CCS in Europa rückläufig

IEEFA-Analyse: Die Zahl neuer CCS-Projekte in Europa sinkt deutlich, während hohe Kosten und unsichere Rahmenbedingungen Investitionen bremsen

17.06.2026

Quelle: E & M powernews

Ein Bericht hat Projekte für die Abscheidung und Lagerung von CO2 in Europa untersucht. Der rasche Aufschwung lahmt.

Sollte es je einen CCS-Boom in Europa gegeben haben, so ist dieser schon wieder vorbei – Stand heute. Dies schreibt das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA), eine in Ohio (USA) ansässige Denkfabrik, die die wirtschaftlichen Auswirkungen von Energie- und Infrastrukturprojekten untersucht.

Die Zahl von Projekten zur Abscheidung, zum Transport und zur Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) ist in Europa rückläufig. Auch die Zahl neuer Ankündigungen sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während gleichzeitig mehr Vorhaben gestrichen worden seien, heißt es in dem Bericht.

Zwischen 2018 und 2023 wurden laut IEEFA insgesamt 317 europäische CCS-Projekte angekündigt. Getrieben wurden diese durch die europäischen Klimaziele, steigende CO2-Preise im EU-Emissionshandel sowie zahlreiche Förderprogramme auf europäischer und nationaler Ebene.

Die Zahl neuer CCS-Projekte erreichte 2021 mit 100 Ankündigungen ihren Höhepunkt. 2025 wurden nur noch 24 neue Vorhaben registriert. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den geplanten CO2-Abscheidemengen aus. Diese sanken laut IEEFA von 52 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2021 auf lediglich 7 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2025.

„Die Zahl neuer CCS-Projekte in Europa ist in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen“, schreibt IEEFA-Analyst Andrew Reid. Die Entwicklung werfe die Frage auf, ob CCS in dem Umfang bereitgestellt werden könne, den die europäischen Dekarbonisierungsstrategien voraussetzen.

Zu den prominentesten abgesagten Vorhaben zählen die Wasserstoffprojekte „H2Teesside“ in Großbritannien mit geplanten 2 Millionen Tonnen abgeschiedenem CO2 sowie „H2M Eemshaven“ (1,8 Millionen Tonnen CO2) in den Niederlanden. Als Gründe nannten die Projektentwickler unter anderem eine schwache Wasserstoffnachfrage, Planungsprobleme und unsichere Förderbedingungen.

Nach Einschätzung des IEEFA bleiben zudem die wirtschaftlichen Hürden erheblich. Die Kosten für CO2-Abscheidung, Transport und Speicherung liegen je nach Anwendung zwischen 133 und 244 US-Dollar je Tonne CO2. Damit übersteigen sie den aktuellen CO2-Preis in Höhe von aktuell 80 Euro pro Tonne im europäischen Emissionshandel deutlich. Ohne zusätzliche staatliche Unterstützung fehlten vielen Industrieunternehmen die wirtschaftlichen Anreize für Investitionen in CCS.

Reid weist darauf hin, dass CCS in Europa durchaus eine Rolle spielen könne. Vor allem für Zement- und Kalkhersteller sowie die Chemie- und Abfallwirtschaft gelte die Technologie weiterhin als wichtiger Baustein zur Reduzierung schwer vermeidbarer Emissionen. Die aktuelle Entwicklung zeige jedoch, dass der Hochlauf langsamer verläuft als viele politische Strategien bislang annehmen.

Autor: Stefan Sagmeister

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