Bayerische Wirtschaft will mehr Tempo beim Klimaschutz

VBW-Monitoring sieht Energiewende in Deutschland und Bayern weiterhin auf zu langsamem Kurs – besonders beim Netzausbau, bei Windenergie und bei den Strompreisen

03.03.2026

Quelle: E & M powernews

Der Bund und Bayern verfehlen reihenweise ihre Ziele, so der Tenor des 14. Energiewende-Monitorings der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. 

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) ist unzufrieden mit der Energiewende. Bei der Vorlage ihres 14. Energiewende-Monitorings vor Journalisten in München war die Kritik von VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt an der Politik deutlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze gehe zu langsam voran, die Energiepreise seien zu hoch, die Transformation komme nicht recht voran.

Grundlage seiner Aussagen sind die Ergebnisse des nun zum 14. Mal in Folge von der Baseler Beratungsgesellschaft Prognos für den Verband erstellten Energiewende-Monitorings. Vier Parameter bewerteten die Autoren mittels eines Ampelsystems beziehungsweise der Noten 1, 2 und 3. Grundlage für die Bewertung durch Prognos ist die Erreichung der von Bund und Freistaat ausgegebenen Ziele in Sachen Energiewende.

​Preise für Industrie nur leicht gesunken

Der Parameter Versorgungssicherheit bekam für Deutschland ein gelbes Zeichen und die Note 2,3. Die Zunahme bei den Erneuerbaren bekam ebenfalls ein gelbes Zeichen und die Note 2,3. Die Umweltverträglichkeit wurde mit einem grünen Zeichen und der Note 1,0 ausgezeichnet. Die drei Parameter haben sich dabei zum Vorjahr nicht verändert.

Die positive Ausnahme war die Bezahlbarkeit als vierter Parameter. Der Wert blieb zwar rot, die Bewertung stieg aber von 3,0 auf 2,5. Der Grund: Die Strompreise für private Haushalte sanken 2025 etwas. Für Industriekunden gingen die Preise ebenfalls zurück, allerdings blieben die Preise im europäischen Vergleich hoch, sagt Sven Kreidelmeyer von Prognos bei der Vorstellung. Aber die Netzentgelte hätten sich seit 2008 deutlich erhöht und zählen zu den höchsten in Europa.

Hohe Kosten für die Systemsicherheit 

Der Parameter Versorgungssicherheit ist immer noch sehr hoch in Deutschland und im weltweiten Vergleich spitze, doch werde es immer kostspieliger, die Sicherheit aufrechtzuerhalten. So lagen die Kosten für Systemsicherheitsmaßnahmen 2024 bei rund drei Milliarden Euro. Der Ausbau der Übertragungsnetze kommt zwar voran, bleibt jedoch hinter ursprünglichen Planungen zurück.

Auch der Parameter Ausbau der Erneuerbaren und Energieeffizienz verläuft nicht nach Plan und zudem sehr uneinheitlich. Bei der Photovoltaik wurde 2025 ein Zubau von 16.300 MW erreicht und damit das Jahresziel von 13.800 MW übertroffen. Die Windenergie an Land blieb mit 4.600 MW deutlich unter dem Zielwert von 10.300 MW.

In Bayern lag der Zubau bei der Windenergie 2025 bei lediglich 80 MW gegenüber einem ausgegebenen Ziel von 700 MW, erläutert Almut Kirchner von Prognos. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Deutschland erreichte 2025 rund 54 Prozent und bleibt damit unter dem Zielpfad von 80 Prozent bis 2030.

Zwar ging der Bruttostromverbrauch 2025 auf 517 Milliarden kWh zurück. Der Rückgang wird im Monitoring aber nicht als struktureller Effizienzgewinn gewertet, sondern maßgeblich auf Produktionsrückgänge in energieintensiven Branchen zurückgeführt. VBW-Chef Brossardt: „Der Rückgang ist daher kein energiepolitischer Erfolg, sondern Ausdruck einer stagnierenden Konjunktur.“

Rückgang bei der Kohleverstromung

Bei den Treibhausgasemissionen verzeichnete Deutschland 2023 laut Bericht einen Rückgang auf 649 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht einer Minderung um 48 Prozent gegenüber 1990. Haupttreiber war vor allem der Rückgang der Kohleverstromung in der Energiewirtschaft.

Doch wiesen die Prognos-Experten darauf hin, dass man für die knapp 50 Prozent Treibhausgasminderung nun 33 Jahre gebraucht habe, für die weiteren 50 Prozent stünden nur noch etwas mehr 20 Jahre zur Verfügung, wenn man es mit der Klimaneutralität bis 2045 in Deutschland auch wirklich so meine.

Das Fazit von Brossardt: „Ähnlich wie in den 13 Jahren zuvor kommen wir zu dem Schluss: Der Fortschritt der Energiewende ist noch nicht zufriedenstellend.“ Doch er zeigte sich trotzdem optimistisch. Die Energiewende sei auch im 14. Monitoring-Jahr vorangekommen. „Nicht gerade schnell. Doch Schrittgeschwindigkeit ist besser als Stillstand.“
 
Um schneller voranzukommen, seien Akteure auf „allen politischen Ebenen gefordert“. Auf EU-Ebene müsse Brüssel die Beihilfevorschriften rasch anpassen, da diese bislang einen wirksamen Industriestrompreis verhinderten. Zugleich dürfe Berlin bei der „Ausbaugeschwindigkeit auf keinen Fall vom Gaspedal gehen“ – weder beim Ausbau erneuerbarer Energien noch bei den Netzen. „Der energiepolitische Weg Deutschlands ist der richtige. Wir müssen diesen Weg jetzt aber deutlich schneller zurücklegen.“

Das „14. Monitoring der Energiewende“ von Prognos steht auf der VBW-Homepage zum Download zur Verfügung.

Autor: Stefan Sagmeister

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