RWE will Biblis zum Fusionsstandort machen
RWE erhöht sein Engagement in der Fusionsenergie und unterstützt den Ausbau der Laserfusionstechnologie von Focused Energy am Standort Biblis mit weiteren 60 Millionen Euro
29.05.2026
Quelle: E & M powernews
RWE will die Fusionsenergie in Deutschland weiter vorantreiben. Der Konzern investiert weitere 60 Millionen Euro in Focused Energy und plant ein Fusionskraftwerk in Biblis.
Die Bundesregierung hat die Fusionsenergie inzwischen zu einer strategischen Zukunftstechnologie erklärt. Bis 2037 will der Bund insgesamt 9 Milliarden Euro in die Entwicklung investieren (wir berichteten). RWE zählt zu den ersten großen Energiekonzernen in Deutschland, die konkrete Industrieprojekte in diesem Bereich vorantreiben. Dazu gehört die Beteiligung an dem Darmstädter Start-up Focused Energy.
Wie der Energiekonzern in einer Mitteilung vom 27. Mai bekannt gibt, baut er seine seit Oktober 2025 bestehende Beteiligung an dem Fusionsunternehmen Focused Energy um weitere 60 Millionen Euro aus. Die Investition erfolgt im Rahmen einer internationalen Finanzierungsrunde, bei der Focused Energy insgesamt 240 Millionen US-Dollar (umgerechnet 206 Millionen Euro) einwerben konnte. Investoren aus Europa, den USA, Asien und der Golfregion waren daran beteiligt.
Zwei Methoden der Kernfusion
Derzeit verfolgen Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit vor allem zwei Methoden der Kernfusion: Bei der sogenannten Magnetfusion halten starke Magnetfelder ein extrem heißes Plasma stabil, damit Wasserstoffkerne nicht an die Reaktorwände gelangen und im schwebenden Zustand miteinander verschmelzen können. Dabei setzen sie Energie frei.
Focused Energy hat sich dagegen auf die Trägheitsfusion, häufig auch Laserfusion genannt, spezialisiert. Dabei richten Hochleistungslaser ihre Energie auf winzige Brennstoffkapseln, die die Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium enthalten. Die enorme Hitze und der starke Druck lassen die Atomkerne verschmelzen und Energie freiwerden.
Der Standort Biblis in Südhessen, zwischen Darmstadt und Mannheim gelegen, spielt in den Plänen von Focused Energy eine zentrale Rolle. Das Unternehmen will auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks langfristig ein Fusionskraftwerk errichten. Nach Angaben von RWE soll ein großer Teil des neuen Kapitals in den Ausbau des Standorts fließen. Bereits heute arbeitet das Darmstädter Unternehmen dort an Entwicklungsprojekten für Laserfusionstechnologien.
Vorteile des Standorts Biblis
RWE sieht in dem früheren Kraftwerksstandort mehrere Vorteile. Vorhanden sind bereits Netzanschlüsse, Industrieflächen und kerntechnische Infrastruktur. Zudem bringt der Konzern Erfahrung aus dem Kraftwerksbetrieb sowie bei Genehmigungsverfahren ein. Sollte Biblis den Zuschlag des Bundes für einen geplanten Laserfusions-Hub erhalten, will RWE den Rückbau der bisherigen Anlagen beschleunigen, um Flächen schneller bereitzustellen.
Während Focused Energy in Hessen auf die Laserfusion als Methode setzt, treibt das Münchner Unternehmen Proxima Fusion in Bayern Projekte zur Magnetfusion voran (wir berichteten Ende Februar). Die Bundesregierung will mit ihrer Förderstrategie beide Fusionsmethoden parallel weiterentwickeln.
Autorin: Davina SPohn
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern Innovativ Newsservice
Sie möchten regelmäßige Updates zu den Branchen, Technologie- und Themenfeldern von Bayern Innovativ erhalten? Bei unserem Newsservice sind Sie genau richtig!