Transfer gelingt gemeinsam: Die Stärke der Transfercommunity

Im Wissens- und Technologietransfer reichen Informationen allein oft nicht aus. Entscheidend sind Erfahrung, Einordnung und der Austausch mit den richtigen Menschen

Wir wissen, dass Potenziale für die Transferarbeit in zahlreichen Erfahrungen liegen, die meist im Hintergrund entstehen und selten sichtbar werden. Diese
Erkenntnis entstand aus vielen Gesprächen entlang unserer Arbeit am Thema Transfer. Diese wiederkehrende Beobachtung war nun Ausgangspunkt dafür,
genauer hinzusehen.
Für konkrete Einblicke haben wir mit Andrea Janssen gesprochen, einer Transferintermediärin, die Transfer nicht nur theoretisch beschreiben kann, sondern diesen
täglich lebt. Dabei ergaben sich spannende Einblicke, wie Transfer tatsächlich funktioniert, wo Peer-Resonanz fehlt und warum der Kontakt zu Gleichgesinnten oft
entscheidend ist.

Was an Transferarbeit im Alltag komplex ist und warum dafür Austausch wichtig wird

Porträt von Andrea Janssen
Andrea Janssen
+49 911 20671-311
Innovationsmanagement, Projektmanagerin, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg

„Kein Unternehmen würde nach ,Transferintermediär‘ googeln .“

Andrea Janssen, die in ihrer Arbeit als Projektmanagerin im Innovationsmanagement viele Transferprojekte begleitet, sagt diesen Satz mit einem
Augenzwinkern. Und doch trifft er einen Kern. Transferarbeit ist meistens leise.

Andrea Janssen: „Transferarbeit beginnt selten dort, wo ein Bedarf schon klar formuliert auf dem Tisch liegt. 
Sie beginnt oft viel früher: beim Zuhören, beim Einordnen, beim Herausfinden, was Unternehmen tatsächlich brauchen und wo es Anknüpfungspunkte
gibt. Passende Unternehmen finden, Bedarfe greifbar machen, Gespräche so dokumentieren, dass Kolleginnen und Kollegen daran weiterarbeiten
können. Vieles davon passiert im Hintergrund. Genau das macht Transferarbeit komplexer, als es von außen oft wirkt.
Vieles in unserer Arbeit beginnt nicht mit einer fertigen Anfrage von Seiten der Unternehmen. 
Es beginnt meist damit, erst einmal herauszufinden, was wirklich gebraucht wird. 
Hinzu kommt: Vieles in dieser Arbeit lässt sich nicht einfach nachschlagen. Welche Unternehmen passen wirklich zu einem Angebot? Wo besteht ein
konkreter Bedarf? Was muss festgehalten werden, damit ein Kontakt nicht versandet, sondern anschlussfähig bleibt?”

Andrea beschreibt ihren Alltag deshalb nicht als linearen Prozess, sondern als ein ständiges Suchen, Prüfen und Verbinden.

Andrea Janssen: „Und wer selbst viele Themen parallel begleitet, weiß, wie wertvoll es hierbei ist, schnell eine Rückmeldung zu bekommen, einen
passenden Kontakt zu kennen oder von einer Erfahrung zu hören, die Zeit spart und neue Wege eröffnet. 
Das Problem war bisher oft nicht fehlende Information. Es fehlte die schnell verfügbare, erfahrungsbasierte Einordnung. 
Transferakteure begegnen sich immer wieder auf Veranstaltungen oder in einzelnen Projekten, doch dieser Austausch bleibt oft situativ. Was häufig
fehlt, ist die Möglichkeit, auch zwischen diesen Momenten im Gespräch zu bleiben und voneinander zu profitieren, ohne jedes Mal wieder bei null
anfangen zu müssen.“

Studien, Tools und Best Practices sind heute in großer Zahl zugänglich. Doch Verfügbarkeit bedeutet nicht automatisch Anwendbarkeit. Wer liest,
speichert und informiert, erhält zwar Wissen, aber nicht unbedingt die Einschätzung, die in einer konkreten Situation weiterhilft.

Andrea Janssen: „In der Praxis entscheidet nicht nur, was wir wissen, sondern auch, wie wir dieses Wissen einordnen und unter welchen Bedingungen wir es
anwenden. Die wirklich hilfreichen Antworten entstehen häufig nicht beim Lesen eines weiteren Beitrags, sondern im Gespräch mit Menschen, die
ähnliche Situationen bereits erlebt haben.”

Transfer ist kontextabhängig. Jede Organisation bringt eigene Strukturen mit. Jede Kooperation folgt ihrer eigenen Dynamik. Jede Region hat
Besonderheiten, die sich nicht einfach übertragen lassen. Deshalb reicht dokumentiertes Wissen allein oft nicht.
Darin liegt eine oft unterschätzte Stärke im Transfer: die Erfahrung der Community selbst. 

