Man könnte also Optimierungsbedarf z. B. von Mitarbeitenden in der Produktion erkennen. Sind das die Anwendungsfälle?
Louis Schulze: Ja, ich denke, dass alle Technologien rund um dieses Buzzword Web3 auf eine Reduktion von Transaktionskosten einzahlen. Im Metaverse Kontext und in dem Beispiel mit den KMU, in dem wir uns gerade bewegen, ist es so, dass wir einfach die Transaktionskosten verringern können wie z. B. den Reiseaufwand, den Produktionsaufwand sowie den Planungs- und Koordinationsaufwand. Bei DAOs (Dezentralisierte autonome Organisation) beispielsweise ist es so, dass man verschiedenste Leute Teilhaber an einer Organisation werden lassen kann. Dafür muss nicht extra eine Genossenschaft gegründet oder ein Notar beauftragt werden. Hier haben wir dann wieder diesen Effekt der reduzierten Transaktionskosten. Und ich glaube, genau das ist dieser ökonomische Nutzen, den wir kurzfristig stiften können.
Kommunikationswege können demnach verkürzt werden, indem sich Gesprächspartner im Metaverse treffen?
Louis Schulze: Ich hatte vorhin schon die Metapher mit dem Haus genannt. Ich nutze gerne noch eine zweite Metapher mit einer Brücke: Ich denke, dass Web3 und Metaverse Technologien eine Brücke zwischen Unternehmen sind. Bisherige Technologien, wie Software, sind perfekt dafür ausgerichtet, die Abläufe und Umsatzpotenziale innerhalb von Unternehmen zu optimieren. Wir haben es aber bisher noch nicht geschafft, die Verbindung, sprich die Brücken, zwischen Unternehmen technologisch bestmöglich aufzubauen. Wenn Unternehmen zusammenarbeiten, dann haben wir häufig dieses Dilemma des mangelnden Vertrauens. Ich bin der Meinung, dass es mit Metaverse, Web3 und der Blockchain Technologie möglich ist, einen vertrauensvollen und gesicherten Transfer von Daten und Informationen zwischen Unternehmen gewährleisten zu können. Die Daten sind anonym und gesichert. Ich habe sie auf der Blockchain nachvollziehbar und dadurch schaffe ich einen deutlich höheren Grad einer offenen Ökonomie (Open Economy). Ich glaube tatsächlich, dass das Web3, Blockchain und Metaverse darauf einzahlen, dass wir in diesem Ökosystem agieren können. Metaverse ist „Authority by Code“: Die Autorität sind nicht mehr nur wir Menschen, sondern wir haben die Sicherheit, dass ein Code den Transfer regelt. Genau das sind die Potenziale, die wir langfristig dadurch explorieren können.
Braucht es zusätzliche Regulatorik?
Louis Schulze: Noch steckt die Blockchain Technologie und auch gerade diese Token-Ökonomie in den Kinderschuhen. Wenn ich jetzt Entscheider in einem Unternehmen wäre, dann würde ich erst einmal Abstand davon nehmen, alles zu tokenisieren und viel Blockchain zu machen. Es gibt einfach noch nicht die entsprechende Rechtssicherheit. Und spätestens dann, wenn ich auf einmal Kryptowährungen in der Buchhaltung mit abwickeln muss, dann würde dies sicherlich alle buchhalterischen Prozesse erst einmal sprengen. Deswegen kann ich sehr gut verstehen, dass da aktuell noch eine gewisse Distanz zu dem Thema herrscht. Aber sowohl Juristen und Kanzleien als auch Unternehmen und Start-ups fangen langsam an, diesen Bereich für sich zu erschließen. Das heißt, dass die Regulatorik gerade im Aufbau ist. Es passiert gerade sehr viel, um die Rechtssicherheit für Unternehmen zu schaffen. Man kann hier auch nicht sagen, dass wir noch fünf bis 15 Jahre davon entfernt sind. Es wäre also ein Fehler, sich dem Ganzen erst in zehn Jahren zu widmen, weil dann die Sicherheit gegeben ist. Es werden hier sehr kurzfristig viele Anwendungsfälle entstehen.
Braucht es für Metaverse einfach Early Adopters?
Louis Schulze: Dafür nutze ich gerne ein Beispiel aus dem Web3. In der Regel ist es so, dass das produzierende Unternehmen für die Emission verantwortlich ist und diese auch reduzieren muss. Aber es ist nur für einen Bruchteil der entstandenen Emissionen verantwortlich. Wir sprechen hier von Scope-1-, 2-, 3-Emissionen. Wie reduziere ich dann beispielsweise Scope-3-Emissionen? An diese Stelle müsste ich zwangsläufig mit meinen Lieferanten zusammenarbeiten, nicht nur mit meinem Tier-1, sondern mit Tier-2 und Tier3 etc. Nun wäre es doch von Vorteil, wenn ich einen gesicherten Raum hätte, in dem ich mich datenseitig austauschen könnte und Potenziale identifizieren könnte. Wo können wir CO2 einsparen, wie sind die Produktionsschritte und wie sind die entsprechenden Datenströme dazu? Das alles wäre durch die Blockchain abgesichert, so dass Unternehmen anfangen können sich gegenseitig zu vertrauen und nicht dieses Vertrauensdilemma entsteht. Dafür braucht es die Early Adopters. Durch die Gespräche in meinem Podcast bin ich sehr zuversichtlich, dass da schon viel passiert ist.
Das Interview führte Christoph Raithel, Teamleiter Event bei der Bayern Innovativ GmbH.
Hören Sie sich das vollständige Interview als Podcast an: