Stadtwerke planen 3.200 MW Elektrolyseleistung
Eine Analyse des Fraunhofer ISI zeigt steigende Forschungs- und Förderaktivitäten bei Elektrolyseuren, während Stadtwerke und Energieversorger umfangreiche Kapazitäten für die Wasserstoffproduktion planen.
20.10.2026
Quelle: E & M powernews
Forschung, Patente und Förderung für Elektrolysetechnologien nehmen zu. Eine Analyse des Fraunhofer ISI zeigt zugleich unsichere Prognosen für den globalen Elektrolyseurmarkt.
Die Forschung an Elektrolysetechnologien für grünen Wasserstoff gewinnt weltweit an Dynamik. Zugleich bleibt offen, wie schnell sich ein wirtschaftlich tragfähiger Markt entwickelt. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) aus Karlsruhe. Die Wissenschaftler untersuchen darin Forschungsaktivitäten, Patentanmeldungen, Fördermittel und Marktprognosen. Auch die Wasserstoffprojekte von Stadtwerken und regionalen Energieversorgern fließen in die Auswertung ein.
Die Analyse entstand im Projekt „H2 Companion“, in dem das Fraunhofer ISI die Modellregionen Grüner Wasserstoff H2-Wandel und H2 GeNeSiS in Baden-Württemberg wissenschaftlich begleitet. Nach Angaben des Instituts haben sowohl die wissenschaftlichen Veröffentlichungen als auch die Patentanmeldungen und die öffentliche Forschungsförderung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
Deutschland bei Forschung auf Rang drei
Zwischen 1827 und 2025 identifizierte die Publikationsanalyse rund 106.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Elektrolyse. Seit 2020 hat sich das Wachstum in allen drei untersuchten Technologiebereichen beschleunigt. Deutschland belegt weltweit den dritten Platz und führt die europäische Auswertung an. China und die USA liegen vorn.
Die Untersuchung unterscheidet zwischen alkalischer Elektrolyse beziehungsweise Anionenaustauschmembran-Elektrolyse (AEL/AEM), Protonenaustauschmembran-Elektrolyse (PEM) und Hochtemperatur-Elektrolyse (HT). AEL gilt als industriell etabliert, während PEM besonders schnell auf Schwankungen der erneuerbaren Stromerzeugung reagieren kann. Die Hochtemperatur-Elektrolyse verspricht eine hohe Effizienz, stellt jedoch hohe Anforderungen an Materialien und Lebensdauer.
Auch die öffentliche Förderung hat zugenommen. Bis Juli 2026 erfasste das Fraunhofer ISI in der deutschen Förderdatenbank „EnArgus“ 156 größere Verbundprojekte und 92 Einzelprojekte mit eindeutigem Elektrolysebezug. Das Fördervolumen dieser Projekte beträgt insgesamt mehr als 3,6 Milliarden Euro. Im Mittelpunkt stehen vor allem die marktnäheren PEM- und AEL-Verfahren.
Auf EU-Ebene identifizierten die Forscher bis April 2026 insgesamt 216 geförderte Projektverbünde zur elektrolytischen Wasserstoffproduktion. Die Europäische Union stellte dafür rund 800 Millionen Euro bereit. Deutschland erhielt mit etwa 132 Millionen Euro die höchste Fördersumme, gefolgt von Frankreich mit rund 128 Millionen Euro.
Patentanmeldungen steigen deutlich
Die internationale Patentaktivität spiegelt die wachsende Forschungsdynamik wider. Die Analyse erfasste rund 4.900 transnationale Patentanmeldungen mit Bezug zur Elektrolyse. Seit 2020 nahm ihre Zahl besonders deutlich zu. Bei der Herkunft der Patente führen die USA und Japan. Deutschland liegt in allen drei Technologiekategorien auf Rang drei, gefolgt von China.
Sven Altvater, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer ISI, sieht Deutschland damit bei der Forschung und Innovation gut aufgestellt. „Entscheidend ist nun, die geförderten Entwicklungsarbeiten in marktfähige Technologien, industrielle Anwendungen und wettbewerbsfähige Unternehmen zu überführen“, sagte er.
Marktprognosen gehen weit auseinander
Wie schnell sich der Elektrolyseurmarkt entwickelt, lässt sich bislang nur schwer abschätzen. Das zeigt die Auswertung von 55 Marktstudien aus den Jahren 2019 bis 2026. Die prognostizierten jährlichen Wachstumsraten des globalen Marktes reichen von 5,6 bis 97,7 Prozent. Der Median liegt bei 25,7 Prozent.
Auch die Umsatzprognosen für 2030 unterscheiden sich erheblich. Die Studien erwarten jährliche weltweite Umsätze zwischen 651 Millionen und 226 Milliarden US-Dollar. Der Median beträgt 14 Milliarden US-Dollar. Maßgeblich seien der Ausbau erneuerbarer Energien, die regulatorischen Rahmenbedingungen, staatliche Förderung, Investitionen und der Hochlauf der globalen Wasserstoffwirtschaft.
Stadtwerke planen 3.200 MW Leistung
Auch Stadtwerke und regionale Energieversorger bauen ihr Engagement aus. Während Anfang 2023 erst rund vier Prozent der Stadtwerke an konkreten Wasserstoffprojekten beteiligt waren, erfasste die Analyse Ende 2025 bereits 64 Elektrolyseprojekte mit 57 Stadtwerken und 17 regionalen Energieversorgern. Zusammen planen die Unternehmen rund 3.200 MW Elektrolyseleistung. Allerdings befinden sich viele Vorhaben noch in frühen Entwicklungsphasen.
Henning Döscher, der die Forschungsarbeiten im Projekt „H2 Companion“ am Fraunhofer ISI koordiniert, sieht den Übergang in einen wirtschaftlich tragfähigen Massenmarkt noch nicht abgeschlossen. Dafür brauche es verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, planbare Förderung und konkrete Abnehmer für grünen Wasserstoff.
Die H2-Marktanalysen des Fraunhofer ISI stehen im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen
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