Elektromobilität und Marktreife: Warum gute Technik allein nicht reicht

14.10.2026

Das Auto lädt, während wir einkaufen. Was heute zunehmend zum Alltag gehört, war lange keine Selbstverständlichkeit. Denn Elektrofahrzeuge gibt es schon seit über 100 Jahren. Warum gelang ihnen erst in den vergangenen Jahren der Durchbruch? Und was können Unternehmen daraus für ihre eigenen Innovationen lernen? Im Interview erklärt Simone Hirschmann von Bayern Innovativ, warum leistungsfähige Batterien allein nicht ausreichen, welche Rolle Infrastruktur und Akzeptanz spielen und woran Unternehmen erkennen, ob ihre Innovation bereit für den Markt ist.

Interview mit Simone Hirschmann, Projektmanagerin Innovationsnetzwerk Mobilität, Bayern Innovativ GmbH

Elektromobilität ist keine neue Erfindung. Warum hat sich die Technologie erst in den vergangenen Jahren am Markt durchgesetzt?

Simone Hirschmann: Elektromobilität ist ein gutes Beispiel dafür, dass technologische Reife allein noch keine Marktreife bedeutet. Elektrofahrzeuge gibt es bereits seit vielen Jahrzehnten. Lange Zeit fehlten jedoch entscheidende Voraussetzungen für eine breite Marktakzeptanz. Erst durch leistungsfähigere und kostengünstigere Batterien, den kontinuierlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie politische Rahmenbedingungen und Förderprogramme entstand ein Gesamtsystem, das Elektromobilität für Unternehmen und Verbraucher attraktiv gemacht hat. Die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Elektromobilität ist ebenso ein wichtiger Erfolgsfaktor und deshalb seit vielen Jahren ein bedeutender Bestandteil unserer Arbeit. Marktreife entsteht also oft erst dann, wenn Technologie, Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Nutzerbedürfnisse zusammenkommen.

Welche Rolle spielt dabei die Ladeinfrastruktur?

Simone Hirschmann: Eine zentrale Rolle: Selbst die beste Fahrzeugtechnologie kann sich nur dann durchsetzen, wenn Nutzerinnen und Nutzer ihr vertrauen und sie problemlos einsetzen können. Eine bedarfsorientierte und zuverlässige Ladeinfrastruktur ist deshalb eine wesent-liche Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität. Genau hier setzt das bayerische Förderprogramm „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Bayern“ an. Wir unterstützen Unternehmen, Kommunen und weitere Akteure dabei, Wissen aufzubauen und Lösungen in die Praxis zu bringen. Denn Marktreife bedeutet nicht nur, ein innovatives Produkt zu haben, sondern auch die notwendigen Rahmenbedingungen für dessen Nutzung zu schaffen.

Welche Bedeutung haben Innovationen im Bereich Batterietechnologie?

Simone Hirschmann: Batterien spielen eine Schlüsselrolle in der Elektromobilität. Fortschritte bei Energiedichte, Lebensdauer, Sicherheit und Kosten haben entscheidend dazu beigetragen, dass Elektrofahrzeuge heute alltagstauglich und wirtschaftlich sind. Gleichzeitig entwickelt sich die Technologie weiterhin sehr dynamisch. Mit unserem TechHUB Batterie schaffen wir ein Netzwerk, in dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weitere Akteure Wissen austauschen, Kooperationen initiieren und neue Entwicklungen vorantreiben können. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um Innovationen schneller in marktfähige Anwendungen zu überführen.

Welche Lehren können Unternehmen aus dem Beispiel Elektromobilität für ihre eigenen Innovationen ziehen?

Simone Hirschmann: Die wichtigste Erkenntnis ist, dass der Weg von der Technologie zur Marktreife ganzheitlich gedacht werden muss. Viele Innovationen scheitern nicht an ihrer technischen Qualität, sondern daran, dass noch wichtige Bausteine im Umfeld fehlen. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig betrachten, welche Voraussetzungen ihre Lösung für eine erfolgreiche Marktetablierung benötigt: Gibt es die notwendige Infrastruktur? Sind regulatorische Fragen geklärt? Existieren passende Partner und Akzeptanz bei den Anwendern? Netzwerke und Innovationsplattformen wie die von Bayern Innovativ helfen dabei, diese Themen frühzeitig zu adressieren und den Weg in den Markt zu beschleunigen.

Förderprogramm „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Bayern 2026-2029“

Bei der Mobilität von morgen verfolgt der Freistaat Bayern grundsätzlich einen technologieoffenen Ansatz. Dabei zeigt sich jedoch die Elektromobilität am weitesten entwickelt und vielversprechend, um die Klimaschutzziele einzuhalten. Daher unterstützt der Freistaat den Hochlauf der Ladeinfrastruktur als entscheidende Voraussetzung für den Erfolg von Elektrofahrzeugen im Massenmarkt. Vor diesem Hintergrund wird die seit 2017 gestartete Förderung ab 01.01.2026 mit einer neuen Förderrichtlinie weitergeführt.

Die neue Förderrichtlinie ist bewusst flexibel gestaltet, um aktuelle Bedarfe und Trends der Elektromobilität situativ berücksichtigen zu können. Daher ermöglicht die Förderrichtlinie den Aufbau von öffentlich zugänglichen oder nicht öffentlichen Ladepunkten. Im Sinne eines systematischen und zielgerichteten Ausbaus der bayerischen Ladeinfrastruktur werden vielmehr die jeweiligen Förderrahmenbedingungen in einzelnen Förderaufrufen definiert, u. a. Antragsfristen, Zielstellung oder Fördermitteletat. Eine Antragstellung außerhalb eines Förderaufrufes ist nicht möglich.

Weitere Informationen

Bayern Innovativ Newsservice

Sie möchten regelmäßige Updates zu den Branchen, Technologie- und Themenfeldern von Bayern Innovativ erhalten? Bei unserem Newsservice sind Sie genau richtig!

Jetzt kostenlos anmelden

DALL-E 3.5 stilisiert Bayern Innovativ,