Rechenzentrum liefert Wärme für Neu-Isenburg
Stadt, Stadtwerke und Projektentwickler Goodman planen, die Abwärme des Rechenzentrums „FRA02“ in das Fernwärmenetz einzuspeisen und damit Wohngebiete, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen zu versorgen.
08.10.2026
Quelle: E & M powernews
Neu-Isenburg will bis zu 50 MW Abwärme aus dem Rechenzentrum „FRA02“ ins Fernwärmenetz holen. Versorgt werden sollen mehr als 600 Gebäude und ein Schwimmbad.
Im Süden Neu-Isenburgs entsteht auf dem früheren Druckereigelände der „Frankfurter Rundschau“ ein Rechenzentrum, das künftig auch für die örtliche Wärmeversorgung genutzt werden soll. Der Projektentwickler Goodman, die Stadt Neu-Isenburg und die Stadtwerke Neu-Isenburg (SWNI) haben dazu nun einen Nachtrag zum bestehenden städtebaulichen Vertrag unterzeichnet. Dies geben die Partner in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt.
Das Rechenzentrum mit der Projektbezeichnung „FRA02“ soll demnach nach seiner Inbetriebnahme bis zu 50 MW thermische Leistung für das Fernwärmenetz bereitstellen. Die SWNI wollen mit der Wärme das Gewerbegebiet Süd, das Wohngebiet Neue Welt und das Waldschwimmbad versorgen. Insgesamt sollen mehr als 600 Gebäude angeschlossen werden, darunter Ein- und Mehrfamilienhäuser, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.
Der jetzt vereinbarte Nachtrag baut auf dem städtebaulichen Vertrag aus dem Jahr 2024 auf. Er schafft nach Angaben der Beteiligten die Grundlage für einen Infrastrukturvertrag zwischen Goodman und den Stadtwerken. Darin soll geregelt werden, wie die Wärme aus dem Rechenzentrum in das Netz des kommunalen Versorgers in Hessen gelangt. Zugleich schafft der Nachtrag einen Rahmen für eine mögliche spätere Erweiterung des Rechenzentrumscampus.
Energiezentrale soll 2028 gebaut werden
Für die Wärmenutzung planen die Stadtwerke eine eigene Energiezentrale auf einem Grundstück, das Goodman bereitstellt. Ihr Bau soll 2028 beginnen. Goodman will die technischen Anlagen auf dem Rechenzentrumsgelände errichten, die für den Anschluss an das Fernwärmenetz erforderlich sind. Die Baugenehmigung und die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz liegen laut der aktuellen Mitteilung bereits vor.
Wie die Wärme technisch auf das benötigte Temperaturniveau gebracht werden soll, führen die Projektpartner nicht näher aus. Eine Machbarkeitsstudie der SWNI vom April 2025 sah dafür Großwärmepumpen vor. Die damals untersuchte Abwärme sollte mit 26 bis 28 Grad Celsius aus dem Rechenzentrum kommen und auf rund 70 Grad angehoben werden.
54 MW IT-Leistung geplant
Goodman hatte das Gelände für „FRA02“ Ende 2022 erworben. Nach aktuellen Angaben des Unternehmens ist das Rechenzentrum für eine IT-Leistung von 54 MW ausgelegt. Der Netzanschluss ist auf 100 Megavoltampere (MVA) ausgelegt. Ein eigenes Umspannwerk soll die Spannung von 110 auf 20 kV transformieren. Goodman nennt Ende 2028 als Termin für die Betriebsbereitschaft des Standorts.
Bereits der 2024 geschlossene städtebauliche Vertrag sah neben der Nutzung der Abwärme unter anderem begrünte Fassaden und Dächer sowie Photovoltaikanlagen auf Büro- und Nebengebäuden vor. Für die Kühlung der Server plant Goodman nach Angaben der Stadt ein luftbasiertes System, um den Einsatz von Trinkwasser zu begrenzen.
Die Goodman Group mit Hauptsitz in Sydney entwickelt, besitzt und verwaltet Logistikimmobilien und Rechenzentren. Der australische Konzern ist nach eigenen Angaben in 15 Ländern aktiv und verfügte Ende Juni 2026 über ein Immobilienportfolio im Wert von 89 Milliarden australischen Dollar (umgerechnet etwa 55,3 Milliarden Euro). Bei Rechenzentren weist Goodman weltweit Standorte mit zusammen 6.400 MW gesicherter oder geplanter Stromleistung aus. Wer „FRA02“ nach der Fertigstellung als Rechenzentrum betreiben beziehungsweise nutzen wird, hat Goodman bislang nicht öffentlich genannt. Schon in der Machbarkeitsstudie der SWNI von 2025 war noch kein künftiger Betreiber benannt.
Autorin: Davina Spohn
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