EU-Emissionshandel könnte Klimaziel 2040 gefährden

Im Auftrag des WWF Deutschland untersuchte Studie sieht Reformbedarf beim EU-ETS und fordert strengere Regeln für Zertifikatsmengen, Marktstabilitätsreserve und Emissionsbudgets.

03.11.2026

Quelle: E & M powernews

Eine Analyse des Öko-Instituts zeigt Risiken bei der geplanten Reform des EU-Emissionshandels. Bis zu 620 Millionen zusätzliche Zertifikate könnten das Klimaziel 2040 gefährden.
 
Der Reformvorschlag der Europäischen Kommission für den europäischen Emissionshandel (EU ETS) könnte die Erreichung des EU-Klimaziels für 2040 erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Öko-Instituts in Freiburg, im Auftrag des WWF Deutschland.

Demnach reicht die geplante Absenkung der Emissionsobergrenze allein nicht aus, um die Einhaltung des Klimaziels sicherzustellen. Zusätzliche Emissionszertifikate und Überschüsse aus früheren Handelsperioden könnten dazu führen, dass Unternehmen mehr Treibhausgase ausstoßen, als mit dem Klimaziel vereinbar ist.

„Für den Klimaschutz ist nicht nur entscheidend, wie viele neue Emissionszertifikate ausgegeben werden, sondern wie viele insgesamt auf dem Markt verfügbar sind“, sagt Jakob Graichen, Experte für Energiepolitik und Klimaschutz am Öko-Institut. Zusätzliche Zertifikate könnten das EU-Klimaziel für 2040 unterlaufen. Die Reform müsse deshalb verbindlich festlegen, wie viele Emissionen insgesamt noch zulässig seien.

Bis zu 620 Millionen zusätzliche Zertifikate

Nach Berechnungen des Öko-Instituts könnte das Zertifikatsangebot in der fünften Handelsperiode von 2031 bis 2040 die mit dem Klimaziel vereinbare Nachfrage um bis zu 620 Millionen Zertifikate übersteigen. Das entspräche einem zusätzlichen Angebot von bis zu zehn Prozent. Werden diese Zertifikate für Emissionen im EU ETS eingesetzt, müssten andere Wirtschaftssektoren entsprechend mehr Treibhausgase einsparen. Eine zusätzliche Nutzung von Zertifikaten aus der Marktstabilitätsreserve könnte die Zielverfehlung weiter vergrößern.

Das Institut empfiehlt deshalb, sämtliche Zertifikate in einem verbindlichen und transparenten Gesamtbudget zu erfassen. Dazu zählen auch Zertifikate, die dauerhafte CO2-Entnahmen aus der Atmosphäre finanzieren oder über den sogenannten Investment Booster klimafreundliche Investitionen unterstützen sollen. Zusätzliche Zertifikate für CO2-Entnahmen sollten nach Ansicht des Öko-Instituts erst ausgegeben werden, wenn die entsprechenden Entnahmen tatsächlich erfolgt sind.

Absenkung der Obergrenze bis 2035 beibehalten

Auch bei der jährlichen Absenkung der Emissionsobergrenze sieht das Institut Handlungsbedarf. Die derzeitige Absenkungsrate von 4,4 Prozent sollte bis 2035 bestehen bleiben. Bis dahin dürften die letzten großen Kohlekraftwerke den Markt verlassen haben. Gleichzeitig seien weiterhin überschüssige Emissionszertifikate verfügbar.

Darüber hinaus sollte die Marktstabilitätsreserve weiterhin jährlich 24 Prozent der überschüssigen Zertifikate aufnehmen. Ihre Schwellenwerte müssten stärker an die sinkende Gesamtmenge verfügbarer Zertifikate angepasst werden. Die Reserve soll Angebot und Nachfrage im Emissionshandel ausgleichen und damit verhindern, dass ein Überangebot die Anreize zur Emissionsminderung schwächt.

Emissionsbudgets sektorübergreifend abstimmen

Neben der Ausgestaltung des EU ETS fordert das Öko-Institut eine stärkere Abstimmung der Klimaziele zwischen den Wirtschaftssektoren. Die Emissionsbudgets für den Emissionshandel sollten gemeinsam mit den Budgets für Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und weitere Bereiche festgelegt werden.

Zusätzliche CO2-Speicherung durch Wälder und andere Landnutzungsformen könne mögliche Lücken beim Klimaschutz nicht zuverlässig schließen. Die Speicherleistungen seien mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Auch internationale Klimagutschriften nach Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens sollten nach Einschätzung des Instituts nicht dazu dienen, verfehlte Emissionsminderungen im EU ETS auszugleichen.

Stattdessen könnten sie dazu beitragen, Zielverfehlungen bei den Klimaschutzbemühungen insgesamt abzusichern, etwa wenn die erwarteten CO2-Speicherleistungen von Wäldern und anderen natürlichen Senken ausblieben. Voraussetzung seien strenge Anforderungen an die Qualität, Anrechnung und Beschaffung der Klimagutschriften.

Die Studie „The EU ETS and the 2040 target“ des Öko-Instituts steht in englischer Sprache im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen

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