Borken nutzt die Wärme geklärten Abwassers

Borken setzt auf Abwasserwärme: Ein gefördertes Modellprojekt soll öffentliche Gebäude künftig über ein kaltes Nahwärmenetz mit klimafreundlicher Wärme versorgen

15.06.2026

Quelle: E & M powernews

Die Stadtwerke Borken wollen öffentliche Gebäude in ihrem Wärmenetz künftig auch mit Energie aus gereinigtem Abwasser versorgen.

Mit einem geförderten Modellprojekt zur Nutzung von Abwasserwärme wollen die Stadt Borken, der Kreis Borken und die Stadtwerke Borken den Aufbau einer klimafreundlichen Wärmeversorgung für öffentliche Gebäude vorantreiben. Geplant ist die Anbindung mehrerer öffentlicher Liegenschaften, darunter die Kläranlage, eine Schule und weitere Behördengebäude.

Ziel sei es, die Wärmeversorgung weitgehend von fossilen Energieträgern zu lösen und die kommunale Wärmeplanung voranzutreiben, heißt es in einer Mitteilung. Für den Aufbau eines kalten Nahwärmenetzes hat das Bundesumweltministerium Fördermittel von 6,1 Millionen Euro bewilligt. Das Vorhaben gilt als kommunales Klimaschutz-Modellprojekt und soll bis Sommer 2030 umgesetzt werden. 

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Nutzung von Wärme aus dem Ablauf der Kläranlage. Anders als bei vielen vergleichbaren Vorhaben wird die Energie nicht direkt dem Kanalnetz entnommen, sondern erst nach Abschluss des Reinigungsprozesses. Nach Angaben der Projektpartner bietet dies eine besonders stabile und hygienisch unbedenkliche Wärmequelle.

Dazu soll im Ablauf der Kläranlage ein Wärmetauscher installiert werden. Die gewonnene Umweltwärme wird anschließend in ein kaltes Nahwärmenetz eingespeist. Das gereinigte Abwasser weist selbst im Winter Temperaturen von mindestens 10 Grad Celsius auf. Nach Angaben der Beteiligten können bereits durch eine Abkühlung um 1 Grad Celsius 768 kW Wärmeleistung gewonnen werden.

Für die eigentliche Wärmebereitstellung in den angeschlossenen Gebäuden sind dezentrale Großwärmepumpen mit Pufferspeichern vorgesehen. Sie heben das Temperaturniveau auf die benötigten Werte für Heizung und Warmwasser an. „Mit der Nutzung von Abwasserwärme erschließen wir eine bislang weitgehend ungenutzte regenerative Energiequelle direkt vor Ort“, sagt Ron Keßeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Borken. 
  Die Gesamtkosten des Projekts werden derzeit auf 10,5 Millionen Euro brutto veranschlagt. Davon übernimmt der Bund 6,1 Millionen Euro. Für Stadt, Kreis und Stadtwerke verbleibt ein Eigenanteil von 4,4 Millionen Euro.

Das Potenzial der Abwasserwärme für die Heizung

Das Projekt wird darüber hinaus wissenschaftlich begleitet. Die Landesenergieagentur „NRW.Energy4Climate“ verweist auf ein erhebliches Potenzial der Technologie. Perspektivisch könnten in Nordrhein-Westfalen 10 Prozent des Gebäudewärmebedarfs durch die Nutzung von Wärme aus Kläranlagen und Kanalnetzen gedeckt werden.

Neben Abwasser untersuchen die Stadtwerke Borken auch die Nutzung von Trinkwasser als Wärmequelle. Im Forschungsprojekt „Wasserdicht“ arbeiten sie mit der Fachhochschule Münster, Aqua Ecology und dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) zusammen (wir berichteten). Herzstück ist eine Versuchsanlage am Wasserwerk Trier der Stadtwerke Borken.

Mithilfe von Wärmetauschern und Wärmepumpen soll untersucht werden, ob sich auch die im Trinkwasser enthaltene Wärme künftig wirtschaftlich für die Wärmeversorgung nutzen lässt. Die Ergebnisse sollen anderen Kommunen und Versorgungsunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Gefördert wird das Vorhaben über das Energieforschungsprogramm des Bundes.

Autor: Stefan Sagmeister

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