Innovation mit Anwenderfokus: TechNurse baut neue Brücken zwischen Pflege, Klinik und Industrie
11.02.2026
Mit TechNurse wächst das Partnernetzwerk von Bayern Innovativ um ein junges Unternehmen, das die Zusammenarbeit zwischen Medizintechnikindustrie und Anwendenden aus der Praxis neu denkt. Das Start-up aus Bayern hat sich zum Ziel gesetzt, die Kommunikation zwischen Entwicklung und Anwendung medizinischer Produkte zu verbessern und dabei insbesondere Pflegekräfte stärker einzubinden. Damit adressiert TechNurse eine zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen: Innovative Medizinprodukte entstehen häufig ohne ausreichende Einbindung derjenigen, die sie täglich nutzen.
Die Idee zu TechNurse entstand aus persönlicher Erfahrung. Gründer Jonas Becker Bilić kennt sowohl die Pflegepraxis als auch die technische Perspektive. „Ich komme ursprünglich aus der Pflege und habe später Biomedical Engineering studiert. Während meiner Bachelorarbeit musste ich einen Usability-Test für ein Sterilkonzept organisieren und habe schnell gemerkt, wie schwierig es ist, Pflegekräfte systematisch einzubinden“, berichtet er. Zwar habe es grundsätzlich großes Interesse an einer Mitarbeit gegeben, doch organisatorische und rechtliche Hürden hätten die Zusammenarbeit erschwert.
Ein entscheidender Punkt war dabei die Struktur der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Fachpersonal. Viele Pflegekräfte und Ärzte haben zwar Interesse, ihr Wissen einzubringen, stehen jedoch vor bürokratischen Anforderungen wie Vertragsabschlüssen oder Rechnungsstellung. „Als klar wurde, dass Fachkräfte für eine Zusammenarbeit selbstständig auftreten müssen, sind viele abgesprungen“, erklärt Becker Bilić. Gemeinsam mit einem kleinen Team entwickelte Becker Bilić daraufhin das Konzept von TechNurse. Ziel des Unternehmens ist es, Herstellende von Medizinprodukten mit Anwendenden zusammenzubringen und so eine praxisnahe Produktentwicklung zu ermöglichen. Dabei versteht sich TechNurse nicht als klassische Beratungsplattform, sondern als Vermittlungs- und Matchinglösung.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal von TechNurse ist der Aufbau eines rechtlichen Rahmens für die Zusammenarbeit. „Unser USP ist das Legal Framework. Wir übernehmen Verantwortung für steuerliche und rechtliche Aspekte und stellen Fachkräfte für einzelne Projekte sogar kurzfristig bei uns an, damit sie umfassend abgesichert sind“, erläutert Becker Bilić. Dadurch können Anwendende unkompliziert an Projekten teilnehmen, während Unternehmen gleichzeitig mit professionell organisierten Strukturen arbeiten.
Die Plattform bietet unterschiedliche Formate der Zusammenarbeit, darunter Umfragen, Interviews oder Praxistests. Dabei legt TechNurse großen Wert darauf, dass Teilnehmende weiterhin in ihrem beruflichen Alltag verankert bleiben. „Unsere Idealauslastung liegt bei etwa einem Projekt pro Quartal. So stellen wir sicher, dass die Teilnehmenden repräsentativ bleiben“, sagt Becker Bilić. Gleichzeitig wird garantiert, dass die Arbeit beim Hauptarbeitgeber nicht beeinträchtigt wird.
Auch für Einrichtungen im Gesundheitswesen bietet die Zusammenarbeit Vorteile. TechNurse unterstützt beispielsweise bei der Organisation von Usability-Tests in Krankenhäusern und übernimmt dabei administrative sowie rechtliche Aufgaben. „Wir kümmern uns um Compliance, Versicherungen und Bezahlstrukturen. Für die Einrichtungen entsteht dadurch ein echter Mehrwert bei minimalem Aufwand“, erklärt Becker Bilić.
Neben der Unterstützung einzelner Projekte verfolgt TechNurse eine langfristige Vision. Das Unternehmen möchte künftig Plattformstrukturen schaffen, die einen direkten Austausch über Medizinprodukte ermöglichen. „Es wäre enorm wertvoll, wenn Anwenderinnen und Anwender ihre Erfahrungen zu Produkten teilen könnten, bevor große Investitionen getätigt werden“, sagt Becker Bilić. Gerade im Klinikalltag zeige sich häufig, dass Produkte zwar technisch überzeugen, sich jedoch nicht optimal in bestehende Arbeitsprozesse integrieren lassen.
Die Resonanz auf die Plattform ist bislang positiv. Laut TechNurse konnten bisher alle Matchingprozesse erfolgreich umgesetzt werden. Besonders im nichtärztlichen Bereich und bei Fachärzten stoße das Angebot auf großes Interesse. „Wir haben festgestellt, dass viele Fachkräfte erstmals die Möglichkeit sehen, ihre Erfahrungen einzubringen und dabei gehört zu werden“, berichtet Becker Bilić. Neben einer fairen Vergütung ist insbesondere der Einfluss auf Produktentwicklungen ein wichtiger Motivationsfaktor.
Perspektivisch sieht das Start-up seine Aufgabe darin, Kommunikationsstrukturen im Gesundheitswesen nachhaltig zu verändern. „Ich möchte die Kanäle zwischen Praxis und Industrie so gestalten, dass echte Win-win-Situationen entstehen“, beschreibt Becker Bilić die Vision hinter TechNurse. Aktuell werden viele Austauschformate stark von industriellen Interessen geprägt. TechNurse möchte hier neue Wege eröffnen und die Blickwinkel der Anwendenden stärker in den Mittelpunkt rücken.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Schaffung von Transparenz innerhalb der Medizintechnikbranche. Durch die Vernetzung unterschiedlicher Akteursgruppen sollen Unternehmen schneller passende Expertisen finden und fundiertere Entscheidungen treffen können. Gleichzeitig verfolgt TechNurse den Ansatz, ein repräsentatives Netzwerk aufzubauen, das die Vielfalt der praktischen Anwendung abbildet.
Mit seinem innovativen Ansatz bringt TechNurse neue Impulse in das Partnernetzwerk von Bayern Innovativ ein. Das Netzwerk unterstützt Unternehmen dabei, Kooperationen zu initiieren, Wissen zu teilen und Innovationen voranzutreiben. Durch die Verbindung von Praxiswissen, technologischer Entwicklung und neuen Kooperationsmodellen ergänzt TechNurse das Netzwerk in besonderer Weise und trägt dazu bei, den Austausch zwischen Industrie, Forschung und Versorgung weiter zu stärken.
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