Hochlauf soll mit Milliardenhilfen Fahrt aufnehmen

Das Bundeswirtschaftsministerium plant neue Förderprogramme für Industrie, Kraftwerke und Infrastruktur, um die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff in Deutschland zu stärken.

20.10.2026

Quelle: E & M powernews

Das Bundeswirtschaftsministerium will den Wasserstoffmarkt mit zehn Maßnahmen stärken. Geplant sind unter anderem 1,5 Milliarden Euro Förderung für Industrieprojekte.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat zehn Maßnahmen beschlossen, um den Wasserstoffmarkt in Deutschland voranzubringen. Das am 19. Oktober in Berlin vorgestellte Paket umfasst Förderprogramme für industrielle Anwendungen, Anreize für die Umrüstung von Kraftwerken, den bedarfsorientierten Ausbau der Infrastruktur sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff.

Damit will das Ministerium Investitionen erleichtern und die Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken. Hintergrund ist der bislang verzögerte Markthochlauf. Laut BMWE liegen die Erzeugungskosten für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff noch deutlich über denen fossiler Alternativen. Zugleich erschweren Unsicherheiten bei Erzeugung, Infrastruktur und Nachfrage die Investitionsentscheidungen.

1,5 Milliarden Euro für Industrieprojekte

Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung industrieller Anwendungen. Das BMWE plant, die nächste Gebotsrunde der CO2-Differenzverträge (Carbon Contracts for Difference, CCfD) um ein eigenes Wasserstoff-Fenster zu erweitern. Für die Gebotsrunde 2027 sollen mindestens 1,5 Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln bereitstehen. 

Wasserstoffprojekte können sich darüber hinaus auch außerhalb des speziellen Fensters um CCfD-Förderung bewerben. Für das Programm sind insgesamt bis zu 8,7 Milliarden Euro an Verpflichtungsermächtigungen vorgesehen. Das BMWE plant, im Herbst 2026 ein Vorverfahren mit Konsultationen von Marktteilnehmern zu starten. Die Verträge sollen die Mehrkosten klimafreundlicher Produktionsverfahren gegenüber konventionellen Technologien abfedern und Investitionen in industrielle Dekarbonisierung ermöglichen. 
Auch die Stromerzeugung soll zusätzliche Impulse erhalten. Das Ministerium will die Umstellung von Gas- auf Wasserstoffkraftwerke gezielt unterstützen. Dafür sollen 2027 zunächst 2.000 MW Kraftwerksleistung ausgeschrieben werden, die ab 2040 mit Wasserstoff betrieben werden sollen. Weitere 2.000 MW sind für Ausschreibungen zwischen 2030 und 2032 vorgesehen. Diese Anlagen sollen ab 2043 auf Wasserstoff umgestellt werden. 

Nachfrage nach klimafreundlichem Stahl stärken

Ein weiterer Ansatz ist der Aufbau eines Leitmarkts für emissionsarmen Stahl. Nach Angaben des BMWE sollen neue Ausschreibungen für Offshore-Windparks über Nachhaltigkeitskriterien die Verwendung von Stahl fördern, der mit erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellt wurde. 

Darüber hinaus will die Bundesregierung Anforderungen an die Klimafreundlichkeit von Stahl und Zement bei der öffentlichen Beschaffung ermöglichen. Eine entsprechende Rechtsverordnung könnte bis Mitte 2027 auf Grundlage des geplanten Vergabebeschleunigungsgesetzes folgen.

Kosten senken und Infrastruktur bedarfsgerecht ausbauen

Um Wasserstoff wettbewerbsfähiger zu machen, setzt das BMWE auch auf bessere Rahmenbedingungen für die Erzeugung und auf Importe. Das Ministerium will sich gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedstaaten für eine pragmatischere Ausgestaltung der europäischen Vorgaben für erneuerbaren Wasserstoff einsetzen. Zudem sollen verlässliche Stromnetzentgelte die Investitionsbedingungen für Elektrolyseure verbessern. 

Auch die Offshore-Erzeugung soll zusätzliche Möglichkeiten erhalten. Auf der Fläche SEN-1 in der deutschen Nordsee sollen zwei Projekte mit jeweils 250 MW Elektrolyseleistung ermöglicht werden. Ergänzend setzt das Ministerium auf Wasserstoffimporte aus unterschiedlichen Lieferländern und Regionen. Bestehende Förderinstrumente wie „H2Global“ und die European Hydrogen Bank sollen den Aufbau entsprechender Lieferketten unterstützen.

Neben dem Wasserstoff-Kernnetz sollen Importkorridore und Speicher entstehen. Zudem will die Bundesregierung mit der Umsetzung des europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Verteilernetze schaffen. Auch den Bedarf an Speicherkapazitäten und mögliche Förderbedarfe will das Ministerium untersuchen. Eine mögliche Grüngasquote soll auch Wasserstoff und Wasserstoffderivate als Erfüllungsoptionen einbeziehen.

Wasserstoffrat und Forschung neu ausrichten

Das BMWE will eine Technologie-Roadmap für Wasserstoff im Rahmen der Hightech-Agenda Deutschland erarbeiten. Sie soll Entwicklungsziele für die gesamte Bandbreite der Energieforschung definieren – von der Grundlagenforschung bis zu angewandten Projekten und Reallaboren.

Zudem richtet die Bundesregierung den Nationalen Wasserstoffrat (NWR) organisatorisch und strategisch neu aus. Das Gremium soll seine Empfehlungen stärker am konkreten Beratungsbedarf der Bundesregierung orientieren. Der neu besetzte Rat soll erstmals am 17. November 2026 tagen.

Das Maßnahmenpapier für den H2-Hochlauf des BMWE steht im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen

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