Digitale Schritte im Familienbetrieb – wie KI den Hofalltag verändert

Ein Interview mit Landwirtin Barbara Steinberger

24.02.2026

Wie wird aus einem klassischen Familienbetrieb ein digital aufgestellter Hof? Landwirtin Barbara Steinberger berichtet, wie Impulse aus der Landtechnik ihren Hof Schritt für Schritt in Richtung KI und datenbasierte Entscheidungen geführt haben. Sie setzt auf Offline-PatchSpraying mit Drohne, georeferenzierten Applikationskarten und integriert diese gezielt in ihren Betriebsalltag. Ein praxisnaher Einblick in Chancen, Herausforderungen und konkrete Einstiegsmöglichkeiten für Landwirtinnen und Landwirte.

Barbara Steinberger ist Landwirtin aus Niederbayern. Auf ihrem familiengeführten Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Saatgutvermehrung verbindet sie traditionelle landwirtschaftliche Praxis mit innovativen Technologien. Im Mittelpunkt ihrer täglichen Arbeit steht das präzise Zusammenspiel von moderner Landtechnik, digitalen Anwendungen und nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden. Nach ihrem agrarwissenschaftlichen Studium und ihrer beruflichen Station bei der Landtechnikfirma Horsch sammelte sie umfassende Einblicke in technologische Entwicklungen und praxisnahe Lösungen für die Landwirtschaft. Dieses Know-how bringt sie heute gezielt in den elterlichen Betrieb ein, den sie übernommen hat und kontinuierlich weiterentwickelt.

Wie sah dein elterlicher Betrieb aus, bevor du den Fokus auf digitale Technologien und KI gelegt hast, und was war der Auslöser für diesen Schritt? Wie bist du dann gestartet – eher Schritt für Schritt oder mit einem größeren Umbruch?

Der Auslöser war ehrlicherweise meine Tätigkeit bei HORSCH. Ich wollte meine Erfahrungen, die ich bei der großen Landtechnikfirma machen durfte, daheim integrieren. Soweit das eben auch kostentechnisch möglich ist. Für mich ist es immer noch ein Prozess und erfolgt Schritt für Schritt. 
 

Welche konkreten digitalen Anwendungen oder KI-Tools nutzt du heute im Alltag (z. B. bei Pflanzenbau, Betriebsmanagement)? Welche davon sind auch mit überschaubarem Budget umsetzbar?

Ich beschäftige mich viel mit Offline PatchSpraying und arbeite hier mit einem Startup namens SAM-Dimension zusammen. Eine Drohne fliegt die zu behandelnden Felder ab und aus den georeferenzierten Daten entsteht eine Karte, nach welcher dann mit der Feldspritze gespritzt wird. Für mich ist es wichtig, dass ich die bereits bestehende Technik weiter nutzen kann.
 

Wie hat sich dein Arbeitsalltag durch die Digitalisierung verändert – zeitlich, organisatorisch und persönlich? Spart dir der Einsatz von KI im Alltag tatsächlich Zeit, oder verlagert sich der Aufwand nur?

Ich denke es ist wichtig, dass man sich nicht übernimmt. Moderne Technologien erleichtern vieles, allerdings muss man immer im Hinterkopf haben, dass diese auch von der älteren Generation angewandt werden soll. Langfristig wird es sonst nämlich schwierig und bewirkt eher das Gegenteil – Frust und Ärger. 
 

Braucht man für digitale Technologien viel technisches Know-how, oder kann man sich das auch „nebenbei“ aneignen?

Es wäre auf jeden Fall von Vorteil, wenn man technisch interessiert ist. Man sollte von der Technologie überzeugt sein und den Willen haben, es auszuprobieren. Nur so erkennt man den wahren Nutzen.

Was würdest du jungen Landwirtinnen und Landwirten raten, die neugierig auf KI sind, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Es ist wichtig, sich im Vorfeld mit neuen Technologien zu beschäftigen, sich mit anderen Betriebsleitern auszutauschen und bei Firmen nachzufragen. Allerdings erkennt man die Vorteile und auch die Nachteile solcher Systeme nur dann, wenn man Sie selbst einsetzt und ausprobiert.
 

„Betriebe müssen selbst ausprobieren und herausfinden, welche digitalen Tools wirklich zu ihnen passen. Am Anfang ist der Aufwand oft groß – aber es lohnt sich mit der Zeit. Wichtig ist, bestehende Systeme weiterzunutzen und Schritt für Schritt Erfahrungen zu sammeln.“

Barbara Steinberger

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