Smart Meter Light soll Digitalisierung beschleunigen
Der Koalitionsausschuss will den Smart-Meter-Rollout beschleunigen und die Verteilnetze digitalisieren
02.07.2026
Quelle: E & M powernews
Der Koalitionsausschuss will den Smart-Meter-Rollout beschleunigen und die Stromnetze digitalisieren. Energieverbände begrüßen den Kurs und fordern eine zügige Umsetzung.
Am Abend des 1. Juli hat der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD in Berlin getagt. Er fasste Beschlüsse zu verschiedenen Themen, darunter zur Energiewirtschaft. Die Pläne zur Digitalisierung der Stromnetze und zum beschleunigten Ausbau intelligenter Messsysteme stoßen bei Verbänden aus der Energiewirtschaft und Industrie überwiegend auf Zustimmung.
Nach den Beschlüssen des Gremiums sollen unter anderem die Ziele für den Smart-Meter-Rollout verschärft, eine kostengünstigere Variante eines digitalen Stromzählers (Smart Meter Light) für Haushalte eingeführt und die Digitalisierung der Verteilnetze vorangetrieben werden. Damit sollen Stromnetze effizienter gesteuert und flexible Stromtarife besser genutzt werden können.
Energiewirtschaft zufrieden
Für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßte Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae das „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ der Koalition. So sei der geplante Abbau von Berichtspflichten mittels Beweislastumkehr ein richtiger Schritt. Als richtiges Ziel bezeichnete sie auch die Absicht die Finanzierungsmöglichkeiten der Energieinfrastruktur und die Mobilisierung von privatem Kapital zu verbessern.
„Besonders positiv ist das Ziel, den Verteilnetzausbau zu beschleunigen“, sagte Andreae. Hier bedürfe es mutiger Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen. Transparenz in Form einer Datenplattform für Smart Meter sei wichtig und richtig, müsse aber in Balance mit dem korrespondierenden bürokratischen Aufwand und vor allem auch mit Respekt vor den Sicherheitsnotwendigkeiten einer kritischen Infrastruktur realisiert werden, forderte sie.
Der Netzanschluss von Industriebetrieben oder Energieanlagen sei volkswirtschaftlich ein hochrelevantes Thema. Nach derzeitiger Rechtslage darf ein Netzbetreiber bestimmte Kundengruppen nicht priorisieren. Der Gesetzgeber müsse deshalb schnell klare gesetzliche Regeln erlassen, die es den Netzbetreibern rechtssicher ermöglichen, Kapazitäten entsprechend ihren regional unterschiedlichen Netzsituationen zu vergeben, forderte Andreae abschließend.
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sieht in den Beschlüssen das Potenzial, Investitionen anzustoßen. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing erklärte, insbesondere die vorgesehene Finanzierung der Energieinfrastruktur über den geplanten Deutschlandfonds sei ein wichtiges Signal. Kommunale Unternehmen würden dort ausdrücklich als mögliche Empfänger berücksichtigt.
Keine Doppelstrukturen schaffen
Mit Blick auf die angekündigte Neuregelung des Smart-Meter-Rollouts mahnt der VKU jedoch eine sorgfältige Ausgestaltung an. Nach Einschätzung des Verbandes gewinnt der Einbau intelligenter Messsysteme derzeit deutlich an Tempo. Zusätzliche regulatorische Eingriffe dürften deshalb nicht dazu führen, dass der Rollout erneut verzögert oder komplizierter werde.
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) bewertet die beschleunigte Digitalisierung der Verteilnetze positiv. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser bezeichnete digitale Netze als Voraussetzung für eine intelligente Steuerung des Energiesystems und niedrigere Systemkosten. Positiv sieht der Verband außerdem den Ansatz, Software für Verteilnetzbetreiber gemeinsam als einheitliche Lösung zu entwickeln. Dadurch könne nach Einschätzung des BEE eine stärkere Standardisierung erreicht werden.
Gleichzeitig fordert der Verband, die geplante Anschlussgarantie nicht nur für große Industriebetriebe, sondern auch für Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speicher und flexible Verbraucher vorzusehen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) nannte den Beschluss zur Beschleunigung des Verteilnetzausbaus ein wichtiges Signal, wie Geschäftsführer Wolfgang Weber erklärte. Kritisch sieht der Verband allerdings die geplante Einführung eines sogenannten Smart Meter Light. Diese könne nach Einschätzung des ZVEI unnötige Doppelstrukturen schaffen.
Haushalte an der Energiewende beteiligen
Unterstützung dafür kommt dagegen vom Energieunternehmen Octopus Energy Germany. Das Unternehmen begrüßt neben der Einführung eines Smart Meter Light den geplanten Aufbau einer zentralen Datenplattform für Netzbetreiber. Geschäftsführer Bastian Gierull erklärte, beide Maßnahmen könnten dazu beitragen, den Einbau digitaler Stromzähler deutlich zu beschleunigen und Verbraucher stärker an der Energiewende zu beteiligen.
Nach Angaben der Koalition soll der Anteil intelligenter Messsysteme bis zum Jahr 2030 deutlich steigen. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Stromnetze angesichts des zunehmenden Ausbaus erneuerbarer Energien effizienter zu steuern und die Digitalisierung des Energiesystems voranzutreiben. Wann die angekündigten Maßnahmen gesetzlich umgesetzt werden, ist bislang offen.
Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses vom 1. Juli stehen im Internet bereit.
Susanne Harmsen
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