Interview: Smart Textiles im Einsatz

27.07.2026

Welche Anforderungen stellen Einsatzkräfte an moderne Uniformen und Ausrüstung? Und welchen Beitrag können Smart Textiles im Arbeitsalltag leisten? Darüber sprechen wir mit Bernd Häusinger, der von 1982 bis 1987 bei der Bereitschaftspolizei Nürnberg tätig war und seit 2016 im Ruhestand ist.

Herr Häusinger, was verstehen Sie unter Smart Textiles und welchen Nutzen sehen Sie für Einsatzkräfte?

Bernd Häusinger: Klassische Schutzkleidung bietet bereits Funktionen wie Hitze-, Kälte- oder Brandschutz. Smart Textiles gehen einen Schritt weiter und integrieren zusätzliche Funktionen, beispielsweise Sensoren oder Warnanzeigen. 

Ihr Nutzen zeigt sich überall dort, wo sie Sicherheit erhöhen oder Einsatzkräfte im Alltag unterstützen können.

Welche Anforderungen stellen Einsatzkräfte an Uniformen und Ausrüstung?

Bernd Häusinger: Uniformen müssen ähnlich wie Outdoor-Kleidung robust und funktional sein. Sie sollen vor jedem Wetter schützen und möglichst leicht sein. Besonders wichtig ist aber auch der Tragekomfort, da man oft den ganzen Tag in der Kleidung arbeitet. Im Streifendienst muss außerdem ausreichend Bewegungsfreiheit gewährleistet sein.

Die Uniformen haben sich in den vergangenen Jahrzenten weiterentwickelt: Frühere Modelle – etwa aus den 1970er- und 1980er-Jahren – waren teilweise unpraktisch. Krawatten waren unbequem und konnten in Konfliktsituationen sogar ein Risiko darstellen. Auch Schuhe und Wetterschutzkleidung entsprachen nicht immer den Anforderungen. 

Schutzwesten waren deutlich schwerer als heute und wurden unter der Kleidung getragen, was die Beweglichkeit einschränkte. Im Laufe der Zeit wurden viele Verbesserungen umgesetzt – einige davon lassen sich bereits als Vorstufe von Smart Textiles verstehen. 

So führte etwa die schlechte Sichtbarkeit früherer Uniformen zur Einführung reflektierender Elemente. Auch bei Handschuhen gab es Entwicklungen: Um Verletzungen, etwa durch Spritzen bei Durchsuchungen, zu vermeiden, wurden Modelle mit speziellem Stichschutz eingeführt. 

Diese Entwicklungen zeigen, dass Innovationen vor allem dann erfolgreich sind, wenn sie aus praktischen Anforderungen entstehen.

Worauf kommt es bei neuen Technologien im Einsatz besonders an?

Bernd Häusinger: Entscheidend sind Zuverlässigkeit, einfache Bedienung und Robustheit. Gerade in Stresssituationen müssen Systeme intuitiv funktionieren. Solange diese Voraussetzungen erfüllt sind, überwiegen für mich die Vorteile durch neue Technologien.

Wie offen sind Einsatzkräfte für Smart Textiles?

Bernd Häusinger: Einsatzkräfte sind grundsätzlich offen für neue Technologien, wenn diese einen erkennbaren Vorteil bieten. Wichtig ist, dass neue Funktionen im realen Einsatz funktionieren und die Arbeit tatsächlich erleichtern. Anpassungsfähigkeit ist ebenfalls wichtig, da sich auch Bedrohungslagen und Arbeitsbedingungen stetig verändern. 

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für Smart Textiles?

Bernd Häusinger: Wichtig sind Aufklärung und Transparenz über die Möglichkeiten der Technologie. Besonders wichtig sind dabei Funktionalität, geringes Gewicht, einfache Handhabung und Zuverlässigkeit. 

Welchen Eindruck hatten Sie von der Veranstaltung "Forum Textil"?

Bernd Häusinger: Die Veranstaltung war insgesamt sehr gelungen. Der Veranstaltungsort und die Organisation haben mir gefallen. Es wurde Kompetenz und Fachwissen, aber auch was zum Anfassen auf der Ausstellung geboten. Besonders interessant fand ich den Vortrag zum Weltraumanzug als Beispiel, was alles mit Textilien mittlerweile möglich ist. 
Bei aller technischen Entwicklung sollte jedoch immer die Praxistauglichkeit im realen Einsatz von Polizei, Feuerwehr und anderen Anwendern im Mittelpunkt stehen. Dort zeigt sich schließlich, ob neue Schutzkleidung und smart Textiles wirklich einen Vorteil bieten. 

Das Interview führte Dr. Monika Voigt, Projektmanagerin im Bereich Material bei Bayern Innovativ.

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Dr. Monika Voigt
+49 911 20671-526
Innovationsnetzwerk Material, Projektmanagerin, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg

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