Elektrifizierung gewinnt unternehmerischen Rückhalt
Internationale Studie: Unternehmen sehen Elektrifizierung als Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und wirtschaftliches Wachstum
18.06.2026
Quelle: E & M powernews
Viele Unternehmen weltweit setzen auf Elektrifizierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Versorgung zu sichern. Eine Umfrage zeigt zugleich Defizite.
Die große Mehrheit internationaler Unternehmen betrachtet Elektrifizierung inzwischen als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit. Neun von zehn befragten Führungskräften erwarten, ihre Unternehmen bis 2035 weitgehend elektrifiziert zu haben.
Zu diesem Ergebnis kommt der internationale Klima-Thinktank E3G mit Sitz in London. Gemeinsam mit der „We Mean Business Coalition“ und der „Global Renewables Alliance“ hat er am 15. Juni die Ergebnisse einer weltweiten Befragung von 1.994 Führungskräften mittelgroßer und großer Unternehmen in 18 Ländern vorgestellt. Zu den untersuchten Ländern gehörten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, China, Indien und weitere Staaten.
Die Befragung fand Ende April 2026 statt, zu einem Zeitpunkt geopolitischer Spannungen und anhaltender Unsicherheiten auf den Energiemärkten. Nach Angaben der Autoren beschleunigt die aktuelle Lage den Wunsch vieler Unternehmen, ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.
Wirtschaftliche Vorteile erwartet
91 Prozent der Befragten erwarten, dass Elektrifizierung die Energiesicherheit verbessert. 79 Prozent erklären zudem, die aktuelle geopolitische Lage habe die Umstellung auf elektrische Technologien für ihr Unternehmen dringlicher gemacht. Gleichzeitig rechnen 90 Prozent damit, dass ein überwiegend auf erneuerbaren Energien basierendes Stromsystem das Wirtschaftswachstum ihres Landes fördern würde
Die Teilnehmer sehen in der Elektrifizierung vor allem wirtschaftliche Chancen. 88 Prozent erwarten dadurch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen. 84 Prozent rechnen mit niedrigeren langfristigen Betriebskosten. Zudem gehen 80 Prozent davon aus, dass die Elektrifizierung zusätzliche Arbeitsplätze schaffen wird.
Auch bei der künftigen Energieversorgung zeigt sich ein klares Meinungsbild. 82 Prozent der Führungskräfte wünschen sich, dass ihre Länder überwiegend mit Strom aus Erneuerbaren versorgt werden. 90 Prozent unterstützen zusätzliche Investitionen in Solarenergie, 81 Prozent sprechen sich für einen stärkeren Ausbau der Windenergie an Land aus.
E3G-Geschäftsführer Nick Mabey wertet die Ergebnisse als Signal an die Politik. Unternehmen in den großen Volkswirtschaften sähen eine stärkere Nutzung von sauberem Strom zunehmend als Voraussetzung für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Regierungen sollten deshalb die Hindernisse beseitigen, die den Wandel bremsen.
Defizite bei Netzen und Politik erkannt
Viele Unternehmen fordern von der Politik mehr Tempo. 72 Prozent halten die staatliche Unterstützung für den Umstieg auf elektrische Technologien für zu langsam. Als größte Hindernisse nennen die Befragten fehlende Förderprogramme, politische Unsicherheit bei Regierungswechseln, langwierige Genehmigungsverfahren und unklare Rahmenbedingungen bei der CO2-Bepreisung.
Besonders kritisch sehen die Unternehmen den Zustand der Stromnetze. 89 Prozent sprechen sich für zusätzliche Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur aus. Mehr als die Hälfte der Befragten betrachtet die vorhandenen Netzkapazitäten bereits heute als Hindernis für die Elektrifizierung. Zudem sind 69 Prozent der Ansicht, dass Unternehmen bei der Umstellung schneller vorankommen als Regierungen bei der Vorbereitung der dafür notwendigen Stromsysteme.
Die Studie verweist zudem auf mögliche Auswirkungen auf die Standortwahl. 62 Prozent der Führungskräfte erklären, sie würden eine Verlagerung von Unternehmensaktivitäten prüfen, falls ihre Regierung keine ausreichende Unterstützung für die Elektrifizierung bereitstelle. Die Autoren sehen darin ein Risiko für Staaten, die beim Ausbau der Rahmenbedingungen hinter den Erwartungen der Wirtschaft zurückbleiben.
Besonders hohe Zustimmungswerte verzeichnen mehrere Schwellenländer. In Indonesien und Nigeria erwarten jeweils 99 Prozent der befragten Unternehmen eine weitgehende Elektrifizierung bis spätestens 2035. Auf den Philippinen liegt dieser Wert bei 97 Prozent, in Indien bei 96 Prozent. In Deutschland rechnen 81 Prozent der Befragten mit einer weitgehenden Elektrifizierung ihrer Geschäftsprozesse bis 2035. Gleichzeitig kritisieren 78 Prozent der deutschen Teilnehmer das aus ihrer Sicht zu langsame politische Tempo.
Die 70-seitige Studie „Powering Up: Business Perspectives on Electrification“ kann im Internet heruntergeladen werden.
Autorin: Davina Spohn
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