Dynamische Netzentgelte bremsen Batterien
05.10.2026
Quelle: E&M powernews
Autorin: Susanne Harmsen
STUDIEN. Neon hat im Auftrag von vier Energieunternehmen dynamische Netzentgelte für Batteriespeicher untersucht. Für Verteilnetze fällt die Bilanz unter realen Bedingungen negativ aus.
Das Berliner energiewirtschaftliche Beratungsunternehmen Neue Energieökonomik (Neon) hat eine Studie zu dynamischen Netzentgelten für Batteriespeicher im Verteilnetz veröffentlicht. Auftraggeber sind Eon, EWE Netz, Green Flexibility und Enspired. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein dynamisches Netzentgelt den volkswirtschaftlichen Nutzen von Batteriespeichern selbst unter idealen Bedingungen nur geringfügig erhöht. Unter realistischen Bedingungen könne der Systemnutzen dagegen sogar sinken.
Die Bundesnetzagentur plant, Batteriespeichern mit dynamischen Netzentgelten einen Anreiz für einen netzdienlichen Betrieb zu geben. Die Entgelte sollen den Netzbezug dort verbilligen, wo ansonsten Wind- und Solarstrom abgeregelt würde. In Regionen, in denen Redispatchkraftwerke zur Behebung von Engpässen hochgefahren werden müssten, soll der Netzbezug dagegen teurer werden.
Drei Umspannwerke untersucht
Für die am 25. September veröffentlichte Studie hat Neon den Betrieb von Großbatterien im Jahr 2025 simuliert. Betrachtet wurden drei Standorte in den Verteilnetzen von Edis Netz, EWE Netz und Bayernwerk Netz. Die Umspannwerke auf der Hochspannungs-/Mittelspannungsebene (HS/MS) wählten die Autoren wegen ihres vergleichsweise hohen Redispatchbedarfs aus.
Die Simulationen verglichen den Speicherbetrieb mit und ohne dynamisches Netzentgelt. Dabei untersuchte Neon unterschiedliche Varianten symmetrischer, regionaler Arbeitspreise. In der zentral betrachteten Ausgestaltung wurde das Netzentgelt am Vortag um 10 Uhr auf Grundlage einer Prognose der Netzauslastung festgelegt.
Batteriespeicher werden bislang vor allem marktgetrieben eingesetzt. Sie laden bei niedrigen Großhandelspreisen und speisen bei höheren Preisen wieder ein. Zusätzlich können sie Regelleistung für die Übertragungsnetzbetreiber bereitstellen. Netzengpässe fließen laut Neon dagegen nicht in die Einsatzentscheidung ein. Je nach Marktsituation können Speicher deshalb einen Netzengpass verstärken oder reduzieren.
Kaum Zusatznutzen
Im theoretischen Idealfall fällt der zusätzliche Systemnutzen eines dynamischen Netzentgelts laut Studie gering aus. Neon unterstellt dafür eine perfekte Prognose der Engpässe und ein kontinuierliches Preissignal. Unter diesen Bedingungen sinken die Redispatchkosten zwar um 3 bis 15 Euro je kW Speicherleistung und Jahr.
Dem steht allerdings ein geringerer Nutzen aus dem Strommarkt gegenüber. Das dynamische Netzentgelt führt dazu, dass die Batterie seltener Strom von günstigen in teure Stunden verschiebt. Der dadurch entstehende Rückgang des Marktmehrwerts liegt laut Studie in einer ähnlichen Größenordnung wie die Einsparungen beim Redispatch. Insgesamt erhöht sich der Systemnutzen selbst unter diesen theoretischen Bedingungen lediglich um null bis vier Prozent.
Neon bewertet dabei nicht allein die Entlastung des Netzes. Als Systemnutzen zählt die Studie sowohl den Mehrwert des Speichers an den Strommärkten als auch seinen Beitrag zur Verringerung von Redispatchkosten. Ein Instrument ist demnach nur dann volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn beide Effekte zusammen den Systemnutzen erhöhen.
Prognosen verschlechtern die Bilanz
Unter realistischen Bedingungen fällt das Ergebnis laut Studie negativer aus. Werden die Netzentgelte am Vortag auf Basis von Prognosen festgelegt, treffen die Signale die tatsächlichen Engpässe an den untersuchten Umspannwerken zu selten. In allen drei Fällen sinkt dadurch der Systemnutzen der Speicher. „Im Verteilnetz schadet das untersuchte dynamische Netzentgelt für Speicher mehr, als es nutzt“, resümiert Anselm Eicke, Partner bei Neon und Mitautor der Studie.
Wenig Redispatch an den Standorten
Gleichzeitig sieht Neon an der untersuchten Netzebene nur begrenzten Handlungsbedarf. Die drei Umspannwerke wurden wegen ihres vergleichsweise hohen Redispatchbedarfs ausgewählt. Dennoch findet eine signifikante Abregelung laut Studie nur in 7 bis 16 Prozent der Zeit statt. In mehr als 80 Prozent der Zeit könne ein dynamisches Netzentgelt deshalb keine Abregelung vermeiden.
Hinzu kommt, dass sich die untersuchten Batteriespeicher bereits ohne Netzentgelt überwiegend netzdienlich verhalten. Dadurch sei das zusätzliche Potenzial für ein Preissignal begrenzt. Für das Übertragungsnetz lassen sich die Ergebnisse laut Neon nicht ohne Weiteres übernehmen. Dort können größere und häufigere Redispatchbedarfe grundsätzlich einen höheren potenziellen Nutzen dynamischer Netzentgelte schaffen. Für eine belastbare Bewertung fehlen Neon jedoch öffentliche Daten zur Qualität entsprechender Engpassprognosen.
Die Neon-Studie zu Batterienetzentgelten steht im Internet bereit. (sh)
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