BWP sieht Wärmewende in Gefahr
Der Bundesverband Wärmepumpe warnt vor Unsicherheiten bei Gesetzgebung und Förderung, die den aktuellen Aufschwung des Wärmepumpenmarktes gefährden könnten
16.06.2026
Quelle: E & M powernews
Die Wärmepumpe gewinnt am Heizungsmarkt wieder an Dynamik. Politische Entscheidungen könnten den Aufwärtstrend jedoch bremsen und Investitionen verzögern.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) warnt vor Rückschlägen für die Wärmewende. Bei einem Pressegespräch am 15. Juni in Berlin kritisierte der Verband sowohl das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) als auch die Diskussionen über Änderungen an der Heizungsförderung. Nach Einschätzung der Branche drohen das geplante GModG und die Unsicherheit über die künftige Förderung den Marktaufschwung bei Wärmepumpen zu bremsen.
Nach erheblichen Schwankungen in den vergangenen Jahren zeigen die Absatzzahlen für Heizungswärmepumpen wieder nach oben. Der BWP sieht darin ein Signal für eine beginnende Stabilisierung. Umso wichtiger seien nun verlässliche politische Rahmenbedingungen, damit Verbraucherinnen und Verbraucher Investitionsentscheidungen nicht erneut verschieben.
Der BWP sieht in politischen Debatten einen wesentlichen Einflussfaktor für die Nachfrage nach Wärmepumpen. Diskussionen über Gesetze und Förderbedingungen hätten bereits in der Vergangenheit viele Hauseigentümer verunsichert.
BWP-Geschäftsführer Martin Sabel betonte die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen in neue Heizungen. „Es wurde viel investiert in Produktionsanlagen und in Schulungen“, erklärte Sabel auf dem Pressetermin. Die Betriebe der Heizungsindustrie hätten sich fit gemacht auf den Wechsel zur Wärmepumpe. „Dieser Trend muss jetzt unbedingt forteführt werden.“
Kritik am Gebäudemodernisierungsgesetz
Besonders kritisch bewertet der Verband den Entwurf des GModG, der derzeit im parlamentarischen Verfahren beraten wird. Sabel sagte mit Blick auf die aktuelle Entwurfsfassung: „Das aktuelle GModG ist aus unserer Sicht eher ein Rückschritt, was Klimaschutz und Energieunabhängigkeit angeht. Das Ambitionsniveau hat stark nachgelassen.“ Die vorgesehene Ausrichtung auf die Biotreppe − also steigende Vorgaben für den Einsatz von Biomasse und anderen erneuerbaren Energieträgern in Heizungen − lenke den Fokus von wirksamen Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors ab, argumentiert der Verband. Investitionen in Wärmepumpen stärkten dagegen die heimische Heizungsindustrie und reduzierten zugleich die Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten.
Der BWP fordert zudem mehr Klarheit für Verbraucher. Hauseigentümer müssten erkennen können, welche Anforderungen während der gesamten Lebensdauer einer neuen Heizung gelten. Der Verband spricht sich deshalb für eine deutlichere Verankerung des Ziels der Klimaneutralität im Gesetz aus. Kritik übt er außerdem an den vorgesehenen Regelungen für Hybridheizungen. Wärmepumpen dürften nicht lediglich als Ergänzung zu neuen Gas- oder Ölheizungen dienen, ohne einen wesentlichen Beitrag zur Nutzung erneuerbarer Energien zu leisten. Der Verband fordert deshalb Vorgaben für die Auslegung solcher Systeme.
Aus Sicht des BWP dorhtdas Gesetz zentrale Ziele der Wärmewende zu verfehlen. „Die Bundesregierung riskiert mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz große Rückschritte in der Wärmewende“, sagte Sabel. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Ausgestaltung könne Hauseigentümer verunsichern und Investitionen in neue Heizungen verzögern. Zudem dürften Wärmepumpen in Hybridheizungen nicht „als Feigenblatt missbraucht werden, um eine fossile Heizung grün zu rechnen“, so der BWP-Geschäftsführer.
Förderung bleibt Streitpunkt
Zudem sorgt die Zukunft der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) für Diskussionen in der Branche. Zwar hatten sich die Regierungsfraktionen darauf verständigt, die Heizungsförderung mindestens bis 2029 fortzuführen. Der BWP befürchtet jedoch, dass die anstehenden Haushaltsberatungen erneut Zweifel an der langfristigen Finanzierung auslösen könnten.
Der Verband verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Förderung. Nach seinen Angaben löst jeder eingesetzte Förder-Euro ein Vielfaches an privaten Investitionen aus. Davon profitierten Hersteller, Handwerksbetriebe und weitere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig verweist die Branche auf die Bedeutung niedrigerer Strompreise für die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen.
Auch der Wärmepumpenanbieter Octopus Energy warnt vor kurzfristigen Änderungen der Förderbedingungen. Deutschlandchef Bastian Gierull kritisiert Überlegungen, die Förderung auf Haushalte mit niedrigeren Einkommen zu begrenzen oder stärker über steuerliche Anreize statt über direkte Zuschüsse zu gewähren. Solche Vorschläge könnten neue Unsicherheit schaffen und Investitionen verzögern. Statt kurzfristiger Kurswechsel brauche der Markt verlässliche Rahmenbedingungen. Ein schrittweises Abschmelzen der Förderung hält das Unternehmen dagegen grundsätzlich für möglich.
Autorin: Davina Spohn
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