Britische Shell verkauft bayerische Sonnen
Der Verkauf an den Investor Tiven unterstreicht den wachsenden Wettbewerbsdruck in der Heimspeicherbranche und die Herausforderungen für europäische Anbieter.
14.08.2026
Quelle: E & M powernews
Nach Millionenverlusten gibt der britische Shell-Konzern den deutschen Heimspeicherhersteller Sonnen GmbH wieder ab.
Shell mit Sitz in London hat den bayerischen Speicherherstellers Sonnen mit Sitz in Wildpoldsried verkauft. Das bestätigte der Energiekonzern auf Anfrage von der Redaktion. Käufer der Sonnen Group ist demnach Tiven, ein internationaler Vermögensverwalter und Family Office, teilte eine Sprecherin von Shell mit. Angaben zum Kaufpreis macht der Konzern nicht.
„Shell kann bestätigen, dass der Verkauf der Sonnen Group an Tiven, einen internationalen Vermögensverwalter und Family Office, abgeschlossen wurde.“ Der Verkauf unterstütze die laufenden Bemühungen des Konzerns, sein Portfolio zu optimieren.
Bereits zuvor hatte das Handelsblatt über die Transaktion berichtet. Dem Bericht zufolge handelt es sich bei Tiven um das Family Office von Gert Purkert, Mitgründer und Partner der Investmentgesellschaft Aurelius. Nach Informationen der Zeitung soll Sonnen unter dem neuen Eigentümer saniert und anschließend für einen Weiterverkauf aufgestellt werden.
Zu den finanziellen Konditionen äußerte sich Shell gegenüber der Redaktion nicht. „Die finanziellen Konditionen dazu legen wir nicht offen“, erklärte die Sprecherin. Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Insider, der Kaufpreis könnte im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen.
Sollten die Angaben zutreffen, hätte Shell mit seinem Engagement bei Sonnen erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Der Konzern hatte den Speicherhersteller 2019 nach Angaben des Handelsblatts für knapp 500 Millionen Euro übernommen. Bis 2024 habe Shell zusätzlich mehr als 500 Millionen Euro in das Unternehmen investiert, das Engagement von Shell dürfte insgesamt ein Verlustgeschäft in Milliardenhöhe gewesen sein.
„Shell überprüft regelmäßig sein Portfolio“
Auf die Frage von E&M nach den konkreten Gründen für die Trennung von Sonnen verwies Shell auf seine regelmäßige Überprüfung der Beteiligungen und Geschäftsaktivitäten. „Shell überprüft regelmäßig sein Portfolio sowie strategische Geschäftsmöglichkeiten. Der Verkauf ist Teil unserer laufenden Bemühungen zur Optimierung des Portfolios“, so die Sprecherin.
Die wirtschaftliche Entwicklung von Sonnen hatte sich zuletzt deutlich verschlechtert. Nach Angaben des Handelsblatts sank der Umsatz von 263,5 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 78,4 Millionen Euro im darauffolgenden ausgewiesenen Geschäftsjahr. Gleichzeitig hätten sich die Verluste in diesem Jahr auf mehr als 106 Millionen Euro summiert. Aktuellere Zahlen seien seit der Übernahme durch Shell nicht verfügbar. Das Handelsblatt schreibt zudem, dass Sonnen – abgesehen von einem durch Sondereffekte geprägten Jahr – auch zuvor keine schwarzen Zahlen geschrieben habe.
Sonnen gehörte in Deutschland zu den frühen Anbietern von Batteriespeichern für Privathaushalte. Das Unternehmen aus Wildpoldsried im Allgäu setzte neben dem Verkauf von Heimspeichern auf deren digitale Vernetzung und Steuerung. Batteriespeicher sollten dabei zu größeren Einheiten gebündelt und für energiewirtschaftliche Anwendungen eingesetzt werden. Parallel dazu expandierte das Unternehmen international.
Für den neuen Eigentümer fällt die Übernahme in eine Phase starken Wettbewerbs auf dem Markt für Heimspeicher. Zwar wächst der Gesamtmarkt, deutsche Hersteller stehen nach Angaben des Handelsblatts jedoch unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Neben Sonnen verzeichneten auch Anbieter wie Senec und E3DC Verluste, Umsatzrückgänge oder einen Abbau von Stellen. Zugleich haben chinesische Hersteller ihre Position im deutschen Markt ausgebaut.
Die Schwierigkeiten betreffen damit nicht allein Sonnen. Der Energiekonzern EnBW hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, bei seiner Speichertochter Senec keine neuen Geräte mehr auf dem Markt anzubieten. Ein zuvor angestrebter Verkauf des Unternehmens war gescheitert.
Autor: Stefan Sagmeister
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