Fernwärme könnte 20 Millionen Wohnungen erreichen

Neuer Fernwärmeatlas von Prognos zeigt: Bis 2045 könnten bis zu 20 Millionen Wohnungen in Deutschland mit Fernwärme versorgt werden

18.06.2026

Quelle: E & M powernews

Die Wärmewende könnte stärker auf Fernwärme setzen als bisher. Das zeigt der neue Fernwärmeatlas von Prognos für Deutschlands Kreise und Städte.

Der neue Fernwärmeatlas der Prognos AG zeigt erhebliche Ausbaupotenziale für Fernwärme. Für die Untersuchung wertete das Baseler Beratungs- und Forschungsunternehmen die Rahmenbedingungen in allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland aus.

Laut Prognos könnte bis 2045 fast jede zweite Wohnung hierzulande grundsätzlich mit Fernwärme versorgt werden. Derzeit deckt Fernwärme nur rund zehn Prozent der Wärmenachfrage aller Wohnungen. Würden alle geeigneten Gebiete erschlossen, könnte dieser Anteil auf bis zu 48 Prozent steigen. Die Zahl der Wohnungen mit grundsätzlicher Fernwärmeeignung würde damit von heute 6,4 Millionen auf rund 20 Millionen wachsen.

Für die Analyse modellierte Prognos den Wohngebäudebestand, die Wärmenachfrage sowie lokale Rahmenbedingungen flächendeckend für ganz Deutschland. Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede. In fast der Hälfte aller Kreise seien die Voraussetzungen für den Ausbau und die Dekarbonisierung von Fernwärme gut oder sehr gut. Besonders günstige Bedingungen sieht Prognos in Berlin, Hamburg sowie in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Dort gibt es vielerorts bereits Wärmenetze, die die Betreiber verdichten und erweitern könnten.

„Hidden Champions“ aufgedeckt

Studienleiterin Noha Saad verweist auf große regionale Unterschiede bei den Voraussetzungen für Fernwärme. Der Atlas zeige von Metropolregionen bis in ländliche Räume, wie die jeweilige Ausgangslage für Fernwärme aussehe. Vor allem Kommunen, die ihre Wärmeplanung noch nicht abgeschlossen hätten, könnten die Daten als Orientierung nutzen.

Für viele Stadtwerke dürfte ein weiterer Befund relevant sein: Die Studie identifiziert mehrere Regionen, die bislang nur geringe Fernwärmeanteile aufweisen, zugleich aber günstige Voraussetzungen für einen Ausbau bieten. Zu diesen von Prognos als „Hidden Champions“ bezeichneten Kreisen und Städten zählen unter anderem Konstanz, Memmingen und Worms.

Größere Hürden in ländlichen Regionen

Während Städte häufig gute Bedingungen für Fernwärme bieten, sieht Prognos in vielen ländlichen Regionen größere Hürden. Rund sieben Prozent der Kreise weisen laut dem Fernwärme-Atlas sehr schwierige Bedingungen für einen Fernwärmeausbau auf. Dies betrifft vor allem kleinere Städte und Gemeinden ohne bestehende Fernwärmeinfrastruktur. Anders als viele Großstädte können sie vorhandene Netze nicht erweitern, sondern müssten Fernwärmesysteme zunächst neu aufbauen.

Besonders deutlich zeigt sich laut Prognos der Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Räumen beim heutigen Versorgungsstand. In kreisfreien Städten liegt der Fernwärmeanteil bereits vier- bis fünfmal höher als in Landkreisen. In 55 Städten könnte er künftig auf mehr als 75 Prozent steigen. Als Beispiele nennt die Studie Flensburg, Kiel, Wolfsburg, Mannheim und Rostock, wo Fernwärme bereits heute teilweise mehr als die Hälfte des Wärmebedarfs deckt.

In vielen ländlichen Regionen erschweren dagegen geringe Wärmedichten den Aufbau wirtschaftlicher Wärmenetze. Mit anderen Worten: Der Wärmebedarf konzentriert sich dort nicht auf dicht bebaute Quartiere, sondern verteilt sich auf größere Flächen. Für vergleichsweise wenige Kunden müssen daher lange Leitungen verlegt werden. Nach Einschätzung von Prognos werden dort andere Technologien bei der Wärmewende eine wichtige Rolle einnehmen, wie etwa Wärmepumpen oder Pelletheizungen.

Erneuerbare Wärmequellen im Fokus

Ob Fernwärmenetze ausgebaut werden, hängt auch davon ab, wie klimafreundlich sich die Wärme erzeugen lässt. Heute stammt ein großer Teil der Fernwärme aus Kraftwerken, die gleichzeitig Strom und Wärme produzieren, sowie aus Müllverbrennungsanlagen. Künftig soll die Wärmeerzeugung stärker auf erneuerbaren Quellen basieren. Vor diesem Hintergrund analysierte Prognos regionale Potenziale von Geothermie, Gewässerwärme, industrieller Abwärme, Kläranlagen und Solarthermie. Nach Einschätzung des Unternehmens können viele Fernwärmesysteme künftig überwiegend lokale erneuerbare Wärmequellen nutzen.

Selbst bei einem Fernwärmeanteil von 48 Prozent könnten in zehn Bundesländern mehr als die Hälfte der Wärmeerzeugung aus lokalen erneuerbaren Quellen stammen. Für Hamburg und Bremen sieht die Analyse sogar ein Potenzial von bis zu 100 Prozent. Hohe Möglichkeiten erkennt Prognos außerdem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Industrielle Abwärme könnte etwa in Karlsruhe und Ludwigshafen sowie in Gelsenkirchen, Duisburg und Bottrop einen Beitrag leisten. Wo lokale Potenziale geringer ausfallen, könnten laut Prognos unter anderem Luft-Wärmepumpen zur Dekarbonisierung beitragen.

Der Fernwärme-Atlas ist über die Internetseite von Prognos aufrufbar. Kommunen und Stadtwerke können dort die Ausbau- und Dekarbonisierungspotenziale ihrer Region abrufen.

Autorin: Davina Spohn

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