Vom Klinikpiloten zum Transfermodell: HACK-IT-NET

29.10.2026

Weniger Materialverbrauch im Krankenhaus beginnt mit konkreten Veränderungen im Alltag. Damit daraus mehr als Einzellösungen werden, verbindet HACK-IT-NET klinische Erprobung mit internationalem Wissenstransfer. Bayern Innovativ entwickelt dafür ein Beteiligungsprogramm zur Kreislaufwirtschaft: Die Erfahrungen aus Nürnberg sollen auch Erlangen, München und weiteren Einrichtungen helfen, eigene Lösungen umzusetzen.

Wie aus einer Alltagsbeobachtung Veränderung wird

Ungebrauchte Komponenten entsorgen, Mehrwegprodukte nicht ausschöpfen, einzelne Instrumente aufwendig verpacken: Solche Ressourcenverluste lassen sich nicht allein an ihrem Entstehungsort beheben. Änderungen betreffen auch Einkauf, Hygiene, Aufbereitung und Entsorgung. Genau hier setzt der bayerische Beitrag zu HACK-IT-NET an. In diesem Rahmen verbindet Bayern Innovativ Schulung, gemeinsame Ideenentwicklung und begleitete Umsetzung. Das von der EU im Programm Interreg Alpine Space mitfinanzierte Projekt bringt vom 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2027 neun Organisationen aus sechs Ländern des Alpenraums zusammen, um nachhaltige und digitale Ansätze zu erproben und ihren Transfer vorzubereiten.

Für die Klinikteams beginnt dieser Weg mit einem Training zu Vermeidung und längerer Nutzung. Anschließend bringen Beschäftigte Ideen aus ihrem Arbeitsalltag ein, die die zuständigen Bereiche gemeinsam prüfen und priorisieren. Bayern Innovativ unterstützt mit Fachimpulsen und Moderation; Statusgespräche begleiten Umsetzung und Auswertung. Die klinische Bewertung und die Verantwortung für Patientensicherheit und Versorgungsqualität bleiben beim Haus. So entstehen neben einzelnen Maßnahmen auch Erfahrungen darüber, welche Abstimmungen sie überhaupt möglich machen.

Nürnberg zeigt, worauf es in der Umsetzung ankommt

Wie das praktisch funktioniert, zeigt der neunmonatige Pilot am Klinikum Nürnberg. Beschäftigte aus unter anderem OP, Anästhesie, Einkauf, Hygiene und Aufbereitung nahmen bestehende Materialflüsse in den Blick. Vorhandene Mehrweg-Laryngoskopspatel wurden stärker genutzt; zugleich wurden Verpackungseinheiten von einem auf fünf Spatel umgestellt. Der Projektbericht nennt dadurch 80 Prozent weniger Verpackungsmaterial, entsprechend mehr als 4.000 Beuteln. 

Andere Maßnahmen setzten früher oder später im Materialkreislauf an: Bedarfsgerecht separat gelieferte ZVD-Leitungen sollen verhindern, dass ungenutzte Komponenten entsorgt werden. Der Bericht rechnet mit 12.000 eingesparten Leitungen und rund 192 Kilogramm PVC ohne Verpackung. Für verbrauchte CLIC-Absorber-Kartuschen wurde dagegen ein Rücknahmepfad zum Hersteller eingerichtet. Hinzu kamen die Überprüfung von Abfalltrennung und Verpackungsprozessen sowie die Sammlung platinhaltiger Katheterspitzen zur Rückgewinnung. 

Zusammen schätzt der Bericht jährlich erreichbare Einsparungen auf nahezu 400 Kilogramm Kunststoff und mehr als 1,5 Tonnen CO₂; eine spätere Rückmeldung nennt über 400 Kilogramm Kunststoff. Diese Angaben sind keine unabhängig validierte Gesamtbilanz. Die Katheterrückgewinnung ist mangels Mengenangaben nicht eingerechnet. Für HACK-IT-NET zählt neben dieser Größenordnung vor allem das Wissen über Umsetzungshürden: Verwechslungsrisiken, neue Sammelorte und standortübergreifende Abstimmungen zeigen, was andere Häuser bei ähnlichen Veränderungen berücksichtigen müssen. 

Aus lokalen Erfahrungen wird ein übertragbares Vorgehen

An diesem Punkt knüpfen Erlangen und München an. Übertragen wird nicht der Nürnberger Maßnahmenkatalog, sondern die Beteiligungsstruktur – denn Lieferverträge, Materialbedarf und Aufbereitungskapazitäten unterscheiden sich. Erlangen priorisierte am 28. Juli 2026 Wiederverwendung, Materialweitergabe und weniger Papier; vergleichbare quantifizierte Ergebnisse liegen noch nicht vor. Am TUM Klinikum Rechts der Isar läuft nach Stand Oktober 2026 die Ideensammlung für OP und Anästhesie, mit Laufzeit bis April 2027. Die weiteren Piloten sollen zeigen, wie sich das Vorgehen an andere Bedingungen anpassen lässt. 

Damit dieses Wissen über die Pilotkliniken hinaus nutzbar wird, bereitet das internationale Netzwerk Erfahrungen und Methoden auf. Transferunterlagen erläutern Ablauf, Rollen und Zeitbedarf. Uptake Communities sollen das Vorgehen erproben und Rückmeldungen geben; für den bayerischen Piloten ist die Bayerische Krankenhausgesellschaft als Multiplikatorin vorgesehen. Partnerkontinuität, die Einbindung von Lieferunternehmen und lokale Anpassungen bleiben dabei Herausforderungen. Ein erfolgreicher Pilot allein belegt noch keine flächendeckende Übertragbarkeit. 

Der nächste Schritt ist deshalb, die Zusammenarbeit dauerhaft zu verankern. In Nürnberg soll eine Taskforce Circular Economy daran anknüpfen; dafür braucht es klare Verantwortlichkeiten, Abstimmungszeit und Unterstützung der Klinikleitung. Bis Juni 2027 stehen auf Projektebene Transferunterlagen, erweiterte Netzwerke und ein langfristiges Betriebsmodell im Fokus. Hier schließt sich der Kreis: Der Erfolg von HACK-IT-NET wird sich daran zeigen, ob weitere Einrichtungen aus eigenen Alltagsbeobachtungen tragfähige Veränderungen entwickeln – und diese auch nach dem Pilot fortführen.

Ihr Kontakt

Sophia Wenzel
Sophia Wenzel
Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg
Innovationsnetzwerk Gesundheit, Kommunikation und Marketing

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