ITER Workshop: Einblicke in die weltweit größte Fusionsforschungsanlage
29.04.2026
Lavendelfelder, Pinienwälder und die helle Kalksteinlandschaft der Provence prägen die Region rund um Cadarache im Süden Frankreichs.
Bekannt ist die Gegend für ihre mediterrane Lebensart und ihre jahrhundertealte Kulturlandschaft. Man denkt an Genuss, an Ruhe, an Tradition, weniger an eines der technologisch anspruchsvollsten Energieprojekte unserer Zeit.
Und doch entsteht genau hier eines der ambitioniertesten Vorhaben der globalen Energieforschung. Unsere Fusions‑Team um Dr. Kathrin Baumgartner und Dr. Christopher Zenk haben rund 1.000 Kilometer von Nürnberg nach Cadarache zurückgelegt, um sich vor Ort ein Bild von ITER, der weltweit größten Fusionsforschungsanlage, zu machen. Anlass war der „3rd ITER Public‑Private Fusion Workshop“.
Vor Ort bringen wir uns in den internationalen Austausch zwischen öffentlicher Forschung und privatwirtschaftlichen Fusionsunternehmen ein. Im Mittelpunkt steht dabei kein einheitlicher Lösungsansatz, sondern das gezielte Zusammenführen unterschiedlicher Perspektiven. Das Ziel ist klar: die Zusammenarbeit untereinander zu stärken.
ITER als globales Schlüsselprojekt der Fusionsenergie
ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) ist eines der größten internationalen Forschungsprojekte weltweit. Beteiligt sind 35 Partner, darunter die Europäische Union, die USA, China, Indien, Japan, Russland und Südkorea.
Ziel von ITER ist es, die wissenschaftliche und technologische Machbarkeit der Energiegewinnung durch Kernfusion im industriellen Maßstab nachzuweisen. Anders als ein Kraftwerk soll ITER keinen Strom ins Netz einspeisen, sondern zeigen, dass ein Fusionsplasma mehr Energie freisetzen kann, als zu seiner Aufheizung notwendig ist.
Die Anlage basiert auf dem sogenannten Tokamak‑Prinzip. Dabei wird ein Plasma, ein ionisiertes Gas, auf Temperaturen von etwa 150 Millionen Grad Celsius erhitzt und durch starke Magnetfelder in einer ringförmigen Vakuumkammer eingeschlossen. ITER soll eine Fusionsleistung von 500 Megawatt bei einer zugeführten Heizleistung von rund 50 Megawatt erreichen und damit erstmals einen Energieverstärkungsfaktor von 10 demonstrieren.
Fokus auf industrielle Umsetzung und Zusammenarbeit
Der Workshop macht deutlich, wie stark sich die Fusionsforschung bereits in Richtung industrieller Umsetzung entwickelt. Im Zentrum stehen konkrete Themen wie der Austausch von Konstruktionsdaten, Engineering‑Erfahrungen sowie Fertigungskonzepte und Lessons Learned aus Bau, Montage und Betrieb hochkomplexer Anlagen.
Ergänzt wird dies durch Diskussionen zu Schlüsseltechnologien wie Robotik und Remote Handling, KI‑gestützte Planung, Hochtemperatursupraleiter und Tritiumkreisläufe. Auch Fragen zu Codes, Standards und Projektmanagement spielen eine zentrale Rolle.
Ein zentrales Ergebnis: Fusionsenergie entsteht nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel internationaler Partner. Belastbare, global vernetzte Lieferketten entwickeln sich dabei zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Impulse für Bayern und die deutsche Industrie
Für uns steht der Transfer dieser Erkenntnisse im Fokus. Ziel ist es, konkrete Anknüpfungspunkte für Unternehmen entlang der Fusionswertschöpfungskette zu identifizieren, etwa in den Bereichen Maschinenbau, Werkstoffe, Sensorik, Automatisierung oder Additive Fertigung.
Durch den direkten Austausch vor Ort und die Einbindung in internationale Netzwerke stärken wir die Position der Industrieakteure im entstehenden globalen Fusionsökosystem. So werden frühzeitig Chancen sichtbar gemacht und gezielt Kooperationen zwischen Forschung und Industrie angestoßen.
Mit neuen Kontakten, einem geschärften Blick auf technologische Herausforderungen und einem vertieften Verständnis globaler Kooperationsmodelle kehrt unser Team nach Bayern zurück. Das Ziel ist klar: die Industrialisierung der Fusionsenergie aktiv mitzugestalten.
Und das geht nur gemeinsam. Sprechen Sie mit uns und lassen Sie uns herausfinden, wie Sie Teil dieses Zukunftsmarktes werden können.
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