Stiftung fordert mehr Hilfen für Wärmewende
Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität fordert gezieltere Förderinstrumente, um soziale Härten bei der Umstellung auf klimaneutrale Wärmeversorgung zu vermeiden.
10.09.2026
Quelle: E & M powernews
Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, dass Haushalte mit weniger als 2.000 Euro Einkommen die Wärmewende nicht allein finanzieren können. Vier Maßnahmen sollten deutschlandweit helfen.
Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität untersucht die Verteilung der Investitionen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Demnach sind die erforderlichen Investitionen von durchschnittlich 86 Milliarden Euro pro Jahr volkswirtschaftlich leistbar. Für Haushalte mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen im Monat ist die Belastung jedoch zu hoch. Die Stiftung fordert deshalb eine stärkere soziale Staffelung der Förderung und zusätzliche Instrumente zur Vorfinanzierung.
Bis 2045 müssen laut der Modellierung des Öko-Instituts 1.170 Milliarden Euro in Wohngebäude und weitere 639 Milliarden Euro in Nichtwohngebäude im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) fließen. Daraus ergibt sich ein jährlicher Investitionsbedarf von rund 86 Milliarden Euro. Die Studie verteilt diesen Bedarf auf 20 Haushaltsgruppen nach Einkommen, Gebäudetyp und Wohnform.
Nach Einschätzung der Stiftung Klimaneutralität ist diese Größenordnung grundsätzlich finanzierbar. Die Bauwirtschaft setzte 2024 rund 190 Milliarden Euro um. Zudem entfällt ein großer Teil der notwendigen Investitionen ohnehin auf Instandhaltung, diese sollte mit energetischen Verbesserungen verbunden werden.
Bei Wohngebäuden sind laut Studie 46 Prozent und bei Nichtwohngebäuden 56 Prozent des Investitionsbedarfs für Maßnahmen vorgesehen, die unabhängig vom Klimaschutz erforderlich werden. Dazu zählen etwa die Erneuerung von Dächern, Fassaden und Fenstern. Bei Wohngebäuden entfallen zudem 37 Prozent des Investitionsbedarfs auf den Heizungstausch.
Geringverdiener besonders belastet
Deutlich schwieriger stellt sich die Finanzierung für Haushalte mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen monatlich dar. Für diese Gruppe summiert sich der Investitionsbedarf bis 2045 auf 286 Milliarden Euro. Die Belastung übersteigt laut Studie 20 Prozent des Haushaltseinkommens. Als leistbar setzt die Untersuchung eine Belastung von bis zu 10 Prozent an. Besonders betroffen sind Mieterhaushalte in Mehrfamilienhäusern sowie selbst nutzende Eigentümer von Einfamilienhäusern.
Studienautor Malte Bei der Wieden verweist auf die besondere Situation einkommensschwacher Haushalte. Diese lebten überdurchschnittlich häufig in älteren Gebäuden und heizten häufiger mit Gas oder Öl. Sie wären damit steigenden Heizkosten ausgesetzt und belasteten Kommunen mit Unterstützungszahlungen.
Kommunen stehen ebenfalls unter Druck
Die Studie betrachtet neben Wohngebäuden auch rund zwei Millionen Nichtwohngebäude im Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungssektor (GHD). Sie machen zwar nur etwa ein Zehntel des Gebäudebestands aus, umfassen aber rund ein Drittel der Nutzfläche und der Emissionen des Gebäudesektors.
Von den 639 Milliarden Euro Investitionsbedarf für Nichtwohngebäude im GHD entfällt rund die Hälfte auf Gebäude der öffentlichen Hand. Dazu zählen Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen, Sporthallen, Kultureinrichtungen und Kliniken. Auf Schulen und Kitas entfallen allein 136 Milliarden Euro. Die Stiftung Klimaneutralität sieht deshalb auch die finanzielle Ausstattung der Kommunen als entscheidend an.
Eine weitere Rolle spielten Wärmenetze. Vermietete Mehrfamilienhäuser weisen bereits heute den höchsten Fernwärmeanteil auf. In der Modellierung steigt dieser Anteil bis 2045 auf rund 40 Prozent. Weil einkommensschwache Haushalte überdurchschnittlich häufig zur Miete in Mehrfamilienhäusern wohnen, betrifft die Entwicklung auch deren Wärmekosten.
Die Stiftung Klimaneutralität sieht deshalb eine Begrenzung der Fernwärmepreise als wichtig an. Das Bundeskabinett hatte am 26. August Eckpunkte für ein Wärmenetzpaket beschlossen, das unter anderem eine Preisaufsicht vorsieht.
Aus den Ergebnissen leitet die Stiftung vier Empfehlungen ab. Die stärkere soziale Staffelung der Gebäudeförderung sei grundsätzlich richtig, reiche für einkommensschwache selbst nutzende Eigentümer aber nicht aus. Diese Haushalte benötigten eine Sicherungsförderung, die den Eigenanteil vollständig abdecke oder zumindest die Vorfinanzierung der Investitionen ermögliche.
Zudem sollten gemeinschaftliche Wärmeinfrastrukturen wie Wärmenetze stärker gefördert und über eine verbindlichere kommunale Wärmeplanung koordiniert werden. Langfristig solle Wärme stärker als öffentliche Daseinsvorsorge organisiert werden, um Investitionsrisiken zu bündeln und bezahlbare Lösungen zu ermöglichen.
Als vierten Punkt nennt die Stiftung gemeinschaftliche Beschaffung und den gemeinschaftlichen Betrieb von Wärmepumpen. Dadurch könnten Skaleneffekte genutzt und die Kosten einer klimaneutralen Wärmeversorgung gesenkt werden.
Das Gutachten zum klimaneutralen Gebäudebestand steht im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen
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