Abwärme und erneuerbare Quellen effizient kombiniert

Das neue Heizwerk Memmingen-Benningen kombiniert Biomasse, industrielle Abwärme, Großwärmepumpe und Solarstrom zu einem der innovativsten Fernwärmeprojekte Deutschlands

13.05.2026

Quelle: E & M powernews

Das neue Heizwerk in Memmingen-Benningen zeigt, wie eine Versorgung auch industrielle Abwärme effizient in ein Wärmenetz mit einbindet und damit alle regionalen Quellen optimal nutzt. 

Im Allgäu werden Teile der Stadt Memmingen sowie der Gemeinde Benningen über ein neues Heizwerk mit Wärme versorgt. Es ist ein „Leuchtturmprojekt“ mit mehreren erneuerbaren Quellen sowie ausgeklügelter Technik für das Fernwärmenetz. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche Umsetzung waren Projektpartner aus der Industrie, die nicht nur Ankerkunden sind, sondern auch ihre Abwärme mit in das Netz einspeisen. 

Bei der Wärmeversorgung Memmingen-Benningen handelt es sich um eines der ersten Projekte in Deutschland überhaupt mit Bundesförderung für effiziente Wärmenetze − und einer Fördersumme von insgesamt 11,2 Millionen Euro. Insgesamt investierte die „e-con AG“, ein im Allgäu ansässiges Energie- und Planungsbüro, über 30 Millionen Euro. Daher nahm Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CSU) das Heizwerk mit den Verantwortlichen der Econ AG sowie weiteren Projektpartnern und der Gemeinde Benningen Mitte März offiziell in Betrieb. 

„Die regenerative Wärmeversorgung von Benningen ist eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte für die Gemeinde in den vergangenen Jahren“, sagte Bürgermeister Martin Osterrieder (CSU), der sich auch über den großen Zuspruch in der Bevölkerung freute.

„Mit der regenerativen Wärmeversorgung Memmingen-Benningen zeigen wir eindrucksvoll, was Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer kommunalen Wärmeplanung mithilfe erneuerbarer Energien erreichen können“, ergänzte Econ-Vorstand Peter Waizenegger. „Wenn wir unsere beiden Fernwärmenetze Nord und Süd zusammennehmen, erreichen wir eine jährliche Wärmemenge von bis zu 200.000 MWh. Das entspricht damit bereits jetzt dem Zielszenario, das die Stadt Memmingen in ihrer kommunalen Wärmeplanung für das Jahr 2040 ermittelt hat.“ 

Heizwerk versorgt Teile Memmingens und Benningen

Herzstück des Wärmenetzes ist das neu eröffnete Heizwerk in Benningen, das Privathaushalte und Industriebetriebe in Benningen und Teilen Memmingens versorgt. Als zentrale Einheit für die Energieversorgung dient dort ein Hackschnitzelkessel mit einer Leistung von 5 MW. Die benötigten Hackschnitzel stammen nach Auskunft der Econ AG aus der Region. Der Brennstoffbedarf liegt bei rund 1.500 kg/h. 

Ergänzt wird die Anlage durch eine Power-to-Heat-Anlage sowie ein Blockheizkraftwerk mit 99 kW elektrischer und 173 kW thermischer Leistung. Der erzeugte KWK-Strom wird direkt im Heizwerk genutzt, etwa für Pumpen oder die Steuerung. Weitere 1,5 MW sollen künftig von einer Großwärmepumpe kommen. 
Für eine höchstmögliche flexible Steuerung wurden ein Pufferspeicher für die Wärme mit einem Volumen von 280.000 Litern sowie ein Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von 120.000 Litern für die Kälte installiert.

Der für die Anlagen benötigte Strom wird bereits regenerativ erzeugt; er kommt direkt aus dem großen Solarpark am Flughafen Memmingen. Dieser hat aktuell eine Leistung von rund 25 MW und soll künftig erweitert werden sowie einen Batteriespeicher erhalten. 

Wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg waren laut der Econ AG insbesondere industrielle Ankerkunden. Früh zum Projekt bekannt hat sich die Rohde & Schwarz Messgerätebau im Gewerbegebiet Süd in Memmingen als Pilotprojektpartner. „Durch die Umstellung auf Fernwärme werden wir in Memmingen unabhängig vom Energieträger Gas und sparen jährlich bis zu 270 Tonnen CO2 ein. Das ist ein echter Meilenstein bei der Umsetzung unserer Klimastrategie 2030“, sagt Michael Dill, Werkleiter von Rohde & Schwarz. Auch Magnet-Schultz (MSM) hat sich im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zu dem klimaneutralen, regionalen Fernwärmeanschluss bekannt und will mit diesem Schritt sogar bis zu 500 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. „Das ist ein weiterer Schritt zu einer sicheren und nachhaltigen Wärmeversorgung für uns“, sagt Geschäftsführer Albert Schultz. 

4-Leiter-Wärmenetz für hohe Effizienz

Die An- und Einbindung der Gewerbekunden erfolgte in diesem Konzept über ein 4-Leiter-Wärmenetz, um die industrielle Abwärme besonders effizient nutzen zu können: In einer Leitung wird Wasser mit einer Temperatur von rund 10 Grad Celsius zu den angeschlossenen Firmen geführt. Dort wird es − unabhängig vom jeweiligen Temperaturniveau der Prozesse − durch die in der Produktion entstandene Abwärme erwärmt. Auf diese Weise wird Energie genutzt, die bislang an die Umgebung abgegeben wurde. Gleichzeitig können die Unternehmen laut Econ ihre Kühllasten damit reduzieren und profitieren von einer höheren Energieeffizienz ihrer Produktionsprozesse.

Das nun so erwärmte Wasser fließt dann über eine zweite Leitung zurück zum Heizwerk Memmingen-Benningen. Dort wird es auf das für das Fernwärmenetz erforderliche Temperaturniveau angehoben. „Da das Wasser bereits vorerwärmt ist, wird hierfür deutlich weniger Primärenergie benötigt als bei einer Erwärmung ausgehend von der Grundtemperatur des Wassers“, erklärt Enrico Lagoda, Projektleiter der Econ AG.

Die derzeit geplante Endausbauleistung des Heizwerks gibt Econ mit 50 MW an. Während das Heizwerk Memmingen-Benningen nun nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde, steht der Ausbau der Netzinfrastruktur weiterhin im Mittelpunkt der kommenden Jahre.

In den ersten beiden Bauabschnitten wurden vier Kilometer Trassen verlegt. Bis Oktober 2026 steht noch der Anschluss der Alpenstraße und der Oberbrühlstraße in Memmingen mit einer Länge von 1,8 Kilometern an. Auch darüber hinaus ist eine kontinuierliche Erweiterung geplant. 

Autorin: Heidi Roider

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