Austausch zu Herausforderungen und Zukunft von Glaskunst und -handwerk im Bayerischen Wald
29.04.2026
Im Netzwerk Glas 2.0 diskutierten Glaskunst und Glashandwerk im Bayerischen Wald zentrale Zukunftsfragen. Im Fokus standen Fachkräftemangel, technische Infrastruktur und gemeinsame Sichtbarkeit der Glasregion.
Am 13. April fand im Rahmen des Netzwerks Glas 2.0 von Bayern Innovativ der erste Workshop mit dem Fokus auf Glaskunst und Glashandwerk in der Gründerwerkstatt Glas in Zwiesel statt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort zentrale Bedarfe, aktuelle Herausforderungen sowie konkrete Unterstützungsansätze für die Branche zu identifizieren und zu diskutieren.
Mit insgesamt 19 Teilnehmenden war der Workshop bewusst offen und vielfältig angelegt: Neben etablierten Selbstständigen aus dem Glaskunstbereich unterschiedlichster Ausrichtung und Unternehmensgrößen nahmen auch Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstler sowie Vertretungen der Lokalpolitik, aber auch regionaler Netzwerke wie dem Gläsernen Winkel und dem Bildwerk Frauenau teil. Diese breite Zusammensetzung ermöglichte einen intensiven Austausch über Generationen, Erfahrungsstände und Geschäftsmodelle hinweg.
Vernetzung und bestehende Unterstützungsangebote im Fokus
Ein zentraler Bestandteil des Workshops war die Vorstellung bestehender Unterstützungs- und Netzwerkangebote. So startete Tobias Helling zunächst mit einem allgemeinen Überblick über die Angebote von Bayern Innovativ sowie das Netzwerk Glas 2.0.
Charlotte Stegmayer gab einen Einblick in den Kreativbereich von Bayern Innovativ und zeigte Anknüpfungspunkte zwischen klassischem Handwerk, Kreativwirtschaft und Innovationsförderung auf.
Ergänzend stellte Carola Kupfer die Arbeit des Bayerischen Landesverbands für Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK) vor und ordnete aktuelle Rahmenbedingungen und Unterstützungsansätze für selbstständige Kreativschaffende ein.
Auch die regionale Ebene war vertreten: Teresa Sitzberger, Wirtschaftsförderin des Landratsamts Regen, präsentierte bestehende öffentliche und regionale Initiativen zur Unterstützung sowohl etablierter Betriebe als auch für Neugründungen.
Zentrale Herausforderungen aus der Praxis
Im anschließenden Praxisteil stand der offene und intensive Austausch im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass es neben allgemeinen Herausforderungen – wie einer unübersichtlichen und häufig als nicht passgenau empfundenen Förderlandschaft – insbesondere zwei zentrale Problembereiche gibt, die die Zukunft des Glashandwerks akut betreffen.
1. Zunehmender Mangel an Fachkompetenz und Infrastruktur im technischen Bereich
Ein wesentliches Risiko für viele Glaskünstlerinnen und Glaskünstler stellt der zunehmende Mangel an Fachwissen rund um Ofen-, Brenner- und Anlagentechnik für die verwendeten Öfen dar. Geeignete Anlagen sind lokal kaum noch verfügbar, Reparaturen oft nur mit großem Aufwand möglich. Gründe hierfür sind unter anderem geringe Marktvolumina, fehlende Profitabilität für größere Anbieter sowie der altersbedingte Wegfall langjähriger Fachkräfte ohne Nachfolge.
Ein technischer Defekt kann damit – je nach Ausmaß – einen sofortigen Produktionsstopp und im schlimmsten Fall die Existenzbedrohung eines Betriebs bedeuten. Als erster möglicher Ansatz wurden eine stärkere Vernetzung und Sichtbarmachung bestehender Dienstleister, Angebote und Kompetenzen identifiziert, um verbliebene Ressourcen besser zugänglich zu machen.
2. Gemeinsame Außenrepräsentation der Glasregion Bayern
Ein zweiter zentraler Diskussionspunkt war die Außenwahrnehmung und -darstellung der Glaskunst aus Bayern, insbesondere aus dem Bayerischen Wald. Trotz der großen Bandbreite an Stilen, Techniken und ästhetischen Ansätzen verbindet alle Beteiligten ein hoher professioneller Anspruch sowie eine lange handwerkliche Tradition. Diese Qualität gilt es künftig stärker gemeinsam nach außen zu zeigen und strategisch zu positionieren. Hier wurde als bereits existierende Struktur beispielsweise die vorhandene Glasstraße in Ostbayern genannt, welche wieder stärker fokussiert und bespielt werden könnte.
Weitere Belastungen für Kleinbetriebe
Darüber hinaus wurden hohe Betriebs- und Lohnkosten sowie bürokratische Hürden als zusätzliche Belastungsfaktoren benannt. Diese treffen insbesondere kleine Betriebe und Soloselbstständige überproportional stark und erschweren Investitionen, Wachstum und langfristige Planung.
Fazit und Ausblick
Der Workshop hat deutlich gemacht, dass trotz aller Herausforderungen ein hohes Maß an Motivation, Engagement und Gestaltungswillen bei den Glaskünstlerinnen und Glaskünstlern in der Region vorhanden ist.
Diese Potenziale nun gezielt zu bündeln, sichtbar zu machen und mit passenden Unterstützungs- und Vernetzungsangeboten zu flankieren, ist eine anspruchsvolle – aber zentrale – Aufgabe, um das kulturell und wirtschaftlich bedeutende Glashandwerk im Bayerischen Wald langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.
Das Netzwerk Glas 2.0 wird diesen Dialog fortführen und die identifizierten Themen in weiteren Formaten gemeinsam mit den Beteiligten vertiefen.
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