Bayern ist gekennzeichnet durch einen starken Kontrast von ländlich geprägten Regionen und wenigen urbanen Ballungszentren. Dies eröffnet sowohl Perspektiven für nachhaltigeres Produzieren, Wirtschaften und Konsumieren, wie für die gezielte wirtschaftliche Förderung von Regionen, die bisher strukturell eher benachteiligt waren.

Jetzt Whitepaper "Wirtschaftssystem Bioökonomie" gratis herunterladen!
Einer der wichtigsten Aspekte der nachhaltigen Bioökonomie ist, fossile Rohstoffe wie Erdöl durch nachwachsende Ressourcen zu ersetzen. Im besten Fall kommen diese aus regionalen Quellen. Dies reduziert nicht nur CO 2 -Emissionen, sondern kann sowohl der Land- und Forstwirtschaft wie der Wirtschaft generell neue Impulse verleihen.
In Bayern ergänzen sich Eigenheiten und Stärken der einzelnen Regionen gegenseitig und zeigen Potenziale auf, wie das Ineinandergreifen unterschiedlichster Forschungs-, Wirtschafts- und Industriezweige die großflächige Umsetzung einer nachhaltigen Bioökonomie ermöglichen kann.
Bereits heute sind viele Treiber und Akteure bestens miteinander vernetzt, und es findet ein reger Wissensaustausch zwischen Fachleuten aus Forschung, Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Politik statt.
Eine Schlüsselstellung für Forschung, Wissenstransfer und die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in nachhaltige industrielle Anwendungen nimmt der TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit ein, der gemeinsam mit dem Technologie- und Förderzentrum (TFZ) und C.A.R.M.E.N. e. V. das Straubinger Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) bildet und sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem deutschlandweit angesehenen Zentrum für Bioökonomieforschung entwickelt hat. Der TUM Campus Straubing arbeitet ferner eng mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zusammen.
Einer der Forschungsschwerpunkte in Straubing ist die Nutzung nachwachsender Rohstoffe für die Herstellung biobasierter Polymere , aus denen sich anschließend Kunststoffe, Textilfasern und vieles mehr produzieren lassen. Die interdisziplinäre und branchenübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht, von Anfang an Fragen der Machbarkeit, Markttauglichkeit und Vermarktung mit einzubeziehen.
Den direkten Bezug zwischen Forschung und der konkreten Anwendung stellt der Biocampus im Hafen Straubing-Sand her. Dieser bildet ein „Ökosystem für Innovationen der biobasierten Wirtschaft“ [1] und bietet in unmittelbarer Nähe zum TUM Campus Ansiedlungsflächen für Unternehmen und Start-ups , die die Transformation zur Bioökonomie vorantreiben. Das Areal soll 2021 durch die vom Freistaat geförderte Bio-Campus MultiPilot Anlage erweitert werden, in der Unternehmen ihre biotechnologischen Prozesse unter Labor- oder Industriebedingungen austesten können.
Ackerland, Wiesen, Wälder und Gewässer: Die ländlichen Gebiete Bayerns zeichnen sich durch die Vielfalt aus, die sie an nachwachsenden Rohstoffen für die Herstellung biobasierter, nachhaltiger Produkte bereitstellen können.
Gleichzeitig entsteht dort ein kontinuierlich wachsendes Netz an innovativen Unternehmen, die sich mit der Entwicklung und Herstellung nachhaltiger Produkte befassen und teils bereits auf eine Nutzung nachwachsender Ressourcen, biobasierte und kreislauforientierte Lösungen für ihre Produkte setzen.
Die Gestaltung einer nachhaltigen, die besonderen Stärken der Regionen nutzenden Bioökonomie ist demnach mit großen wirtschaftlichen Perspektiven für die Land- und Forstwirtschaft als Rohstofferzeuger verbunden und bietet der bayerischen Industrie und Forschung die Chance, sich frühzeitig im internationalen Wettbewerb zu profilieren.

Einer der wichtigsten Aspekte der nachhaltigen Bioökonomie ist, fossile Rohstoffe wie Erdöl durch nachwachsende Ressourcen zu ersetzen. Im besten Fall kommen diese aus regionalen Quellen.
Die ländlichen Gebiete Bayerns zeichnen sich durch die Vielfalt aus, die sie an nachwachsenden Rohstoffen für die Herstellung biobasierter, nachhaltiger Produkte bereitstellen können. (Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten)
Die im folgenden beschriebenen markanten Beispiele zeigen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), wie die in den ländlichen Regionen Bayerns vorhandenen nachwachsenden Ressourcen bereits heute die Basis für nachhaltige Wertschöpfung bilden.







