeichers im Stadtgebiet von Lübeck. 

Der Speicher soll Wärme aus Solarthermieanlagen sowie aus Wärmepumpen nutzen, die Energie aus Abwasser und Flusswasser bereitstellen. Die Partner analysieren potenzielle Standorte unter geotechnischen, hydrologischen und planungsrechtlichen Gesichtspunkten. Darüber hinaus simulieren sie den Betrieb des Speichers im Zusammenspiel mit verschiedenen Wärmeerzeugern über mehrere Jahre.

LEEZE untersucht Standorte mit hohem Grundwasserstand

Beim Projekt „LEEZE − Langfristige Energiesystemanalyse für Erdbeckenspeicher urbaner Fernwärmenetze“ schauen sich die Forschenden den Einsatz saisonaler Erdbeckenspeicher in Städten mit hohem Grundwasserspiegel genauer an. Solche Standorte gelten bislang häufig als schwierig oder ungeeignet für entsprechende Speicherlösungen.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Münster und Ramboll will die UDE mögliche Standorte finden und Wärmenetzsimulationen erstellen. Ziel ist unter anderem ein Kriterienkatalog für die Planung saisonaler Erdbeckenspeicher in dicht besiedelten Stadtgebieten. Die Ergebnisse sollen Hinweise liefern, unter welchen Bedingungen sich entsprechende Anlagen auch an anspruchsvollen Standorten realisieren lassen.

Umnutzung einer ehemaligen Kohlenwäsche im dritten Projekt

Im Projekt „BISAM − Untersuchung und Bewertung einer grundsätzlichen Umnutzung ehemaliger Zechen-Gebäudekomplexe“ richtet sich der Blick auf eine ehemalige Kohlenwäscheanlage im Hückelhovener Ortsteil Ratheim. Gemeinsam mit der WEP Wärme-, Energie- und Prozesstechnik sowie dem Bauingenieurbüro W+G untersucht die UDE, ob sich das Bauwerk als saisonaler Wärmespeicher nutzen lässt.

Die Anlage verfügt über einen Durchmesser von rund 100 Metern und liegt in der Nähe eines Fernwärmenetzes. Die Forschenden analysieren die bautechnische Eignung des Bestandsgebäudes, Möglichkeiten der Netzintegration sowie die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen eines Umbaus.

Sollte sich das Konzept als umsetzbar erweisen, könnte die Anlage zu den ersten umgenutzten Bestandsbauwerken in Deutschland gehören, die Wärme aus erneuerbaren Energiequellen saisonal speichern. Das Projekt adressiert damit auch die Frage, welche Rolle ehemalige Industrie- und Bergbaustandorte künftig in der Wärmeversorgung übernehmen können.

Autorin: Heidi Roider

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