Emissionen sinken 2025 nur durch Produktionsrückgang

Agora Energiewende sieht trotz Einhaltung des nationalen Klimaziels deutliche Defizite in den Sektoren Verkehr und Gebäude

08.01.2026

Quelle: E & M powernews

Deutschland hat 2025 laut Agora Energiewende weniger Treibhausgase ausgestoßen, verfehlt aber im Verkehr und bei Gebäuden EU-Vorgaben. Die Denkfabrik und Verbände fordern Reformen.

Deutschlands Treibhausgasemissionen sind 2025 nur leicht gesunken. Nach Berechnungen von Agora Energiewende emittierte die Bundesrepublik im vergangenen Jahr rund 640 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht einem Rückgang um 9 Millionen Tonnen oder 1,5 Prozent gegenüber 2024. Die Minderung fiel damit weniger als halb so hoch aus wie im Vorjahr. Gleichwohl hielt Deutschland das im Klimaschutzgesetz festgelegte nationale Jahresemissionsziel von 662 Millionen Tonnen ein.

Die Emissionsminderungen resultierten vor allem aus einer anhaltenden Schwäche der energieintensiven Industrie sowie aus einer hohen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere aus Photovoltaik. Witterungsbedingt erreichte die Energiewirtschaft jedoch geringere Einsparungen als in den Jahren zuvor. In der Industrie sank der Treibhausgasausstoß um rund 11 Millionen Tonnen CO2 oder 7,2 Prozent. Ursache seien Produktionsrückgänge infolge schwacher Nachfrage und schwieriger globaler Marktbedingungen, so Agora Energiewende.

Gebäude und Verkehr erhöhen Emissionen

Die Denkfabrik für Energie- und Klimapolitik kritisiert die schleppenden Fortschritte beim Umstieg auf erneuerbare Energien in den Sektoren Gebäude und Verkehr. Diese verhinderten Emissionssenkungen, wie sie zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele nötig wären. „Zwar lagen die Emissionen insgesamt rund 49 Prozent unter dem Niveau von 1990, doch verlor der Klimaschutz im Vergleich zu den Vorjahren an Dynamik“, sagte Julia Bläsius, Direktorin Deutschland von Agora Energiewende, vor Journalisten.

Positiv entwickelten sich nach Angaben des Thinktanks vor allem die Absätze von Wärmepumpen und Elektroautos, die 2025 wieder leicht zulegten. In den Sektoren Gebäude und Verkehr stiegen die Emissionen dennoch an. Die Bundesregierung solle laut Agora den Aufwärtstrend nutzen und die heimische Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien stärken, um Industrie und Klimaschutz zugleich voranzubringen.

Bei Gebäuden nahm der Verbrauch von Öl und Erdgas zum Heizen wegen eines kalten Jahresbeginns zu. Dadurch erhöhten sich die Emissionen um etwa 3 Millionen Tonnen CO2 oder 3,2 Prozent. Im Verkehr führten ein höherer Kraftstoffverbrauch und der weiterhin langsame Hochlauf der Elektromobilität zu einem Plus von rund 2 Millionen Tonnen CO2 oder 1,4 Prozent.

Nach Einschätzung von Agora Energiewende verfehlte Deutschland damit erneut die europäischen Klimaschutzvorgaben für Gebäude und Verkehr im Rahmen der „Effort Sharing Regulation“ um etwa 30 Millionen Tonnen CO2. Bis 2030 könnten zusätzliche Zertifikatskäufe in Höhe von bis zu 34 Milliarden Euro nötig werden.

„Der Stromsektor kann die Defizite beim Umstieg auf Klimatechnologien in Verkehr und Gebäuden nicht dauerhaft ausgleichen“, erklärte Bläsius. Für 2026 sieht Agora Energiewende mehrere zentrale Handlungsfelder.

Dazu zählen eine Investitionsagenda für die Elektrifizierung, eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit verlässlichem Netzzugang für Wind- und Solaranlagen sowie eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Neue Heizungen müssten weiterhin überwiegend mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Zudem fordert der Thinktank einen verlässlichen CO2-Preispfad im europäischen Emissionshandel sowie Anreize für den Ausbau der Verteilnetze.

Verbände fordern rasches Umsteuern

Kritik an der Bilanz kam auch von Umweltverbänden. Der Bundesgeschäftsführer der Deutsche Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, erklärte, die Zahlen belegten ein politisches Versagen, da wirksame Maßnahmen seit Jahren ausblieben. Auch der World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland forderte ein konsequenteres Vorgehen und verwies auf die Bedeutung eines wirksamen Klimaschutzprogramms, das die Bundesregierung laut Gesetz bis März vorlegen muss. „All das funktioniert nicht ohne die finanziellen Mittel. Wenn über Haushalte entschieden wird, muss Zukunftsfähigkeit der Maßstab sein“, forderte WWF-Klimachefin Viviane Raddatz.

Nach Einschätzung von Agora Energiewende bleibt der Handlungsdruck hoch. Um das Klimaschutzziel für 2030 zu erreichen, müsste Deutschland ab 2026 jährlich durchschnittlich rund 36 Millionen Tonnen CO2 einsparen – etwa viermal so viel wie 2025. Die jetzt veröffentlichte Studie „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“ liefere dafür eine erste qualifizierte Schätzung und soll als Grundlage für die weiteren politischen Entscheidungen dienen.

Die komplette Agora-Studie „Stand der Energiewende 2025“ steht als PDF zum Download bereit.

Autorin: Susanne Harmsen

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