Sägewerk 2.0: Vom Bestand zur Vision
25.02.2026
Wie kann ein bestehendes Gebäude zum Modell für zirkuläre und nachhaltige Architektur werden? Mit dieser Leitfrage startete Pilot 4 Materials im Rahmen des EU-Interreg-Projekts Decorator. Ziel war es, das Sägewerk nicht neu zu erfinden, sondern sein vorhandenes Potenzial freizulegen und in eine tragfähige Zukunftsvision zu überführen. Begleitet wurde unser Co-Ideation-Workshop von Astrid Köppel, Facilitatorin und Expertin für das DECORATOR-Modell.
Fünf Leitprinzipien als Kompass
Den inhaltlichen Rahmen bildeten fünf zentrale Perspektiven:
- Ganzheitliche Nachhaltigkeit – Gebäude als regenerative Systeme und aktive Lebensräume
- Kreislaufwirtschaft als Kernprinzip – Ressourcen in geschlossenen Kreisläufen denken
- Human-Centered Design – Wohlbefinden von Mensch und Ökosystem gleichermaßen berücksichtigen
- Innovationsorientierung – Architektur als Hebel für gesellschaftliche Transformation
- Funktion und Schönheit im Einklang – Zirkularität und Ästhetik gemeinsam gestalten
Diese Prinzipien dienten nicht als abstrakte Theorie, sondern als praktische Leitlinien für die Arbeit vor Ort.
Den Bestand neu sehen: Material und Raum
Die Teilnehmenden teilten sich in zwei Gruppen auf: Eine widmete sich dem Thema Material, die andere dem Thema Raum. Bei einem Rundgang durch das Sägewerk wurden vorhandene Balken, Fenster, Strukturen und räumliche Qualitäten analysiert.
Im Fokus stand dabei:
- vorhandene Materialien als Ressource begreifen
- räumliche Potenziale sichtbar machen
- Herausforderungen identifizieren und konstruktiv weiterdenken
Eine zentrale Erkenntnis des Workshops war, dass die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft im Bausektor weniger eine technische als vielmehr eine Frage des Mindsets ist. Frühzeitige Zusammenarbeit, interdisziplinärer Austausch und ein neuer Blick auf den Bestand sind entscheidend.
Rapid Co-Ideation: Von der Vision zur Konkretisierung
In einer einstündigen, komprimierten Co-Design-Session wurde ein Zukunftsszenario für das Sägewerk entwickelt. Das Format verband Elemente eines Design Sprints mit kollaborativer, interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Unterschiedliche Fachrichtungen brachten ihre Perspektiven ein:
- Architektinnen und Architekten betonten räumliche Flexibilität und historische Kontinuität.
- Technologinnen und Technologen fokussierten innovative Wiederverwendung und digitale Integration.
- Sozialwissenschaftlerinnen, Sozialwissenschaftler und Pädagoginnen, Pädagogen plädierten für gemeinschaftsorientierte Nutzungen wie einen Kindergarten und eine Student Lounge.
Aus dieser Vielfalt entstand ein ganzheitliches, studierendenzentriertes Konzept. Die Ergebnisse wurden in einem digitalen Prototyp visualisiert, ein wichtiger Schritt vom Gedankenexperiment hin zu einer realisierbaren Vision.
Das Sägewerk der Zukunft
Die Vision folgt einem klaren Grundsatz: Das Gebäude bleibt in seiner Struktur erhalten. Die bestehende Hülle wird energetisch ertüchtigt, doch Identität und historische Kontinuität bleiben spürbar.
Konkret bedeutet das:
- Wiederverwendung bestehender Holzbalken und Aufbereitung der Fenster
- Begrünte Fassaden mit Efeu sowie Nistkästen als Beitrag zur Biodiversität
- Hängende Gärten als Raumtrenner und natürliche Klimapuffer
- Flexible „Room-in-Room“-Lösungen, bewegliche Wände und modulare Elemente für langfristige Anpassungsfähigkeit
So entsteht ein Ort für Arbeiten, Lernen und Begegnung, funktional, ästhetisch und zirkulär gedacht. Und da wir uns in Bayern befinden, darf auch ein Biergarten als sozialer Treffpunkt nicht fehlen.
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