Das „Alanbrooke Quartier“ entsteht auf dem rund 18 Hektar großen Areal einer ehemaligen britischen Kaserne in Paderborn (NRW). Mit seiner innerstädtischen Lage, elf denkmalgeschützten Gebäuden im Stil der norddeutschen Backsteingotik und einem großzügig angelegten Quartiersplatz als neuer Mitte gilt es als städtebauliches Vorzeigeprojekt. Die Energieversorgungs-Anlagen wurden auf das Quartier zugeschnitten, denn sie müssen sowohl neue Wohnungen und Gebäude als auch den denkmalgeschützten Gebäudebestand aus dem 19. Jahrhundert effizient versorgen. Planer und Wärmenetzbetreiber haben sich nach Abwägung der möglichen Optionen für ein Konzept mit Nieder- und Hochtemperaturnetz sowie Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk entschieden. Der ehemalige Kasernenstandort Alanbrooke Barracks liegt im westlichen Teil der Paderborner Kernstadt, rund einen Kilometer Luftlinie vom Hauptbahnhof entfernt. Die militärische Nutzung dieser Fläche hat eine lange Historie. Bereits im Jahr 1898 wurde hier eine Infanteriekaserne in norddeutscher Backsteingotik erbaut. Die zum Großteil noch heute erhaltenen Gebäude sind ein charakteristisches Beispiel des historistischen Baustils – und sind in das neue Quartier integriert worden. Alanbrooke Quartier mit Wohn- und Gewerbenutzung Das Alanbrooke Quartier wird in seiner neuen Form für Wohnungen und die Kreativwirtschaft genutzt. Insgesamt sollen mehr als 800 Wohneinheiten in Geschosswohnungsbau und Reihenhausbebauung entstehen, davon 30 Prozent als preisgebundene Wohnungen. Dadurch soll auch das Angebot an bezahlbarem, energieeffizientem und attraktivem Wohnraum im ostwestfälischen Paderborn verbessert werden. Die Wärmeversorgung des Quartiers wird durch eine Energiezentrale bereitgestellt, die in einem der denkmalgeschützten Gebäude untergebracht ist. Als wesentliche Komponenten wurden ein Blockheizkraftwerk, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie Pufferspeicher installiert. Die Erschließung der Fläche begann im Jahr 2020 und wurde 2025 abgeschlossen. Im Frühling vergangenen Jahres wurde für die Versorgung des ein Kilometer lange Niedertemperaturnetz (NT) in Betrieb genommen, zum Jahresende 2025 wurde ebenfalls das 900 Meter lange Hochtemperaturnetz (HT) betriebsbereit befüllt. Hierbei handelt es sich nach Auskunft der Wärmeservice Paderborn um ein eigenständiges Wärmenetz für das Quartier. Zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten liegen in der Erweiterung der Wärmeversorgung auf umliegende Wohnbebauung und Gewerbeeinheiten. Der Altbaubestand wird über das BHKW versorgt Der denkmalgeschützte Altbaubestand wird von dem Hochtemperaturwärmenetz mit insgesamt 1.600 kW Wärmeleistung gespeist. In dem HT-Netz liegt der Vorlauf bei etwa 75 Grad Celsius und der Rücklauf bei 50 Grad Celsius. Die dafür benötigte Wärme wird über ein Blockheizkraftwerk vom Hersteller Sokratherm des Typs „GG 202“ mit einer modulinternen thermischen Leistung von 323 kW und einer elektrischen Leistung von 205 kW sowie einer Spitzenlastkesselanlage erzeugt. Laut Betreiber werden künftig voraussichtlich lediglich 10 Prozent der benötigten Wärmemenge von den Spitzenlastkesseln erzeugt. Das BHKW wird mit dem erneuerbaren Brennstoff Biomethan betrieben. Betrieben wird primär das BHKW, da es effizient die