Hessen dominiert bei Rechenzentren
01.10.2026
Quelle: E & M powernews
Autor: Fritz Wilhelm
Die Anschlussleistung von Rechenzentren ist in Deutschland ungleich verteilt. Eine IFA-Auswertung sieht Hessen bei Bestandsanlagen klar vorn, bei neuen Projekten führt Brandenburg.
Die elektrische Anschlussleistung von Rechenzentren konzentriert sich in Deutschland bislang stark auf wenige Regionen. Nach einer Auswertung der IFA Berlin entfallen knapp 70 Prozent der erfassten Anschlussleistung bestehender Rechenzentren allein auf Hessen. Zugleich deuten die angekündigten Neubauprojekte auf einen deutlichen weiteren Anstieg des Leistungsbedarfs hin.
Für die Untersuchung hat die IFA Berlin Daten der Plattform Data Center Map zu insgesamt 573 Rechenzentren in Deutschland ausgewertet. Für 218 Standorte lagen Angaben zur Anschlussleistung in MW vor. 151 dieser Rechenzentren befinden sich demnach in Betrieb, 67 weitere sind im Bau oder in Planung. Die IFA greift das Thema auf, weil digitale Infrastrukturen, Edge- und Cloud-Computing sowie Konnektivität zu den diesjährigen Schwerpunkten der Elektronikmesse in Berlin gehören.
Die 151 Bestandsanlagen mit Leistungsangabe kommen zusammen auf 1.763,9 MW. Davon entfallen 1.229,8 MW auf Hessen. Dort befinden sich 63 Rechenzentren, für die eine Anschlussleistung angegeben ist. Mit deutlichem Abstand folgen Brandenburg mit 123,5 MW und Nordrhein-Westfalen mit 107,7 MW.
Für zahlreiche Standorte fehlen Leistungsangaben
Bei der durchschnittlichen Anschlussleistung pro Rechenzentrum ergibt sich ein anderes Bild. Unter den Bundesländern mit mindestens fünf erfassten Bestandsanlagen liegt Brandenburg mit durchschnittlich 20,6 MW je Rechenzentrum vorn. Hessen folgt mit 19,5 MW vor Berlin mit 10,7 MW. Für Baden-Württemberg weist die Auswertung im Mittel 6,1 MW aus, für Bayern 4,2 MW.
Auch auf Ebene der größten Städte zeigt sich die starke Konzentration auf den Raum Frankfurt. Unter den 20 größten deutschen Städten kommt Frankfurt am Main auf 581,6 MW erfasste Anschlussleistung. Berlin folgt mit 96,5 MW, Hamburg mit 31,9 MW. Auch bei der durchschnittlichen Anschlussleistung liegt Frankfurt mit 13,2 MW je Rechenzentrum vor Berlin mit 10,7 MW und München mit 4,7 MW.
Deutlich größer als bei den bestehenden Anlagen fallen die Leistungen der geplanten Projekte aus. Für 67 Rechenzentren im Bau oder in Planung weist die Datengrundlage zusammen eine potenziell verfügbare Anschlussleistung von 6.433,7 MW aus. Den höchsten Wert erreicht Brandenburg mit 2.598 MW, gefolgt von Hessen mit 1.688,9 MW und Baden-Württemberg mit 708 MW.
Bei der Zahl der neuen Projekte liegt Hessen mit 24 Vorhaben wieder vorn, knapp vor Brandenburg mit 22. Für Berlin ergibt die Auswertung neun, für Bayern fünf geplante oder im Bau befindliche Rechenzentren. In Hamburg, Sachsen, dem Saarland, Bremen und Thüringen ist laut Datensatz derzeit kein entsprechendes Projekt bekannt.
Die Zahlen bilden allerdings nicht die gesamte Rechenzentrumsleistung in Deutschland ab. Für zahlreiche Standorte fehlen der IFA zufolge Leistungsangaben. Für Thüringen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben gar keine MW-Werte vorgelegen. Die Daten entsprechen dem Stand im August 2026. Ob alle angekündigten Projekte tatsächlich realisiert werden und mit welcher Leistung, sei offen, so die IFA.
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