BSW-Solar warnt vor Hürden beim Ausbau von Großspeichern

Der Markt für Großbatteriespeicher wächst rasant, doch langwierige Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten gefährden zahlreiche geplante Projekte

23.06.2026

Quelle: E & M powernews

Der Markt für Batteriespeicher legt deutlich zu. Nach einer Analyse von Enervis könnten jedoch viele geplante Großspeicherprojekte an regulatorischen Hürden scheitern.

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat sich zu Beginn des Jahres 2026 deutlich beschleunigt. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden allein im ersten Quartal mehr als 2 Millionen kWh zusätzliche Speicherkapazität in Betrieb genommen. Besonders dynamisch habe sich der Markt für Großspeicher entwickelt. Dort sei der Zubau gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 290 Prozent auf mehr als 1 Million kWh Speicherkapazität gestiegen.

Gleichzeitig sieht die Solarwirtschaft allerdings erhebliche Risiken für den weiteren Ausbau und fordert politische Gegenmaßnahmen. Anlass der Warnung ist eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Enervis, die der Solarverband zitiert. Demnach könnten bis 2029 unter ungünstigen regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lediglich rund 15 Millionen kWh zusätzliche Großspeicherkapazität realisiert werden.

Weitere Projekte mit einer Kapazität von etwa 58 Millionen kWh befänden sich zwar in Planung, ihre Umsetzung sei jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Nach Darstellung des BSW-Solar gelten damit derzeit nur rund ein Fünftel der geplanten Großspeicher-Kapazitäten als vergleichsweise gesichert.

Schnellere Netzanschlussverfahren gefordert

Der Verband verweist darauf, dass in Deutschland derzeit Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 30 Millionen kWh betrieben werden. Davon entfielen etwa 6 Millionen kWh auf Großspeicher.

Nach Einschätzung von BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig wird sich erst in den kommenden Jahren entscheiden, ob aus dem derzeitigen Speicherboom tatsächlich die für die Energiewende benötigten Kapazitäten entstehen. Dies hänge maßgeblich von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ab.
  Als zentrales Hemmnis nennt der Verband die Netzanschlussverfahren. Diese seien häufig langwierig und zwischen den Netzbetreibern uneinheitlich ausgestaltet. Fehlende Standardisierung, unterschiedliche technische Anforderungen sowie ein geringer Digitalisierungsgrad führten dazu, dass sich zahlreiche Projekte verzögerten. Investitionsbereitschaft sei zwar vorhanden, die Umsetzung scheitere jedoch oftmals an administrativen Hürden.

Der BSW-Solar fordert daher eine Beschleunigung und Standardisierung von Netzanschlussverfahren für Batteriespeicher. Zu der aktuellen Kontroverse zwischen Eon und der Speicherlobby BVES über ein Standardisierungsmodell der Eon-Verteilnetzgesellschaften (wir berichteten) äußerte sich der Solarverband nicht.

Zudem müsse der sogenannte Multi-Use-Betrieb regulatorisch erleichtert werden, damit Speicher mehrere Dienstleistungen gleichzeitig erbringen können. Darüber hinaus spricht sich der Verband dafür aus, Batteriespeicher stärker im Redispatch und zur Bewältigung von Netzengpässen einzusetzen, anstatt Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien abzuregeln. Auch der Anschluss von Speichern an bestehende Netzanschlüsse von Kraftwerken sowie Industrie- und Gewerbestandorten müsse vereinfacht werden.

Autor: Fritz Wilhelm

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