Volkswagen will E-Auto-Batterien vermarkten
Ab Ende 2026 sollen Elektroautos von Volkswagen bidirektional laden und als flexible Speicher aktiv am Energiemarkt teilnehmen
17.04.2026
Quelle: E & M powernews
Volkswagen plant den Einstieg in Vehicle-to-Grid für Privatkunden ab Ende 2026. Elektroautos sollen dann als flexible Speicher am Energiemarkt teilnehmen.
Volkswagen bereitet gemeinsam mit seiner Energie-Tochter Elli den Marktstart eines integrierten Vehicle-to-Grid-Angebots (V2G) für Privatkunden in Deutschland vor. Ab dem vierten Quartal 2026 sollen Elektrofahrzeuge der Kundschaft nicht nur Strom beziehen, sondern auch aktiv in das Energiesystem eingebunden werden können. Eine Vorregistrierung sei ab Juni 2026 vorgesehen, weitere europäische Märkte sollen schrittweise folgen, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.
Das Unternehmen versteht V2G nach eigenen Angaben nicht als Einzelprodukt, sondern als Bestandteil eines umfassenden Energie-Ökosystems rund um das Elektroauto. Vertriebsvorstand Martin Sander stellte sogar perspektivisch nahezu kostenfreies Laden in Aussicht. Die VW-ID-Fahrzeugfamilie sei bereits seit 2023 technisch für bidirektionales Laden vorbereitet.
Wie Elli-CEO Giovanni Palazzo erklärte, entstehe der Mehrwert von V2G im Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastruktur und Energiemarkt. Ziel sei es, Batterien zu vernetzen und über Aggregation zusätzliche Wertpotenziale zu erschließen. Auf diese Weise will Volkswagen ein „Managed Battery Network“ aufbauen.
Die Kunden sollen dabei die Möglichkeit haben, ihre Mobilitätskosten aktiv zu steuern. Durch die Bereitstellung von Batteriekapazitäten und flexible Ladezeiten könnten Einsparungen sowie zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Marktseitig wird das Potenzial laut Mitteilung auf bis zu 700 bis 900 Euro jährlich geschätzt. In einer ersten Phase ist eine Vergütung für die Bereitstellung von Speicherkapazität vorgesehen, unabhängig vom tatsächlichen Handelserfolg. Die Höhe orientiere sich an der Flexibilität beim Ladeverhalten.
Konzerntochter Elli handelt an der Epex Spot
Technisch basiert das Angebot auf einem integrierten System aus dynamischem Stromtarif, bidirektionaler Wallbox, Smart Meter und digitaler Steuerung per App. Elektrofahrzeuge übernehmen dabei eine doppelte Funktion als Fortbewegungsmittel und Energiespeicher. Überschüssige Energie, insbesondere aus erneuerbaren Quellen, könne im Fahrzeug gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden.
Volkswagen verweist in diesem Zusammenhang auf systemische Effekte: Studien zufolge könnten durch den Einsatz von Vehicle-to-Grid in Europa bis 2040 jährlich rund 22 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden. In Deutschland seien zuletzt etwa 9,5 Milliarden kwh erneuerbarer Strom abgeregelt worden.
Die Skalierung soll über eine sogenannte modulare E-Antriebsplattform (MEB) erfolgen. Rund eine Million Fahrzeuge in Europa seien bereits technisch vorbereitet. Mit der geplanten „ID-Software 6“ soll die Funktionalität auf weitere Batterievarianten ausgeweitet werden. Volkswagen gibt an, durch entsprechende Batterie- und Schutzsysteme negative Auswirkungen auf die Lebensdauer minimieren zu wollen.
Die Konzerntochter Elli fungiert als Schnittstelle zwischen Fahrzeug, Kunden und Energiemarkt. Das Unternehmen bündelt Stromtarif, Ladeinfrastruktur, digitale Steuerung sowie den Zugang zum Energiehandel. Ein eigenes Team handle kontinuierlich Strom an der Epex Spot. Volkswagen verfolgt dabei ein integriertes Plattformmodell, um zentrale Wertschöpfungsschritte im eigenen Ökosystem zu halten.
Für die Umsetzung ist ein intelligentes Messsystem Voraussetzung. Elli verweist Kundinnen und Kunden hierfür an wettbewerbliche Messstellenbetreiber, die Installation und Datenbereitstellung übernehmen. Nach Unternehmensangaben ist mit einer Installationsdauer von acht bis zehn Wochen zu rechnen, bevor der Tarif genutzt werden kann.
Autor: Fritz Wilhelm
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