höheren, für die Beheizung des Altbaubestandes erforderlichen Temperaturen liefert, so der BHKW-Hersteller Sokratherm. Von den Wärmepumpen könnten diese nur mit niedrigem COP und damit hohem Stromverbrauch bereitgestellt werden. Zudem bietet das BHKW in diesem Konzept weitere wirtschaftliche Vorteile: den benötigten Strom für die Eigenversorgung in der Energiezentrale − Wärmepumpen, Umwälzpumpen der Wärmenetze, Lüftung, Regelungstechnik und Beleuchtung − liefert ebenfalls das BHKW, nicht benötigte Strommengen werden während der Heizperiode, also zu Zeiten von knappem Stromangebot aus erneuerbaren Quellen, ins öffentliche Netz gespeist. Das BHKW ist Mitte Januar 2026 in Betrieb gegangen und soll – neben der Wärme – jährlich rund 1 Million kWh Strom erzeugen. Neubauten erhalten Niedertemperatur-Wärme Die nach KfW-40-Standard erbauten Neubauten im Alanbrooke-Quartier werden hingegen über das Niedertemperaturnetz mit insgesamt 2.000 kW Wärmeleistung versorgt. Das Wärmenetz hat eine Vorlauftemperatur von 42 Grad Celsius und eine Rücklauftemperatur von 33 Grad Celsius. Der zentrale Erzeuger für das NT-Wärmenetz ist die Sole-Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von 645 kW. Aus einem rund 1,5 Meter tiefen und 10.000 Quadratmeter großen Erdkollektorfeld, das unter dem Park des Quartiers verlegt wurde, bezieht sie die Wärmeenergie. Zudem bezieht die Sole-Wärmepumpe zusätzlich Wärme vom Brennwertwärmetauscher des BHKW. Dabei wird das Solegemisch des Kollektorfeldes vom Brennwerttauscher vorgewärmt, bevor es dem Kollektor und anschließend der Sole-Wärmepumpe zugeführt wird. Da die Temperaturen des Gemisches bei Austritt aus der Wärmepumpe und vor Eintritt in den Erdwärmekollektor mit 4 beziehungsweise 8 Grad sehr niedrig sind, arbeitet der im BHKW-Abgasweg eingebundene Wärmetauscher hier besonders effektiv. Er erzielt – ohne zusätzlichen Gasverbrauch – bis zu 97 kW Wärmeleistung. Durch dieses Konzept wird die Wärmeerzeugung des BHKW besonders effizient genutzt, es erreicht einen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 98,3 Prozent − bezogen auf den Brennwert des Gases. In der Übergangsjahreszeit, ab rund 6 Grad Celsius Außentemperatur, erzeugt zusätzlich eine 176 kW Luft-Wasser-Wärmepumpe Wärme für das Niedertemperaturnetz und ein Rückkühler entlastet den Erdkollektor mit regenerativer Wärme aus der Außenluft. Bei besonders niedrigen Außentemperaturen kann außerdem die Wärme flexibel aus dem HT-Netz ins das NT-Netz zugeführt werden. Aufgrund ihrer Ansteuerung zu den jeweils optimalen Betriebsbedingungen erzielen die Wärmepumpen in diesem System eine besonders hohe Leistungszahl (COP) von 3,9 (Luft/Wasser-WP) und 4,5 (Sole/Wasser-WP). Für die benötigte Flexibilität wurden Wärmespeicher mit verbaut. Für das NT-Netz wurden fünf Pufferspeicher im Gebäude mit insgesamt 26 Kubikmeter Volumen installiert und im HT-Netz ein außenstehender Pufferspeicher mit einem Volumen von 51 Kubikmeter installiert. Die voraussichtlich Gesamtwärmemenge des Quartiers beträgt im Endausbau 5.200 MWh pro Jahr. Neben einer nachhaltigen Energieversorgung wurde auch ein Mobilitätskonzept mit einer Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, neuen Radwegen, Fahrradstellplätzen und Parkplätzen mit Lademöglichkeit umgesetzt. Autorin: Heidi Roider |