Entsoe legt Abschlussbericht für Iberien-Stromausfall vor

Entso-E-Bericht zeigt: Spannungsprobleme und Kaskadeneffekte führten zum Blackout in Spanien und Portugal

24.03.2026

Quelle: E & M powernews

Nicht eine Überlastung durch zu viel PV-Einspeisung, sondern mangelndes Spannungsmanagement war die Ursache für den großflächigen Stromausfall auf der iberischen Halbinsel 2025.

In einem rund 470 Seiten langen Bericht hat der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber („Entso-E“) den Stromausfall in Spanien und Portugal am 28. April 2025 aufgearbeitet. Demnach liegt die Ursache für den Blackout, dessen Behebung mehrere Stunden dauerte, in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Der Bericht wurde von 45 Fachleuten aus europäischen Übertragungsnetzbetreibern, Regulierungsbehörden und regionalen Koordinierungszentren erarbeitet. Das Gremium war von Entsoe eingerichtet worden, um den schwersten Stromnetzausfall in Europa seit mehr als 20 Jahren aufzuarbeiten.

Ausgangspunkt sei ein unkontrollierter Spannungsanstieg ab 12:32 Uhr gewesen, der in Spanien eine Serie von Abschaltungen auslöste, heißt es in dem Bericht. In der Folge verloren die iberischen Netze die Synchronität mit dem kontinentaleuropäischen Verbundsystem.

Kaskade von Abschaltungen

Bereits vor dem Ereignis seien zwei Schwingungsphasen im Netz aufgetreten, zunächst eine lokal begrenzte Schwingung mit 0,63 Hertz und anschließend eine großräumige Inter-Area-Schwingung mit 0,2 Hertz. Maßnahmen zur Dämpfung dieser Schwingungen erhöhten jedoch die Spannung im System weiter. Im kritischen Zeitfenster schalteten sich dann eine Reihe von konventionellen und erneuerbaren Kraftwerken ab. Das erhöhte die Spannung im Netz weiter, löste weitere Schutzmechanismen aus und führte zu einer Kaskade weiterer Abschaltungen.

Innerhalb weniger Sekunden brach das Netz zusammen und die Systeme trennten sich vom europäischen Verbundnetz. Die automatischen Systemschutzmaßnahmen, heißt es in dem Bericht, hätten zwar wie vorgesehen gegriffen, konnten den Zusammenbruch jedoch nicht verhindern.

Verstärkt worden seien die Auswirkungen der mangelhaften Spannungskontrolle im spanischen Stromnetz durch eine spanische Besonderheit: Der Spannungsbereich des 400-kV-Netz habe mit bis zu 435 kV in einem deutlich weiteren Spannungsbereich gelegen als im Rest Europas. Generatoren durften sich aber bereits bei 435 oder 440 kV abschalten. Der Sicherheitsabstand zwischen normalem Betrieb und Abschaltung sei damit zu gering gewesen.

Die Wiederherstellung der Stromversorgung dauerte in Portugal bis 0:22 Uhr, also etwa zwölf Stunden. Spanien folgte um 4:00 Uhr, nach fast 16 Stunden ohne Stromversorgung.

Basierend auf den Ergebnissen der Untersuchung hat das Expertengremium 17 Empfehlungen entwickelt, darunter die Notwendigkeit verbesserter Spannungsregelung, klarerer Anforderungen an die Blindleistungsbereitstellung und eine engere Abstimmung zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern. 

Der vollständige Abschlussbericht „Grid Incident in Spain and Portugal on 28 April 2025. ICS Investigation Expert Panel Final Report“ ist auf der Internetseite von Entsoe abrufbar.

Autorin: Katia Meyer-Tien

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