Beim Wasserstoff geht es nur schleppend voran
Neue Daten von Dena und BDEW zeigen eine große Lücke zwischen den Wasserstoff-Ausbauzielen und den bislang realisierten Elektrolysekapazitäten in Deutschland.
11.09.2026
Quelle: E & M powernews
Bundesweit sind von 169 Wasserstofferzeugungsprojekten nur 44 mit einer Kapazität von 181 MW tatsächlich in Betrieb. Das zeigen die Dena-Datenbank und der BDEW-Wasserstoffmonitor.
Die Ausbauziele für Wasserstoff in Deutschland liegen deutlich über dem bislang realisierten. Das wurde bei einem Webinar des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft am 10. September deutlich. Experten der Deutschen Energie-Agentur (Dena), der Salzgitter AG und des Gasnetzbetreibers Ontras Gastransport berichteten über den Stand bei Erzeugung, Nachfrage und Infrastruktur.
Laut der Dena-Projektdatenbank sind derzeit Elektrolyseprojekte mit insgesamt 2.100 MW Leistung finanziell abgesichert. Zahlreiche weitere Vorhaben befinden sich noch in der Planung. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kommt in seinem Wasserstoffmonitor zu einem ähnlichen Befund. Danach befinden sich bundesweit 169 Wasserstofferzeugungsprojekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.
Davon sind laut BDEW 44 Projekte mit zusammen 181 MW bereits in Betrieb. Weitere 27 Vorhaben mit insgesamt 1.271 MW befinden sich im Bau oder haben eine finale Investitionsentscheidung erreicht.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sieht vor allem ein Finanzierungsproblem. Der Hochlauf müsse jetzt angeschoben und Investitionen abgesichert werden, sagte sie. „Neben der Infrastruktur braucht es zugleich Erzeugung, Abnahme und Investitionssicherheit“, sagte Andreae. Erst wenn diese Elemente zeitlich zusammenpassen, könne der geplante Markthochlauf in größerem Umfang stattfinden.
Als ein wichtiges Instrument nennt sie Wasserstoff-Differenzverträge (CfDs). Sie sollen die Kostenlücke zwischen erneuerbarem beziehungsweise kohlenstoffarmem Wasserstoff und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer ausgleichen. Der BDEW fordert dafür einen eigenen, zweckgebundenen Haushaltstitel im Klima- und Transformationsfonds des Bundeshaushalts 2027.
Salzgitter schafft konkrete Nachfrage
Nachfrage besteht bereits bei der Salzgitter AG, berichtete Cara Bien, Public & Regulatory Affairs. Der Stahlhersteller will Wasserstoff im Rahmen seines Transformationsprogramms SALCOS (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) einsetzen, um Kohlenstoff als Reduktionsmittel bei der Stahlproduktion zu ersetzen. Das Unternehmen nimmt die Umstellung schrittweise vor und integriert die neue Stahlproduktion mit Strom und Wasserstoff statt Koks in das bestehende Hüttenwerk.
Bis Mitte der 2030er Jahre will das Unternehmen den CO2-Ausstoß seiner Stahlproduktion um mehr als 95 Prozent reduzieren. Das Gesamtinvestitionsvolumen für die Transformation liegt bei rund 2,7 Milliarden Euro.
Für SALCOS erwartet die Salzgitter AG einen potenziellen Wasserstoffbedarf von bis zu 150.000 Tonnen pro Jahr. Die Beschaffungsstrategie sieht drei Wege vor: eine eigene Wasserstoffproduktion am Standort, die Versorgung aus inländischer Erzeugung und Importe. Voraussetzung für die Belieferung ist eine rechtzeitige Anbindung an das Wasserstoffkernnetz, der aber frühestens 2029 kommt.
Daher baut Salzgitter eine 100-MW-Elektrolyseanlage auf, sagte Bien. Die Anlage soll 2027 fertiggestellt werden und zunächst fünf Prozent des benötigten H2 beitragen. Ergänzend hat das Unternehmen einen Liefervertrag mit EWE geschlossen. Ab 2030 sollen jährlich 10.000 Tonnen grüner Wasserstoff aus der geplanten 320-MW-Elektrolyseanlage von EWE in Emden über das Wasserstoffkernnetz nach Salzgitter gelangen. Der Vertrag läuft zunächst sieben Jahre und deckt weitere rund 6,5 Prozent des erwarteten Bedarfs ab.
Ontras plant europäische Wasserstoffachse
Auch beim grenzüberschreitenden Transport sind die Projekte noch in der Entwicklungsphase. Ontras Gastransport, ein in Leipzig ansässiger Fernleitungsnetzbetreiber, arbeitet gemeinsam mit Netzbetreibern aus Finnland, den baltischen Staaten, Polen und Deutschland am Nordic-Baltic Hydrogen Corridor (NBHC).
Der geplante Korridor soll sich über rund 2.500 Kilometer erstrecken und sechs europäische Staaten verbinden. Bis 2040 wird eine Transportkapazität von rund 2,7 Mio. t Wasserstoff beziehungsweise 91 TWh angestrebt. Die Aufnahme des kommerziellen Betriebs ist ab 2033 vorgesehen.
Das Projekt besitzt laut Ontras den Status eines „Vorhabens von gemeinsamem Interesse“ (PCI) und ist in den europäischen Zehnjahres-Netzentwicklungsplan aufgenommen worden. Die beteiligten Unternehmen haben nach Vorstudien im Jahr 2024 inzwischen eine umfassende Machbarkeitsphase gestartet. Dafür stehen 6,8 Millionen Euro aus dem europäischen Förderprogramm Connecting Europe Facility (CEF) zur Verfügung. Die Machbarkeitsphase soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden.
Die Dena-Datenbank für Elektrolyseprojekte steht im Internet bereit.
Autoren: Susanne Harmsen, Günter Drewitzky
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