Wie könnte die Zukunft der digitalen Diagnostik aussehen? Welche Entwicklungen oder Innovationen sind Deiner Meinung nach in den kommenden Jahren vorstellbar?
Die Integration verschiedener Datenquellen ist einer der nächsten logischen oder notwendigen Schritte. Die genannten Beispiele kommen ja immer aus einer einzelnen Indikation. Die Verbindung verschiedener diagnostischer Marker miteinander herzustellen, um eine noch bessere und noch präzisere Befundung zu erreichen, ist sicherlich der Bereich, der sich stark entwickeln wird. Dazu muss aber auch die Gesundheitsdaten Interoperabilität optimiert werden, d. h. das Zusammenspiel verschiedener Systeme muss verbessert werden. Hier sind Anbieter und Hersteller von Geräten gefragt, aber auch die Infrastruktur muss verbessert werden.
Außerdem wird die Integration bisher ungenutzter Datenquellen, also das sogenannte Quantified Self ein Thema sein. Die Menschen werden sicherlich in Zukunft noch mehr tragbare Geräte verwenden und ihre Gesundheit und Aktivität überwachen, sodass dann die Daten auch diagnostisch verwertet werden können und Frühwarnungen für gesundheitliche Probleme ermöglicht werden.
Ein weiterer Schritt ist die Verbesserung der personalisierten Medizin. Um eine zunehmend wirklich personalisierte Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, ist es erforderlich, die Kombination von Diagnostik mit verschiedenen Omik-Wissenschaften wie die Genomik herzustellen. So kann die Prädisposition eines Patienten für bestimmte Erkrankungen erkannt werden und Behandlungspläne aufgrund seines diagnostischen und genetischen Profils individuell abgestimmt werden.
Die Frühdiagnostik und die prädiktive Diagnostik sind sicherlich Herausforderungen, die noch am weitesten in der Zukunft liegen. Beim Erkennen von Krankheiten, bevor diese ausgebrochen sind, kann die KI derzeit kaum helfen. Als Beispiel wären hier neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose genannt. Der Krankheitszustand ist erst bekannt, wenn die Krankheit eingetreten ist. Es stellt sich also die Frage, wie ich bei einem Menschen erkennen kann, dass sich zum Beispiel seine Bewegungsmuster verändert, bevor er Parkinson bekommen hat. Es gibt auch hier Möglichkeiten, KI entsprechend zu trainieren, aber das ist noch ein langer Weg. Sehr, sehr große Datenmengen und sehr, sehr viele Patienten sind nötig, um an dieser Stelle tatsächlich zu aussagekräftigen Algorithmen zu kommen.
Das Interview führte Dr. Petra Blumenroth, Projektmanagerin Technologie I Frugale Innovation bei der Bayern Innovativ GmbH.
Haben Sie Fragen zum Thema oder zum Arbeitskreis “Digitale Diagnostik”, dann sprechen Sie mit unserer Expertin Julia Ott.
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