Engineering und Produktion neu denken: Beschleunigung und Automatisierung als Produktivitätshebel
23.07.2026
Wie können Unternehmen ihre Produktivität steigern, ohne dabei ausschließlich auf neue Technologien zu setzen? Dieser Frage widmete sich das Webinar „Engineering und Produktion neu denken: Beschleunigung und Automatisierung als Produktivitätshebel“ im Rahmen der Reihe „Transformation. Im Dialog.“. Die beiden Referenten Matthias Kollberg, Geschäftsführer der insert effect GmbH, und Dr. Rainer Stetter, Geschäftsführer der ITQ GmbH, beleuchteten das Thema aus unterschiedli-chen Perspektiven. Gemeinsam machten sie deutlich: Erfolgreiche Automatisierung beginnt nicht mit Künstlicher Intelligenz, sondern mit dem Verständnis der eigenen Prozesse und den Menschen, die diese gestalten.
Automatisierung braucht Struktur statt Aktionismus
Ein zentraler Gedanke beider Vorträge war die Erkenntnis, dass einige Unternehmen aktuell zu früh auf KI-Technologien setzen. Bevor intelligente Systeme Mehrwert schaffen können, müssen Prozesse klar definiert, Daten strukturiert und Ziele eindeutig formuliert sein.
Matthias Kollberg stellte dazu ein dreistufiges Modell der Automatisierung vor. Auf der ersten Ebene stehen klassische Prozessautomatisierungen, die wiederkehrende Aufgaben im Hintergrund übernehmen. Darauf aufbauend folgt die automatisierte Zusammenführung und Visualisierung von Daten, wodurch Optimierungspotenziale sichtbar werden. Erst in der dritten Stufe kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel – als Werkzeug zur Analyse, Bewertung und kontinuierlichen Verbesserung bestehender Prozesse.
Der entscheidende Ausgangspunkt ist dabei immer derselbe: Unternehmen müssen verstehen, welche Aufgaben Zeit kosten, Fehler verursachen oder Mitarbeitende unnötig binden. Automatisierung sollte dort beginnen, wo der größte Schmerzpunkt liegt, nicht dort, wo die Technologie am spektakulärsten erscheint.
Kleine Schritte schaffen schnellen Nutzen
Beide Referenten warnten davor, Automatisierung ausschließlich als umfassendes Transformationsprojekt zu betrachten. Statt auf die eine große Lösung zu setzen, empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen.
Kleine, klar abgegrenzte Automatisierungen lassen sich häufig schnell umsetzen und erzeugen unmittelbar messbare Ergebnisse. Sie reduzieren Risiken, schaffen Akzeptanz innerhalb der Organisation und bilden die Grundlage für weitere Digitalisierungsschritte. Über die Zeit entsteht so ein Netzwerk effizienter Prozesse, das oft mehr Nutzen stiftet als einzelne Großprojekte.
Wichtig ist dabei eine konsequente Dokumentation. Nur wenn Prozesse, Ziele und Ergebnisse nachvollziehbar beschrieben werden, lassen sich Automatisierungen langfristig betreiben, erweitern und bewerten.
Digitale Zwillinge als Brücke zwischen Entwicklung und KI
Dr. Rainer Stetter zeigte, wie sich moderne Engineering-Ansätze mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz verbinden lassen. Eine Schlüsselrolle spielen bei seinem Ansatz Digitale Zwillinge und Simulationsumgebungen.
Sie ermöglichen es Unternehmen, Produkte, Maschinen oder Prozesse bereits in frühen Entwicklungsphasen virtuell abzubilden und zu testen. Fehler können erkannt werden, bevor reale Systeme aufgebaut werden. Gleichzeitig schaffen solche Simulationen ideale Trainingsumgebungen für KI-Anwendungen. Millionen von Szenarien lassen sich virtuell durchspielen, ohne Produktionsprozesse zu beeinträchtigen oder Risiken für reale Anlagen einzugehen.
Gerade in der Robotik, im Maschinenbau und in der Automatisierungstechnik entwickelt sich die Verbindung aus Simulation, Digitalem Zwilling und KI zunehmend zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.
Der Mensch bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor
In einem Punkt waren sich beide Referenten besonders einig: Automatisierung ersetzt den Menschen nicht. Zwar werden Routineaufgaben zunehmend automatisiert, doch die Bedeutung menschlicher Kompetenzen wächst. Gefragt sind künftig Fachkräfte, die Prozesse verstehen, Anforderungen formulieren, Ergebnisse bewerten und komplexe Systeme steuern können.
Damit verändern sich auch die Anforderungen an Qualifizierung und Weiterbildung. Unternehmen benötigen Mitarbeitende, die verschiedene Technologiewelten miteinander verbinden können – von Mechanik und Automatisierung über Softwareentwicklung bis hin zu KI-Anwendungen. Gleichzeitig wird kontinuierliches Lernen zu einer strategischen Notwendigkeit, da sich Technologien und Werkzeuge immer schneller weiterentwickeln.
Infrastruktur und Sicherheit gewinnen an Bedeutung
Neben qualifizierten Mitarbeitenden entscheidet zunehmend auch die technologische Infrastruktur über den Erfolg von KI- und Automatisierungsprojekten. Leistungsfähige Hardware, sichere Datenverarbeitung und geeignete Rechenressourcen werden zu zentralen Wettbewerbsfaktoren.
Insbesondere im industriellen Umfeld müssen Unternehmen sorgfältig abwägen, welche Daten in externe Systeme gegeben werden können und welche Anwendungen auf eigener Infrastruktur betrieben werden sollten. Datenschutz, Compliance und Cybersicherheit werden damit zu integralen Bestandteilen jeder Automatisierungsstrategie.
Fazit
Das Webinar machte deutlich, dass Produktivitätssteigerungen nicht allein durch neue Technologien entstehen. Erfolgreiche Automatisierung beginnt mit klaren Prozessen, einem strukturierten Vorgehen und dem Mut, zunächst kleine Verbesserungen umzusetzen. Künstliche Intelligenz entfal-tet ihr Potenzial vor allem dort, wo diese Grundlagen bereits geschaffen wurden.
Gleichzeitig wird deutlich, dass technologische Innovation und menschliche Kompetenz untrennbar miteinander verbunden bleiben. Unternehmen, die in Prozesse, Infrastruktur und die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden investieren, schaffen die Voraussetzungen, um Automatisierung und KI nachhaltig als Produktivitätshebel zu nutzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.
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