KI-Suche verändert Wechselverhalten

Eine Studie von Sirius Campus zeigt, dass KI-gestützte Suchanwendungen bei Tarifentscheidungen an Bedeutung gewinnen und Energieversorger ihre digitale Sichtbarkeit neu ausrichten müssen.

03.11.2026

Quelle: E & M powernews
 
Bei der Such nach einem Stromvertrag hilft verstärkt die KI. Wer sie nutzt und wer profitiert, wurde nun untersucht.

Überraschend ist die Erkenntnis nicht: Kunden nutzen bei der Suche nach einem neuen Stromtarif immer mehr KI-Modelle wie Chat GPT oder Google Gemini. Auch nicht überraschend: Vor allem jüngere Verbraucher unter 30 Jahren nutzen neben Kundenbewertungsportalen auch KI-Anwendungen, um sich über die Angebote der Energieversorger zu informieren.

Dabei geht es nicht ausschließlich um den günstigsten Arbeitspreis. Auch Vertragsbedingungen, mögliche Fallstricke und die Herkunft des Stroms werden recherchiert. Das geht aus einer Untersuchung des Kölner Marktforschungsunternehmens Sirius Campus hervor.

Die KI-gestützte Suche führt laut einer Mitteilung deutlich häufiger zu einem Tarifwechsel beim bisherigen Stromlieferanten als zu einem vollständigen Anbieterwechsel. Für Stadtwerke und andere regionale Versorger könnte dies eine Möglichkeit sein, wechselwillige Kunden im Unternehmen zu halten.

Allerdings müssen ihre Angebote bei der digitalen Suche auch gefunden werden. Sirius-Campus-Geschäftsführer Oliver Gaedeke sieht darin eine Chance, durch eine „professionelle GEO-Strategie“ besondere Beratungs- und Leistungsangebote kleinerer Energieanbieter sichtbar zu machen. GEO steht für Generative Engine Optimization und bezeichnet die Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Suchsysteme.

Niedriger Preis allein reicht nicht mehr aus

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass Gütesiegel, positive Kundenbewertungen und zusätzliche Dienstleistungen die Tarifentscheidung beeinflussen. Ein niedriger Preis allein reicht demnach nicht aus, um sämtliche Kundengruppen anzusprechen. Höhere Preise können laut Sirius Campus durch Zusatzleistungen, Preisgarantien und ein positives Anbieterimage teilweise ausgeglichen werden.

Der deutsche Strommarkt ist von unterschiedlichen Kundengruppen geprägt. Während ein Teil der Haushalte regelmäßig nach günstigeren Angeboten sucht und den Versorger wechselt, hält ein anderer seinem Anbieter über Jahre die Treue.

Demnach haben 26 Prozent der Haushalte innerhalb der vergangenen zehn Jahre mindestens dreimal den Stromanbieter gewechselt. Die Preis-Hopper orientieren sich vor allem an den Kosten. Dagegen sind 30 Prozent der Haushalte ihrem bisherigen Versorger im gleichen Zeitraum treu geblieben.

Auf Stadt- und Gemeindewerke entfallen allerdings nur 36 Prozent der Neuabschlüsse, obwohl sie einen Marktanteil von 61 Prozent besitzen. Überregionale Energieversorger erreichen dagegen 28 Prozent der Neuabschlüsse bei einem Marktanteil von 18 Prozent. Auch Ökostromanbieter und günstige Online-Anbieter gewinnen gemessen an ihrer Marktposition überdurchschnittlich viele Neukunden.

Für die Studie „Angebots- und Treuestrategien im Markt der Strom- und Gastarife“ befragte Sirius Campus nach eigenen Angaben im September 2026 insgesamt 925 Personen, die in ihren Haushalten über Energieverträge entscheiden oder mitentscheiden. Die Untersuchung ist nach Angaben des Unternehmens repräsentativ für die privaten Haushalte in Deutschland.

Autor: Stefan Sagmeister

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