Andrea Janssen: „Über Jahre entsteht in Projekten, Kooperationen und Gesprächen ein enormes Praxiswissen. Dieses Wissen ist hoch relevant, es
bleibt allerdings in der Regel verteilt: es liegt in persönlichen Netzwerken, in einzelnen Projekterfahrungen und in situativen Gesprächen zwischen
Kolleginnen und Kollegen. Die Intermediäre könnten noch stärker voneinander profitieren. Wenn Austausch stattfindet und Themen von anderen
Intermediären gesehen werden, entstehen häufig auch Anknüpfungspunkte, die man vorher garnicht auf dem Schirm hatte.“

Erfahrungsbasiertes Wissen ist da, aber nicht leicht zugänglich. So arbeiten viele Transferintermediäre an ähnlichen Herausforderungen, ohne
voneinander zu profitieren, obwohl genau darin ein großer Mehrwert liegen könnte.

Unsere Schlussfolgerung:  Was gebraucht wird, ist ein Raum, in dem Erfahrungswissen zugänglich wird

Digitale Austausch- und Informationsräume gibt es heute zahlreich. Sie ermöglichen Sichtbarkeit, Reichweite und erste Kontakte, auch im Wissens- und
Technologietransfer entstehen dort wertvolle Impulse. Gleichzeitig folgen viele dieser Plattformen einer Logik der Aufmerksamkeit und kontinuierlichen
Aktivität. Die stark wachsende Zahl an Content-Interaktionen und neuen Funktionen zeigt, dass Nutzung und Resonanz zunehmend im Mittelpunkt
stehen.1
Für Transferintermediäre, die mit komplexen, kontextabhängigen Fragestellungen arbeiten, ist das nur ein Teil der Lösung. Denn nicht alles, was sichtbar
oder schnell teilbar ist, hilft im Arbeitsalltag tatsächlich weiter. Parallel wächst die Informationsdichte stetig: Studien zeigen eine zunehmende digitale
Überlastung, in der Kommunikationsflut und fehlende Fokuszeiten die eigentliche Arbeit erschweren. 2,3
Was dadurch sichtbar wird, ist weniger ein Mangel an Kanälen oder Informationen, sondern das Fehlen eines gemeinsamen Raums für Kontext und
spezifischen Transferaustausch. 
Ein Raum, der beständig ist. 
In dem auch unausgereifte Gedanken Platz haben, Fragen gestellt werden können, bevor sie vollständig formuliert sind, und Erfahrungen geteilt werden,
die in offenen Plattformen oft unsichtbar bleiben. Gerade im Transfer kann ein solcher geschützter Austausch entscheidend sein: Er verbindet Menschen
mit ähnlichen Aufgaben, ermöglicht ehrliche Peer-Resonanz und macht das Erfahrungswissen nutzbar, das bereits in der Community vorhanden ist – als
Beitrag zum gemeinsamen Lernen.

...nicht als Produkt, sondern als Infrastruktur für relevanten Austausch

Aus diesen Gedanken heraus entsteht derzeit eine neue Plattform für den Wissens- und Technologietransfer. Nicht als weiterer Feed und nicht als
Selbstzweck. Sondern als Ort, an dem Erfahrungen, Fragen und Perspektiven aus der Community zusammenkommen können.

Anknüpfungspunkte sollen künftig leichter und kontinuierlicher entstehen. Denn viele Transferintermediäre arbeiten an sehr ähnlichen
Herausforderungen, ohne dafür bislang einen gemeinsamen Bezugspunkt zu haben. Man begegnet sich auf Veranstaltungen, in Projekten oder über
bestehende Netzwerke, tauscht sich aus und arbeitet danach oft wieder in den eigenen Strukturen weiter. Vieles hängt dabei noch vom Zufall ab: vom
richtigen Treffen, vom passenden Kontakt oder vom richtigen Moment. Die Plattform soll diesen Austausch nicht ersetzen, sondern ihm mehr
Kontinuität geben. Sie soll sichtbar machen, was bereits da ist: Wissen aus der Praxis, das andere im Transfer unmittelbar weiterbringen kann. Sie soll
Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Und sie soll dazu beitragen, dass aus vielen einzelnen
Erfahrungen ein stärkeres gemeinsames Verständnis von Transfer entsteht. Denn die wichtigste Ressource im Transfer müssen wir nicht erst schaffen. In
vielen Fällen ist sie längst da. Man muss sie nur besser miteinander verbinden.

Nach Transferintermediären würde kaum jemand googeln. Nicht, weil ihre Arbeit unwichtig wäre, sondern weil sie oft zwischen den Systemen
stattfindet und nach außen schwer greifbar ist. Umso wichtiger ist ein Raum, in dem diese Rolle nicht erklärt oder vermarktet werden muss, sondern in
dem sich diejenigen finden, die sie längst ausfüllen. Ein Raum, in dem Transferintermediäre sich gegenseitig wahrnehmen, Erfahrungen teilen und
voneinander lernen können. Denn wer täglich Verbindungen schafft, braucht auch selbst Orte, an denen Verbindung entsteht.

Ihre Gedanken und Fragen zum Thema sind jederzeit willkommen – wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Ihr Kontakt

Theresa Wöllner
+49 911 20671-525
Innovationsmanagement, Projektmanagerin, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg
Katja Reichel
+49 911 20671-248
Innovationsmanagement, Projektorganisation, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg
Kathrin Singer
+49 911 20671-215
Leitung Innovationsmanagement, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg

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