Baggerseen als PV-Standort nutzen
Ein Whitepaper von Nexentury zeigt, wie schwimmende Solaranlagen und Batteriespeicher auf künstlichen Gewässern zur Eigenversorgung und Energiekostensenkung beitragen können.
03.09.2026
Quelle: E & M powernews
Nexentury zeigt in einem neuen Whitepaper, wie Rohstoff- und Industriebetriebe Baggerseen für Floating-PV und Batteriespeicher nutzen können. Dies könnte knappe Landflächen entlasten.
Die Nexentury GmbH aus Starnberg hat ein Whitepaper zur Nutzung von Baggerseen für die Energieversorgung von Rohstoff- und Industriebetrieben veröffentlicht. Unter dem Titel „Energie-Souveränität – Made in Germany“ beschreibt das Unternehmen, wie sich betriebseigene Wasserflächen mit schwimmenden Photovoltaikanlagen (Floating-PV) und Batteriespeichern für die Eigenversorgung erschließen lassen.
Nexentury entwickelt und betreibt Floating-PV-Anlagen und ist auf die Nutzung von Wasserflächen für die Stromerzeugung spezialisiert. Das Unternehmen stellt in dem Whitepaper technische, regulatorische und wirtschaftliche Aspekte solcher Projekte dar. Dazu gehören nach Angaben von Nexentury unter anderem die Voraussetzungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 und dem Solarpaket I sowie Fragen zu Stromkosten, Rendite und Amortisation.
6.000 künstliche Wasserflächen
Als Ansatzpunkt für Rohstoff- und Industriebetriebe nennt Nexentury die mehr als 6.000 künstlichen Seen in Deutschland. Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE könnten diese Gewässer ein Potenzial von rund 15.000 MW installierter Photovoltaikleistung bieten. Einen Teil dieser Flächen bilden Baggerseen, die von Kies- und Rohstoffunternehmen selbst betrieben oder besessen werden. Die Nutzung solcher Flächen könne Flächennutzungskonflikte mit anderen Anwendungen an Land vermeiden.
Das Whitepaper zeigt anhand eines Praxisbeispiels, wie sich eine solche Anlage wirtschaftlich bewerten lässt. Nexentury verweist dabei auf die seit Juli 2024 betriebene Floating-PV-Anlage auf dem Philippsee in Bad Schönborn. Dort betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Anlage mit rund 15 MW Leistung. Der Baggersee gehört zur Philipp & Co. KG, die dort ein Kieswerk betreibt. Einen Teil des erzeugten Stroms nutzt das Kieswerk für den eigenen Betrieb.
Beispiel Philippsee
Der Philippsee liegt rund 20 Kilometer südlich von Heidelberg (Baden-Württemberg) und verfügt über eine Wasserfläche von mehr als 60 Hektar. Davon nimmt die Floating-PV-Anlage nach Angaben von Nexentury rund 8,2 Hektar ein. Die Anlage besteht aus 27.160 Solarmodulen. Die Module sind auf einer schwimmfähigen Unterkonstruktion aus HDPE-Pontons montiert und zu sogenannten Modulbooten verbunden. Auch die elektrische Ausrüstung ist für den Betrieb auf und an Gewässern ausgelegt.
Die Module sind in Ost-West-Richtung angeordnet. Nexentury gibt an, den Abstand zwischen den Modulen vergrößert zu haben, um eine höhere Lichtdurchlässigkeit zu ermöglichen. Für die Schwimmkörper kommt eine Giebelanordnung zum Einsatz, die eine bessere Belüftung der Wasseroberfläche ermöglichen soll. Zum Schutz der Uferzone wurde die Anlage am Gewässergrund verankert.
Nach Angaben von Nexentury haben die Eigentumsverhältnisse am Philippsee und die bestehenden Abgrabungsrechte die Projektentwicklung erleichtert. Die Philipp & Co. KG verfügt demnach über die Eigentumsrechte am See sowie über Erweiterungsflächen für den Kiesabbau für weitere 25 bis 30 Jahre. Diese Laufzeit entspreche in etwa der durchschnittlichen Nutzungsdauer einer Photovoltaikanlage. Zudem war laut Nexentury bereits elektrische Infrastruktur durch das angrenzende Kieswerk vorhanden.
Speicher als Ergänzung
Neben Floating-PV betrachtet das Whitepaper Batteriespeicher als weiteren Baustein. Sie können dazu beitragen, den erzeugten Solarstrom zeitlich flexibler zu nutzen. Nexentury stellt außerdem unterschiedliche Beteiligungsmodelle vor, mit denen Unternehmen ihre Energieversorgung stärker auf die eigene Erzeugung ausrichten können.
Das Unternehmen führt als Gründe für eine stärkere Eigenversorgung unter anderem volatile Energiepreise, geopolitische Lieferrisiken sowie steigende Anforderungen an Nachhaltigkeits- und Berichterstattungspflichten an. Das Whitepaper soll Unternehmen dabei unterstützen, das technische Potenzial ihrer Wasserflächen sowie Stromkosten, Wirtschaftlichkeit und mögliche Genehmigungswege vor einer Projektentwicklung einzuschätzen.
Das White Paper zu PV auf Baggerseen steht im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern Innovativ Newsservice
Sie möchten regelmäßige Updates zu den Branchen, Technologie- und Themenfeldern von Bayern Innovativ erhalten? Bei unserem Newsservice sind Sie genau richtig!