Wissenstransfer – wie Ideen die Seiten wechseln
Bayern Innovativ im Gespräch mit WeSort.AI
23.07.2026
Wie kommt wissenschaftliches Know-how in die Praxis? Bei der WeSort.AI GmbH aus Würzburg lässt sich das sehr konkret zeigen: Aus KI-Kompetenz, Prototypenentwicklung und Unterstützung im Gründungsumfeld entstand ein Unternehmen, das Sortiertechnik für die Recyclingwirtschaft entwickelt. Die Technologie kombiniert Künstliche Intelligenz mit Sensorik und Röntgentechnik, um Batterien, Elektronikschrott und andere Wertstoffe in Abfallströmen zu erkennen und automatisiert auszusortieren.
Die Unterstützung durch das bayerische Förderprogramm FLÜGGE half den Gründern dabei, aus einer technologischen Idee eine anwendungsreife Lösung und schließlich ein Unternehmen zu machen. Wir haben mit Dr. Regina Bühl, Projektmanagerin, Bayern Innovativ GmbH und Nathanael Laier, Geschäftsführer und Gründer der WeSort.AI GmbH über das Thema Wissenstransfer gesprochen.
Das Förderprogramm FLÜGGE unterstützt Gründungsvorhaben aus dem wissenschaftlichen Umfeld. Welchen Beitrag leistet das Programm konkret dazu, Forschungsergebnisse in die unternehmerische Praxis zu überführen?
Dr. Regina Bühl: Zweck dieser Maßnahme ist die beschleunigte Einführung und Verbreitung moderner Technologien und Dienstleistungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Mit der Förderung erhalten die Gründungswilligen Stipendien und können sich so auf das Gründungsvorhaben konzentrieren. Zudem werden Sachkosten und Coachings gefördert.
Woher kam das notwendige Wissen für die Entwicklung der We.Sort AI und wie ist der Transfer in beide Richtungen gelungen?
Nathanael Laier: Wissenstransfer läuft nie nur in eine Richtung. Zuerst kam das Wissen aus Studium und Forschung zu uns: KI, Mechatronik und die Methoden, um aus Innovationen echte Anwendungen zu machen. Dass genau in der Abfallwirtschaft riesiges Potenzial für KI steckt, sahen wir erst durch Zufall – und vertieften es dann in einer Studienarbeit.
Dann haben wir den Spieß umgedreht und das Wissen zurück in die Praxis getragen: Wir sind raus zu den Recyclern gegangen, haben nach ihren echten Hürden gefragt, das Potenzial vor Ort abgeklopft und erste Tests direkt in den laufenden Sortieranlagen gefahren.
Wissenstransfer lebt vom Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Wie können Unternehmen gezielt Zugang zu Forschung, neuen Technologien und wissenschaftlichem Know-how finden?
Dr. Regina Bühl: Durch die Beteiligung an Netzwerken, Clustern, Kongressen, Workshops und den Austausch mit Transferstellen an den Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen finden Unternehmen Kompetenzen, die sie benötigen. Besonders wertvoll sind dabei regionale Innovationsökosysteme, die Wissenschaft und Wirtschaft vernetzen und den Weg von der Idee in die Anwendung beschleunigen.
Wie gelingt es, dass Ideen nicht in der Forschung verbleiben, sondern den Weg in die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Anwendung finden?
Dr. Regina Bühl: Damit Ideen den Sprung aus der Forschung in die Anwendung schaffen, braucht es einen engen Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – idealerweise schon in einer frühen Entwicklungsphase. Entscheidend sind zudem passende Transferstrukturen, die Forschende dabei unterstützen, Potenziale zu erkennen, Partner zu finden und Innovationen zur Marktreife zu bringen. So entstehen Lösungen, die nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch einen konkreten Mehrwert für Unternehmen und Menschen schaffen.
Was ist in Ihrem Unternehmen aus dem Wissenstransfer entstanden und wo stehen Sie heute?
Nathanael Laier: Meiner Meinung nach muss man das Bauchgefühl für eine neue Technologie sofort in der Praxis auf die Probe stellen. Also: Anrufen, vorbeifahren, ins Gespräch kommen. Die Leute sind sehr hilfsbereit – und oft führt das zu Erkenntnissen, mit denen man vorher nie gerechnet hätte.
So haben wir überhaupt erst erfahren, dass Brände durch Akkus das drängendste Problem der Entsorger sind. Heute ist das für uns ein gelöstes Thema: Mehrere unserer Systeme sortieren Akkus und Elektrogeräte im großen Maßstab vor Ort aus.
Förderprogramm zur Unterstützung des leichteren Übergangs in eine Gründerexistenz
Das bayerische Förderprogramm FLÜGGE (Förderprogramm zur Unterstützung des leichteren Übergangs in eine Gründerexistenz) verfolgt das Ziel, Unternehmensgründungen aus Hochschulen in Bayern im Bereich Innovation, Forschung und Technologie zu unterstützen.
Zweck dieser Maßnahme ist die beschleunigte Einführung und Verbreitung moderner Technologien und Dienstleistungen in Wirtschaft und Gesellschaft. So erhöht sich angesichts des raschen technologischen Wandels die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft und ermöglicht und sichert ein angemessenes wirtschaftliches Wachstum sowie einen hohen Beschäftigungsstand.
Die Umsetzung der Fördermaßnahme erfolgt über entsprechende Aufrufe, in welchen gegebenenfalls thematische Schwerpunkte gesetzt werden. Innerhalb der jeweiligen Förderaufrufe ist es möglich Projektvorschläge zu den genannten Fristen einzureichen. Diese werden im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens nach definierten Kriterien begutachtet und bewertet.