KIT sieht ausreichend Biomasse für klimaneutrale Kraftstoffe
KIT-Studie sieht großes Potenzial für biogene Kraftstoffe und klimaneutrale Mobilität in Europa bis 2040
24.03.2026
Quelle: E & M powernews
Eine Studie des KIT zeigt: Europa könnte den Straßenverkehr bis 2040 vollständig mit erneuerbaren Kraftstoffen versorgen, sofern bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden.
Europa könnte seinen Kraftstoffbedarf im Straßenverkehr langfristig vollständig aus erneuerbaren Quellen decken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die im Auftrag der BMW AG erstellt wurde. Demnach sei es bereits bis 2030 möglich, mehr als die Hälfte des Bedarfs durch erneuerbare Kraftstoffe zu decken. Grundlage der Analyse ist ein Szenario, das sich an einer ambitionierten Umsetzung der Pariser Klimaziele orientiert.
Die Forschenden haben untersucht, welche Mengen biogener Rest- und Abfallstoffe in Europa verfügbar sind, wie sich diese technisch in Kraftstoffe umwandeln lassen und wie sich der künftige Bedarf im Straßenverkehr entwickeln könnte. Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, dass die vorhandenen Ressourcen ausreichen könnten, um den Verkehr ohne fossiles Öl zu betreiben. Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT, wird mit der Einschätzung zitiert, Europa verfüge langfristig über genügend nachhaltige Ressourcen, um klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen. Dies könne zugleich die Abhängigkeit von Energieimporten verringern und zur Minderung von CO₂-Emissionen beitragen.
Als zentrale Grundlage nennt die Studie eine breite Palette an Rohstoffen. Dazu zählten etwa landwirtschaftliche Reststoffe wie Stroh, Holzreste aus der Forstwirtschaft sowie biogene Abfälle. Ergänzt werde dies durch Zwischenfrüchte und Energiepflanzen, die auf weniger ertragreichen Flächen wachsen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Diese Vielfalt trage dazu bei, die Rohstoffbasis stabil zu halten.
Große Potenziale bei Pflanzenresten und Holzfasern
Thomas Koch vom Institut für Kolbenmaschinen des KIT, der die Studie geleitet hat, wird mit der Aussage zitiert, dass beispielsweise Alt-Speiseöl nur einen sehr geringen Anteil am Rohstoffportfolio ausmache. „Die wirklich großen Potenziale liegen beispielsweise in Pflanzenresten und Holzfasern. Diese Stoffe fallen ohnehin an – und können ausreichend klimafreundliche Kraftstoffe liefern“, so Koch.
Für die Umwandlung der Biomasse in Kraftstoffe untersuchten die Forschenden verschiedene technische Verfahren. Dazu gehört unter anderem die Herstellung von HVO-Kraftstoffen, bei denen ölhaltige Reststoffe hydriert und als Dieselersatz genutzt werden können. Darüber hinaus wurden methanolbasierte Prozesse analysiert, bei denen zunächst ein Synthesegas entsteht, das anschließend zu flüssigen Kraftstoffen weiterverarbeitet wird. Nicolaus Dahmen vom KIT erklärt, diese Technologien ermöglichten es, unterschiedliche Rohstoffe flexibel zu nutzen und hochwertige Kraftstoffe herzustellen.
Ein Teil der Verfahren sei bereits im Einsatz, während andere sich noch in der Entwicklung befänden. Am KIT würden entsprechende Kraftstoffe bereits produziert und in Fahrzeugen getestet. Die Studie zeigt zudem, dass durch die zusätzliche Nutzung von Wasserstoff die Ausbeute an Kraftstoffen deutlich gesteigert werden könnte.
Trotz des erwarteten Ausbaus der Elektromobilität gehen die Forschenden davon aus, dass flüssige Energieträger weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden. Olaf Toedter vom KIT verweist darauf, dass ein großer Teil der bestehenden Fahrzeugflotte noch über Jahre im Einsatz bleiben werde. Für diese Fahrzeuge böten erneuerbare Kraftstoffe eine unmittelbare Möglichkeit, Emissionen zu reduzieren.
Die Studie berücksichtigt neben der Rohstoffverfügbarkeit auch die Entwicklung der Fahrzeugflotten sowie die Konkurrenz um Biomasse durch andere Sektoren wie Industrie, Energieversorgung sowie Luft- und Schifffahrt. Sie basiert auf einem günstigen Szenario, dessen Voraussetzungen teilweise noch geschaffen werden müssten.
An der Untersuchung waren neben dem KIT auch das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) sowie die Unternehmen Freyberger Engineering GmbH und BMW beteiligt.
Nähere Informationen zur Analyse stehen im Internetauftritt des KIT zur Verfügung.
Autor: Fritz Wilhelm
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