Ein gelungener Abschluss des EDIH DigiCare-Projekts: der DigiCare Day 2026

19.05.2026

Am 12. Mai kamen rund 100 Teilnehmende aus der Wirtschaft, Forschung und Start-up-Szene in Nürnberg zusammen, um aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsbranche, personalisierte Versorgung und digitale Gesundheitslösungen zu diskutieren. Unter dem Motto „Medizin der Zukunft: Digital. Präzise. Fair.“ zeigte der DigiCare 2026 mit zehn Fachvorträgen, drei Workshops und einer Paneldiskussion eindrucksvoll, wie stark die Zukunft der Medizin von Digitalisierung, Datenkompetenz, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Fairness geprägt wird. In den vergangenen drei Jahren hat das EU-geförderte Projekt European Digital Innovation Hub (EDIH) DigiCare viel erreicht. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung konnten die Ergebnisse resümiert werden und Impulse für weitere Initiativen gegeben werden. 

KI – zwischen Innovation und Verantwortung

Zwei Keynotes eröffneten den Tag mit Perspektiven, die technologische Innovation und gesellschaftliche Verantwortung bewusst zusammendachten. Dr. Eva Gengler von enableYou sprach in ihrem Vortrag „KI, Medizin und Macht: Eine intersektional-feministische Perspektive“ über den Bias in KI-Systemen und den sogenannten Gender Health Data Gap. Gengler zeigte auf, wie ungleiche Datenlagen bestehende gesellschaftliche Ungerechtigkeiten verstärken können – etwa dann, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen in medizinischen Datensätzen unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig unterstrich sie, dass KI nicht nur technologisch leistungsfähig, sondern auch inklusiv, transparent und verantwortungsvoll gestaltet werden muss.
Daran anknüpfend stellte Prof. Dr. Bjoern Eskofier von der Ludwig-Maximilians-Universität München mit seiner Keynote „AI for Future Healthcare“ aktuelle Herausforderungen und Forschungen vor. Eskofier spannte den Bogen von den Anfängen der KI bis hin zu modernen Foundation Models und datengetriebener Medizin. Dabei standen interoperable Gesundheitsdatenräume, digitale Biomarker sowie KI-gestützte Prävention und Therapieentscheidungen im Fokus. Es wurde deutlich: Damit KI langfristig in der Versorgung ankommen kann, braucht es verlässliche Dateninfrastrukturen, Standards und Vertrauen.
 

Faire KI und smarte Datenräume

Auch die anschließenden Sessions zeigten, wie eng technologische Innovation und gesellschaftliche Herausforderungen miteinander verknüpft sind. In der Session „Predictive & Preventive – but fair and gender-equitable“ standen unter anderem Responsible AI, Gesundheitsdatenräume und vertrauenswürdige KI-Anwendungen im Mittelpunkt. Die Beiträge veranschaulichten, dass Themen wie Transparenz, Governance und Datenqualität entscheidend dafür sind, ob KI-Anwendungen langfristig akzeptiert und erfolgreich eingesetzt werden können.
 

Personalisierte Versorgung wird Realität

Im weiteren Tagesverlauf rückte die personalisierte Versorgung stärker in den Fokus. Wearables, Sensorik und digitale Tagebücher wurden als wichtige Bausteine einer individuell abgestimmten Medizin vorgestellt. Gleichzeitig diskutierten die Sprechenden auch die Herausforderungen: heterogene Daten, fehlende Standards und die Frage, wie digitale Lösungen möglichst praxisnah und alltagstauglich konzeptualisiert werden können. Die Beiträge machten klar, dass personalisierte Versorgung längst keine Zukunftsvision mehr ist, sondern in vielen Bereichen bereits Realität geworden ist.

Gesundheitskompetenz und Teilhabe stärken

Ebenso zentral war das Thema Partizipation. In Vorträgen und Diskussionen wurde erkennbar, wie wichtig digitale Gesundheitskompetenz und die aktive Einbindung der Be-völkerung sind. Ob elektronische Patientenakte, digitale Gesundheitsanwendungen oder strukturierte Ersteinschätzungssysteme wie SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) – digitale Angebote entfalten ihren Mehrwert erst dann, wenn Menschen sie verstehen, ihnen vertrauen und sie aktiv nutzen. Zugleich wurde erörtert, wie bestehende Versorgungslücken und strukturelle Benachteiligungen künftig stärker berücksichtigt werden sollten.

Networking, Workshops und neue Verbindungen

Neben den Fachvorträgen bot der DigiCare Day zahlreiche Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung. Das Speeddating-Format „Matching Minds for Future Medicine“ brachte unterschiedlichste Personen gezielt miteinander ins Gespräch und sorgte für neue Kontakte und zukünftige Kooperationen. Auch die Workshops luden dazu ein, aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren – von Responsible AI bis hin zu Trends in der Gesundheitsbranche und der Digitalisierung in Arztpraxen.
Großen Zuspruch erhielten zudem die buchbaren 1:1 Expertensprechstunden sowie die ganztägige Marktplatz-Area. Dort präsentierten Unternehmen und Organisationen ihre innovativen Lösungen und standen für Gespräche zur Verfügung. Die Besuchenden nutzten die Gelegenheit, neue Technologien kennenzulernen und sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich Digital Health auszutauschen.
Für eine besondere Atmosphäre sorgte außerdem das Live-Graphic-Recording, das die wichtigsten Diskussionen und Impulse des Tages visuell festhielt. In Kombination mit den Networking-Pausen und der kulinarischen Verpflegung entstand ein Veranstaltungsrahmen, der den persönlichen Austausch bewusst in den Mittelpunkt stellte.

Die Zukunft der Medizin entsteht im Dialog

Der DigiCare Day hat wieder einmal gezeigt, wie wertvoll der Dialog zwischen Forschung, Versorgung, Wirtschaft und Gesellschaft ist – und wie viel Innovationskraft entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Erfolgreiche Formate des EDIH DigiCare Projekts wie das MedTech Universum, die Healthtech Innovation Insights oder der Arbeitskreis Fit für die Digitalisierung in Arztpraxen haben wertvolle Outcomes generiert, die die Gesundheitsversorgung personalisierter, partizipativer, prädiktiver und präventiver gestalten. Der DigiCare Day hat all das noch einmal verdeutlicht und den Erfolg des Projekts hervorgehoben. Abschließend lässt sich festhalten: Die Medizin der Zukunft entsteht an der Schnittstelle von Technologie, Daten und Mensch. Entscheidend wird sein, Innovationen nicht nur technisch weiterzuentwickeln, sondern sie gleichzeitig fair, verantwortungsvoll und praxisnah in die Versorgung zu integrieren.

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