Hitze stellt Stromnetze auf die Probe
Während einige Verteilnetze stabil blieben, kam es andernorts zu hitzebedingten Stromausfällen
30.06.2026
Quelle: E & M powernews
Die große Hitze Ende Juni ließ die Stromnachfrage steigen. Entsprechend stärker wurden auch die Verteilnetze belastet. Einige hielten der Belastung nicht stand.
Es ist fast genau ein Jahr her, dass die Mainova die bis dahin höchste Tageslast in ihrem Netzgebiet meldete. Über 850 MW waren dies. Damals, am 2. Juli 2025, wurden im Stadtgebiet von Frankfurt am Main 38,4 Grad Celsius gemessen. In den Jahren zuvor hatte der Wert der höchsten Leistungsnachfrage innerhalb eines Tages noch knapp über 800 MW gelegen.
Mainova-Netz hält Tageshöchstlast stand
Nun wurde am 27. Juni 2026 in Frankfurt mit 41,2 Grad ein Allzeithoch gemessen. Schon in den Tagen davor war die Temperatur über die 40-Grad-Marke gestiegen. Die Mitteilung des Kommunalversorgers Mainova ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb eines Tages, jeweils am 25. und am 26. Juni, sei die Tageshöchstlast in der Mainmetropole auf mehr als 900 MW geklettert. Ein wesentlicher Grund dafür seien die sehr hohen Temperaturen gewesen, die einen entsprechend großen Kühlungsbedarf mit sich gebracht haben. Frankfurt am Main, Finanzmetropole und Sitz eines zentralen europäischen Datenknotens, weist eine der größten Rechenzentrums-Dichten Deutschlands auf.
Peter Arnold zeigte sich „stolz“, dass das Verteilnetz auch unter „extremen Bedingungen“ die Versorgung gewährleistet. Die hohen Investitionen ins Netz hätten sich entsprechend ausgezahlt und würden auch noch gesteigert, so der Mainova-Vorstand. Laut Arnold sollen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 900 Millionen Euro investiert werden, um die Kapazität des Stromnetzes zu verdoppeln.
Vorfälle in Rüsselsheim, Lahr und Fürth
Die Netze anderer Energieunternehmen zeigten sich in den vergangenen Tagen indessen weniger robust. Die Stadtwerke Rüsselsheim, ebenfalls in Hessen, meldeten am 25. Juni spätabends einen Stromausfall, von dem rund 2.000 Haushalte im Netzgebiet betroffen waren. Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren habe zu dem Störfall geführt. „Die außergewöhnlich hohen Temperaturen der vergangenen Tage sorgten für eine sehr hohe Stromnachfrage. Hinzu kam am Abend eine zusätzliche Belastung des Netzes, unter
anderem durch das zeitgleich stattfindende WM-Spiel“, teilte der Versorger mit. Er bezog sich dabei auf das deutsche Fußballspiel gegen Ecuador; fünf Tage später kickte Paraguay die DFB-Elf aus der WM.
Die hohe Netzbelastung am 25. Juni habe dazu geführt, dass mehrere Betriebsmittel ausfielen, vor allem Kabelmuffen, also Verbindungselemente, so die Rüsselsheimer. Die dadurch entstandenen Erdschlüsse hätten zu einer Kettenreaktion und schließlich zu einem großflächigen Ausfall geführt.
Außergewöhnliche Häufung von Betriebsmittel-Ausfällen
„Einzelne Defekte an Verbindungselementen kommen in einem Stromnetz immer wieder vor. Dass jedoch mehrere Betriebsmittel nahezu gleichzeitig ausfallen und sich die Auswirkungen gegenseitig verstärken, ist außergewöhnlich“, erklärte Rüsselsheims Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Landwehr.
Im badischen Lahr hatte die E-Werk Netze, Tochtergesellschaft des E-Werks Mittelbaden (EWM), die bis 2025 noch Überlandwerk Mittelbaden (ÜWM) hieß, am 26. Juni einen hitzebedingten Kabelfehler gemeldet, in dessen Folge es zu einem Stromausfall gekommen sei. Dieser sei allerdings bereits innerhalb von knapp 45 Minuten wieder behoben gewesen.
Im mittelfränkischen Fürth kam es seit dem 26. Juni zu mehreren Stromausfällen. „Die Rekord-Temperaturen am vergangenen Wochenende haben das Stromnetz in Fürth stark belastet und zu einer ungewöhnlichen Häufung von Kabelstörungen im Mittelspannungsnetz geführt. Betroffen waren die Stadtteile Hardhöhe, Poppenreuth und Ronhof“, hieß es von Seiten des kommunalen Versorgers. Zum Teil dauerten die Ausfälle nur wenige Minuten.
In Ronhof habe es am Nachmittag des 28. Juni allerdings drei zunächst voneinander unabhängige Kabelschäden gegeben, die sich dann aber zu einer etwa vierstündigen „komplexen Großstörung“ entwickelt haben. Rund 2.000 Haushalte waren laut Infra Fürth, so der Eigenname des Stadtwerks, betroffen.
Autor: Fritz Wilhelm
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