Natürlich herrschen in städtischen Ballungsräumen andere Bedingungen für die Nutzung nachwachsender Ressourcen als in landwirtschaftlich geprägten Regionen. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Projekten, die sich mit der Frage befassen, wie urbane Räume trotz Flächenversiegelung und Bebauung in bioökonomische Kreisläufe mit eingebunden werden können.
Mittlerweile hat sich gezeigt, dass sich die urbane Architektur durchaus für die Kultivierung nachwachsender Rohstoffe oder für die Verringerung der CO2-Emissionen nutzen lässt. So wies ein Forschungsteam aus Wissenschaftlern der Universität Köln und des Forschungszentrums Jülich nach, „dass begrünte Fassaden in Städten die Luftqualität, Sauerstoffproduktion, Artenvielfalt und sogar die Fassadentemperaturen deutlich verbessern“ und „eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel“ darstellen – „nicht nur im Hinblick auf die Stadttemperatur, sondern auch hinsichtlich der Feinstaubproblematik“ [8].
Vertikal begrünte Wände finden aber auch in Innenräumen immer mehr Zuspruch – sie schaffen nicht nur ein besonderes Ambiente, sondern tragen gleichzeitig zu einer Verbesserung der Raumluft bei, haben eine schalldämmende Wirkung und verbessern dadurch auch die Arbeitsbedingungen in Büros.
Zudem wird erprobt, wie sich Dachterrassen als Anbauflächen für Lebensmittel nutzen lassen. Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin verbanden im Projekt „Roof Water Farm“ zum Beispiel Pflanzenanbau mit Fischzucht [9].
Vertical Farming ist ein Zukunftskonzept für die Lebensmittelversorgung in Städten. Durch den Anbau von Nahrungsmitteln in mehretagigen Gebäuden wird Platz gespart. Durch intelligente Steuerung und hocheffiziente Systeme wird der Wasserverbrauch reduziert und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel kann sogar unnötig werden. Jedoch ist hierfür die Nutzung von erneuerbarer Energie unabdingbar, da der Energiebedarf durch die LED-Beleuchtung sehr groß ist. Ob Vertical Farming in Deutschland im großen Stil eingesetzt wird, bleibt abzuwarten. Bayerische Firmen wie die Osram Licht AG sind jedoch zählen zu den globalen Technologieführern für die benötigte LED-Technologie.
Ein echtes ökologisches Kreislaufsystem für den Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern auf dem heimischen Balkon oder auf der Terrasse entwickelte das aus der Universität Hohenheim hervorgegangene Start-up Geco-Gardens [10]. Es schafft in urbanen Lebensräumen eine Verbindung zur Natur und nutzt verfügbare Ressourcen – vom Sonnenlicht für einen solarbetriebenen Wasser- und Nährstoffkreislauf über Bioabfälle für die Produktion von organischem Dünger bis hin zu Wasser. Ein ähnliches Ziel verfolgt das Unternehmen Agrilution Systems aus München mit seinem Vertical-Farming-„Plantcube“ für Zuhause – mit intelligenter Beleuchtung, die die Wellenlänge der Sonne simuliert, sensorbasierter Klimasteuerung und einem besonders sparsamen geschlossenen Wasserkreislauf [11].
Während die Anbauflächen für nachwachsende Rohstoffe im urbanen Raum knapp sind, fällt in den Städten besonders viel Abfall an, der sich ebenfalls wieder in den Wertstoffkreislauf zurückführen lässt. Neben einer zu optimierenden Sammlung und Erfassung der städtischen Bioabfälle wird auch in biogenen Reststoffen wie Grasschnitt und Reststoffen aus städtischen Parkanlagen ein Nutzungspotenzial gesehen. Auch Bioabfälle aus städtischen Restaurants und Cafés wie Kaffeesatz, der tagtäglich in großen Mengen anfällt, kann als Reststoff weiter genutzt werden. Das Unternehmen Pilzpaket züchtet auf Kaffeesatz Speisepilze und vertreibt Pilzzuchtsets für den eigenen Anbau [12].
In Großstädten fallen zudem große Mengen an Abwässern und Elektroschrott an, die wertvolle Ausgangsstoffe in einer zirkulären Bioökonomie darstellen. Die BRAIN AG aus Zwingenberg hat eine biologische Lösung zur Rückgewinnung von Wertmetallen aus Sekundärrohstoffen entwickelt [13]. Das Unternehmen, ein Vorreiter der Bioökonomie und der industriellen Biotechnologie, arbeitete auch in der strategischen Allianz Zero Carbon Footprint (ZeroCarbFP) daran, aus kohlenstoffreichen Abfällen wie Rauchgas, Klärschlämmen und industriellen Abwässern durch Mikroorganismen wertvolle Bausteine für die industrielle Produktion von Biokunststoffen, Enteisungs- und Kühlmitteln oder Hightech-Ölen und Fetten zu gewinnen [14]. Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg entwickelte ferner ein Verfahren zur Rückgewinnung des Wertstoffes Phosphat und wertvoller Mineralien aus Klärschlamm, um sie beispielsweise in der Landwirtschaft wieder zur Düngung einzusetzen [15].
Jetzt Whitepaper "Wirtschaftssystem Bioökonomie" gratis herunterladen!
[1] https://www.hafen-straubing.de/bio-kai/
[2] https://www.carmen-ev.de/2021/02/05/straubinger-bio-beutel-projekt-im-tv/
[3] https://biooekonomie.de/nachrichten/neues-aus-der-biooekonomie/porsche-verbaut-naturfasern-serie
[4]
https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/stroh-ersetzt-plastik-die-material-revolution
[5]
https://forschung.hswt.de/forschungsprojekt/1408-nehoreg?person_id=52
[6] https://www.netzwerk-waste2value.de/projekte/